Duisburger Polizist Alfred Roch ist der Helfer in Hochheide

Alfred Roch ist seit Jahren in Hochheide für Jugendliche und Migranten im Einsatz. „Hier wird es immer lebenswerter und perspektivisch immer besser.“
Alfred Roch ist seit Jahren in Hochheide für Jugendliche und Migranten im Einsatz. „Hier wird es immer lebenswerter und perspektivisch immer besser.“
Foto: Funke Foto Services
Alfred Roch hilft in Duisburg als ehrenamtlicher Sozialarbeiter und ging dabei über seine Grenzen.

Duisburg.. Der kleine Kraftraum in Hochheide kann sich nicht mit großen Fitnessketten und Sportstudios messen. Kunden, die rund um die Uhr im Neonlicht zur neusten Chartsmusik am Laufband schwitzen, gibt es hier nicht. Wer bei Alfred Roch Gewichte stemmt, sucht eine zweite Chance, manchmal sogar eine dritte. Jugendliche Intensivstraftäter aus dem Hochhausquartier und der Rheinpreußensiedlung stählen hier kostenlos ihre Körper.

„Mich motiviert die Liebe zu den Menschen. Ich kann niemanden abschreiben, und die Jugendlichen sind dankbar dafür“, sagt Roch. Mit Sport holt er sie von der Straße, doch hier endet sein Engagement längst nicht. Seit Jahren arbeitet der Polizist mit seinem Stadtteilförderverein daran, das Miteinander in Hochheide zu verbessern. Bis vor rund sechs Monaten sogar rund um die Uhr, denn er war Hochheides Bezirkspolizist; inzwischen ist Alt-Homberg sein Revier.

Neben dem Kraftraum hat Roch jährlich zwei Projekte gestemmt, etwa Boxtraining, Anti-Aggressions-Kurse oder Integrationshilfe für Roma, die 2013 nach Hochheide kamen. Er war auch einer der ersten Helfer, als einige der Armutsflüchtlinge durch einen Brand obdachlos wurden.

Ohne Mitstreiter wäre das alles nicht gegangen, doch die haben sich inzwischen rar gemacht. Übel nimmt der 54-jährige Polizist es ihnen nicht. „Mit Intensivtätern zu arbeiten, ist sehr anstrengend und kostet viel Kraft.“ Auch an seinen Kräften hat sein Engagement gezehrt, zu sehr. Im vergangenen Sommer erlitt Alfred Roch einen Zusammenbruch. Aus, vorbei, viel zu viel Stress. „Ich konnte einfach nicht mehr.“ Damals war der Familienvater auch noch bei der Piratenpartei aktiv und in 14 Projekte und Ämter eingespannt.

Sozialstunden für Intensivstraftäter

Jetzt konzentriert er sich nur noch auf den Stadtteilförderverein, seine Jugendlichen möchte er nicht hängen lassen. Regelmäßig meldet sich bei ihm die Jugendgerichtshilfe und er vermittelt Stellen, wo Straftäter ihre Sozialstunden – manchmal über 400 Stunden – ableisten können. Messerstecher oder aggressive Schläger seien nicht dabei, betont Roch, sondern Teenager, die als Eltern ihren Unterhalt nicht zahlen oder beim wiederholten Kreditkartenbetrug erwischt wurden.

Doch es geht aufwärts mit dem Stadtteil, findet er. Natürlich nicht wegen ihm allein, sondern wegen etlicher Leute, die sich für Hochheide aufopfern. „Ich kann die Welt nicht retten, aber ich versuche, in meinem kleinen Bereich zu helfen.“ Das hat offenbar Erfolg. „Hier wird es immer lebenswerter und perspektivisch immer besser.“

Stadtteilförderverein droht die Auflösung

Dagegen blickt sein Verein einer finsteren Zukunft entgegen: „Wenn ich weiterhin allein bleibe, dann muss ich bald die Schotten dicht machen.“ Mögliche Unterstützer bräuchten eine ordentliche Portion Motivation. Ob Nachhilfe, Sport oder Begegnungsprojekte zwischen Teenagern und Senioren: Die Möglichkeiten zur Entfaltung sind zahlreich.

Auflösen möchte Alfred Roch den Verein nicht. Wenn er durch Hochheides Straßen schlendert, im Schatten der Weißen Riesen, grüßen ihn etliche junge Männer und Frauen. Auch der 26-jährige Selo Demirtaş. Vor fünf Jahren stemmte er selbst noch Gewichte in Rochs Kraftraum. Das half ihm, sein Leben als Intensivtäter hinter sich zu lassen. Heute ist er Montagearbeiter und wird bald heiraten.

„Alfred kann man nicht vergessen“, lobt Demirtaş den Mann, der früher an ihn glaubte, als niemand anderes dies wagte. Ein Hochheide ohne Roch und den Stadtteilförderverein, das kann und will sich Demirtaş gar nicht vorstellen.