Duisburger Netzwerk warnt vor Gefahren im „toten Winkel“

Bei herrlichem Frühlingswetter am Mittwoch interessierten sich Senioren und Schüler aus Duisburg gleichermaßen für die Erläuterungen von Polizei, DVG und Dekra zum Thema „toter Winkel“ an Lkw und Linienbussen.
Bei herrlichem Frühlingswetter am Mittwoch interessierten sich Senioren und Schüler aus Duisburg gleichermaßen für die Erläuterungen von Polizei, DVG und Dekra zum Thema „toter Winkel“ an Lkw und Linienbussen.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Schüler aus Huckingen und eine Seniorengruppe aus Beeckerwerth waren am Aktionstag des Netzwerks „Duisburg. Aber sicher!“ auf DVG-Betriebshof zu Gast

Duisburg.. Das Fahrrad, das nur einen knappen Meter neben dem rechten Vorderrad des Lastwagens auf dem Asphalt steht, ist unsichtbar. Zumindest für alle, die auf dem Fahrersitz des Lkw probeweise Platz nehmen und einen Blick in den Außenspiegel riskieren. Das Zweirad steht im „toten Winkel“ – und damit im akuten Gefahrenbereich.

Zahlreiche Unfälle ereignen sich in jedem Jahr, wenn Busse oder Brummis beim Abbiegen Fußgänger oder Radfahrer im besagten „toten Winkel“ übersehen. Dieser Thematik will sich das Verkehrssicherheits-Netzwerk „Duisburg. Aber sicher!“ nun verstärkt widmen. Mit im Boot bei dieser Aktion sitzen neben der Stadt und der Polizei auch die DVG, die Verkehrswacht, die Dekra und die Bürgerstiftung.

In Duisburg verunglückten 2014 439 Radfahrer

Dass Handlungsbedarf besteht, beweist ein Blick auf die Unfallstatistik: In ganz Deutschland gab es 2014 rund 70.000 verunglückte Radfahrer. Allein in Duisburg waren es 439. „Das waren 15 Prozent mehr als im Jahr zuvor“, sagte Duisburgs Polizeipräsidentin Dr. Elke Bartels. Bei diesen Unfällen gab es 63 Schwer- und 372 Leichtverletzte zu beklagen – und sogar vier Tote. „Zwei von ihnen wurden von Lkw beim Abbiegen übersehen, weil die Radler im toten Winkel fuhren“, erklärte Bartels. Beide Fälle ereigneten sich in Ruhrort.

Diesen Ausführungen lauschte eine Seniorengruppe der evangelischen Kirchengemeinde vom Schwalbenplatz in Beeckerwerth ebenso aufmerksam wie die 23 Schüler der Klasse 7a der Realschule Süd in Huckingen. „Wir hatten uns im Vorfeld im Politik-Unterricht mit dieser Thematik beschäftigt“, sagte Klassenlehrerin Kerstin Sikora, die seit zwölf Jahren an der Realschule Süd unterrichtet. Für die Kinder sei das ein spannendes und lebensnahes Thema gewesen. „In Gesprächen hat jeder Schüler von seinen eigenen Unfallerfahrungen erzählt. Wie haben viele Kinder in der Klasse, die ihren Schulweg täglich zu Fuß oder mit dem Rad zurücklegen. Von daher gab es einen persönlichen Bezug zum Thema“, sagte Sikora.

Busse der DVG werden mit Aufklebern versehen

Die DVG wird bald ihre 116 Busse mit einem großflächigen Aufkleber bestücken, der vor dem „toten Winkel“ warnt. „Aufkleber allein verhindern keine Unfälle, aber vielleicht schärfen sie ja das Bewusstsein unserer Fahrgäste und der Bürger für diese Gefahrenquelle“, sagte David Karpathy, Personalvorstand bei der DVG. Auf deren Bus-Betriebshof Am Unkelstein in Kaßlerfeld fand auch dieser Aktions-Vormittag statt. Mitarbeiter der Polizei erklärten den Schülern und Senioren ausführlich und anschaulich, an welchen Stellen die für Bus- und Lkw-Fahrer unsichtbar werden.

Seit 2005 müssen alle neuen Busse mit einem Extra-Außenspiegel ausgestattet sein, der so gewölbt ist, dass es für den Fahrer praktisch keinen „toten Winkel“ mehr gibt. Alle älteren Fahrzeuge seien flächendeckend damit nachgerüstet worden, so die DVG. „Auch einem Lkw stehen allein auf der rechten Seite drei bis vier Außenspiegel zur Verfügung“, erklärte Dekra-Mann Jürgen Bongardt. Und trotzdem käme es noch regelmäßig zu Unfällen.