Duisburger Mieter hockten wochenlang in kalter Wohnung

Lange mussten sich Mieter wie Franz Engel, Andrea van Gent und Astrid Payns mit Baby mit warmen Decken oder elektrischen Heizkörpern helfen.
Lange mussten sich Mieter wie Franz Engel, Andrea van Gent und Astrid Payns mit Baby mit warmen Decken oder elektrischen Heizkörpern helfen.
Foto: Stephan Eickershoff/FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Ein Streit zwischen einem Hauseigentümer in Duisburg-Meiderich und den Stadtwerken hat für die Mieter eines Mehrfamilienhauses äußerst unangenehme Folgen.

Duisburg.. Wochenlang bleibt die Wohnung kalt, kommt kein warmes Wasser aus dem Hahn. Franz Engel versteht Anfang März wie die anderen Mieter, darunter eine Mutter mit ihrem drei Monate alten Sohn, in einem Mehrfamilienhaus in Meiderich die Welt nicht mehr. Da zahle man, so Engel, regelmäßig und brav seine Nebenkosten an den Vermieter – und dann wird plötzlich das Gas abgedreht. Die Mieter behelfen sich notdürftig mit warmen Decken, Warmwasserkocher oder Heizungslüftern und sind einfach nur wütend. Engel wendet sich schließlich an die WAZ, die in der Sache nachhakt.

Anruf beim Vermieter Michael Lau aus Essen: Der gibt den Stadtwerken die Schuld. Im vergangenen Herbst habe er seinen Vertrag beim hiesigen Versorger ordnungsgemäß gekündigt. Der habe aber zu spät reagiert, so dass ein Lieferantenwechsel geplatzt sei. Dadurch sei er in die Grundversorgung zurückgestuft worden, die die Stadtwerke aber mit dem Verweis auf wirtschaftliche Unzumutbarkeit ablehnen. „Es geht um offene Zahlungsforderungen, die nicht berechtigt sind, mit denen ich nichts zu tun habe“, sagt Lau.

Hickhack zwischen Vermieter und Stadtwerken

Als schließlich der Gaszähler im Haus abmontiert wird, beantragt der Vermieter beim Amtsgericht Duisburg per einstweiliger Verfügung, die Gasversorgung wieder herzustellen. Der Richter gibt dafür Mitte März grünes Licht, doch die Stadtwerke legen gegen diese Entscheidung Widerspruch ein.

Ein Sprecher begründet dies auf Anfrage und schildert den Fall so: Der Versorgungsvertrag sei zunächst auf Wunsch des Vermieters fristgemäß beendet worden. Wie die Netze Duisburg GmbH, eine Stadtwerke-Tochter, die als Verteilnetzbetreiber auch für den unabhängigen Zugang aller Anbieter am Markt verantwortlich ist, mitteilt, sei aber gleichzeitig gar kein Antrag für einen Lieferantenwechsel eingegangen. Weil die Stadtwerke die Grundversorgung aufgrund aus ihrer Sicht berechtigter offener Forderungen ablehnen, sei dadurch dem Zähler gar kein Versorger mehr zuzuordnen gewesen. Die Folge: kein Gas mehr für das Meidericher Haus. Diese Versorgungssperre sei umgangen worden, woraufhin erst der Zähler abmontiert worden sei, so ein Netze-Sprecher.

Offener Ausgang des Streits

Die Stadtwerke wiederum bleiben ihrer Haltung, blockieren nach ihrer Aussage aber auch keinen Lieferantenwechsel. Einen entsprechenden Antrag, so Vermieter Michael Lau, habe er erneut gestellt. Er sagt aber auch: „Die Stadtwerke verschanzen sich hinter einem undurchsichtigen Firmengeflecht – und das alles zu Lasten meiner Mieter.“

Die haben inzwischen endlich wieder warmes Wasser und eine warme Wohnung. Wie der Streit um die offenen Forderungen zwischen dem Vermieter und den Stadtwerken ausgeht, ist dagegen noch offen.