Duisburger Politik beschließt Kahlschlag auf Mercatorstraße

Für die „verkehrsplanerisch bessere“ Lösung entschieden sich die SPD- und CDU-Politiker in einer gemeinsamen Sitzung  des Ausschusses für Wirtschaft, Stadtentwicklung und Verkehr, des Umweltausschusses und der Bezirksvertretung Mitte.
Für die „verkehrsplanerisch bessere“ Lösung entschieden sich die SPD- und CDU-Politiker in einer gemeinsamen Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft, Stadtentwicklung und Verkehr, des Umweltausschusses und der Bezirksvertretung Mitte.
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Was wir bereits wissen
Die großen Fraktionen stimmen in einer gemeinsamen Ausschusssitzung für die ursprüngliche Radikallösung. 24 Platanen fallen. Gegner enttäuscht.

Duisburg.. SPD und CDU ließen keinen Zweifel daran, dass sie in der gemeinsamen Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft, Stadtentwicklung und Verkehr, des Umweltausschusses und der Bezirksvertretung Mitte eine Entscheidung treffen wollten. Zuvor hatten zahlreiche Vertreter der Grünen, Linken, FDP und AfD moniert, dass sie sich kaum mit den Unterlagen auseinandersetzen konnten, weil sie teilweise erst am Vormittag per Post kamen und erst vor zwei Tagen online einsehbar waren. Sie vermuteten dahinter Methode, ein unangenehmes Thema schnell durchwinken zu wollen.

Gegner unterstellen Kalkül

Die Verwaltung hatte zwei Varianten zur Umgestaltung der Mercatorstraße vorgeschlagen: Die erste Variante hatte heftigen Bürgerprotest provoziert, weil bei diesem Entwurf 24 Bäume gefällt werden sollten. Frank Albrecht, der für die Liberalen in der Bezirksvertretung sitzt, lehnte aber auch inhaltlich beide Vorschläge ab. Zum einen habe sich die FDP immer für den Erhalt der Bäume eingesetzt. Zum anderen bezweifelte er, dass bei der zweiten Variante, bei der nur noch eine Fahrspur übrig bleiben würde, um elf Bäume zu erhalten, die Innenstadt nicht vor einem Verkehrskollaps stünde. Schon heute staue sich der Verkehr von der Autobahn bis zum ehemaligen Mercator-Kreisverkehr. Planungsdezernent Carsten Tum erklärte, dass man mit DVG und Feuerwehr über die Verkehrssituation beraten habe und diese davon ausgehen, dass der Vorschlag umsetzbar sei. Der Verkehr solle an dieser Stelle mit Tempo 30 fließen.

Lothar Tacke (SPD) und selbst Mitglied in der Baumschutzgruppe der Bezirksvertretung Mitte, sprach sich für die „verkehrsplanerisch bessere“ Lösung aus. Dies bedeutet, die SPD befürwortete die Ursprungsvariante, bei der sämtliche Bäume gefällt werden. Dafür könnten Fußgänger die Straßen an mehreren Stellen queren – und es würden neue, kleinere Bäume gepflanzt, stellte Dezernent Carsten Tum in Aussicht. Bis die allerdings den Allee-Charakter der heutigen Straße erreichen, werde es aber ein paar Jahre dauern, gab er zu.

Claudia Leiße, Mitglied für die Grünen im Ausschuss für Wirtschaft, Stadtentwicklung und Verkehr, widersprach der Verwaltung, dass die Allee und die Verkehrsführung an der Mercatorstraße Bedeutung für ganz Duisburg haben. Somit entscheidet nämlich der Beirat der Unteren Landschaftsbehörde und der Rat der Stadt. Ein etwaiges Bürgerbegehren bezieht sich nun nicht mehr nur auf den Bezirk Mitte, sondern müsste Unterstützer-Unterschriften in allen Duisburger Bezirken zusammenbekommen. Noch so ein Punkt, bei dem die Gegner, die nicht beschließen wollten, der Verwaltung Kalkül unterstellen.

Kommentar: Politikverdrossenheit kein Wunder

Über Politikverdrossenheit sollten sich die Duisburger Politiker in Zukunft besser nicht beklagen. Erst schieben die Parteien die Entscheidung um den Erhalt der Platanen auf die Zeit nach der Kommunalwahl, um scheinbar auf die Argumente der Platanenretter einzugehen – um dann hopplahopp doch das Thema durchzuwinken, und sich für die ursprüngliche Radikallösung zu entscheiden. Die Begründung, dass Fristen ablaufen, um von Zuschüssen zu profitieren, ist anscheinend vorgeschoben. Das dürfte vor einigen Wochen schon bekannt gewesen sein, und hätte eine öffentliche Diskussion möglich gemacht. Ein Geschmäckle bleibt.