Duisburger Lehmbruck-Museum denkt wegen finanzieller Probleme über Kunstverkauf nach
27.10.2012 | 08:00 Uhr 2012-10-27T08:00:00+0200
Duisburg. Dem Lehmbruck-Museum steht das Wasser finanziell bis zum Hals. Jetzt wird hinter den Kulissen über den Verkauf der Giacometti-Skulptur „Das Bein“ diskutiert. Ein Sammler aus Fernost soll sich für das 1958 gefertigte Stück interessieren und offenbar bereit sein, dafür mehr als 20 Millionen Euro zu bezahlen.
„La Jambe“ heißt die Skulptur von Alberto Giacometti, ein schmales, isoliertes, vom Rest des Körpers abgetrenntes Bein. Seit 1960 ist die Bronzeskulptur im Besitz des Lehmbruck-Museums, sie ist dort ausgestellt. Noch. Denn womöglich könnte die Skulptur bald den Besitzer wechseln, damit sich das Museum aus der finanziellen Klemme rettet.
Nach NRZ-Informationen soll Museumsdirektor Raimund Stecker in dieser Woche Mitgliedern des Stiftungs-Kuratoriums von einer Kauf-Offerte berichtet haben. Ein Sammler aus Fernost soll sich für das 1958 von Giacometti gefertigte Stück interessieren und offenbar bereit sein, dafür mehr als 20 Millionen Euro zu bezahlen.
Museumsdirektor will nicht über Interna sprechen
Stecker selbst, der sich am Freitag auf dem Weg nach Frankreich befand, will sich zu dem Kauf-Angebot nicht äußern. Er kommentiere grundsätzlich keine Interna aus den Sitzungen des Kuratoriums, die Inhalte unterlägen der Verschwiegenheit. Kaufangebote würden dem Museum aber immer häufiger gemacht, erklärte Stecker der NRZ, der eingangs genannte Preis sei dabei nicht der höchste gewesen.
Gerade wenn es um die Werke von Alberto Giacometti geht, stehen immer wieder astronomische Summe im Raum. Der 1966 verstorbene Schweizer gehört zu den bedeutendsten Bildhauern des 20. Jahrhunderts. Sein Bronzeguss „L’Homme qui marche“, dessen Abbild auch die Rückseite der Schweizer 100-Franken-Note ziert, hielt kurzzeitig den Rekord des höchst erzielten Preises bei einer Kunstauktion: Die 1,80 Meter hohe Skulptur wurde im Februar 2010 im Aktionshaus Sotheby’s für 65 Millionen Pfund (74,4 Millionen Euro) versteigert.
Offenbar halten einige der Kuratoriumsmitglieder den Verkauf von „La Jambe“ („Das Bein“) oder auch eines anderen Kunstwerkes nicht für ausgeschlossen. Zumindest nicht, wenn es sich um ein Exponat handelt, das nicht zum Kern der Sammlung gehört. Hintergrund ist die finanzielle Schieflage des Museums. Die Kosten für den Betrieb und die Ausstellungen sollen höher sein als die Erlöse aus dem Stiftungskapital. Hinzu kommt, dass Teile des Museums in die Jahre gekommen sind, es gibt hohe Renovierungskosten, im März musste eine Galerie wegen Baumängeln kurzzeitig gesperrt werden.
Erlös könnte in Stiftungskapital fließen
Wie es um die finanzielle Situation des Museums steht, zeigt auch eine Personalie an der Spitze: Nach NRZ-Informationen sollen die Banken einen Sitz für eine Vertrauensperson im Vorstand gefordert haben, damit weiterhin Kredite gewährt werden. Im Gespräch soll dafür ein Finanzexperte sein, dem die Kunst und auch das Museum nicht fremd sind: Ex-Sparkassenvorstand Claus-Robert Witte. Der 64-Jährige ging Ende Juni in den Ruhestand, er ist auch im Freundeskreis des Lehmbruck-Museums engagiert. Witte wurde schon einmal geholt, als ein städtisches Unternehmen in Schieflage geriet: Nach den Turbulenzen bei der Gebag hatten ihn die Stadt und die Banken gebeten, den Vorsitz im Gebag-Aufsichtsrat zu übernehmen.
Allerdings lassen sich die meisten Probleme eben auch lösen, wenn das Museum eines seiner Kunstwerke verkauft. Der Erlös könnte in das Stiftungskapital fließen, der jährliche Zinsgewinn die Situation entspannen. Allerdings ist ein Verkauf von Tafelsilber aus einem Museum stets umstritten, erst recht, wenn es sich um einen Hochkaräter aus der Sammlung handelt. Zu dem Spagat zwischen ideellen Wert und den nackten Zahlen zur Rettung wollte sich Kulturdezernent Karl Janssen gestern nicht äußern. Museumsdirektor Stecker teilte mit, dass er grundsätzlich bereit sei, „jedweden sich neu bietenden Weg konstruktiv zu überdenken“. Allerdings müsse der dann der „künstlerischen Freiheit der Museumsarbeit“, also der Sammlung und dem Ausstellunsprogramm, dienen.

15:08
Das Lehmbruck-Museum ist für die Stadt Duisburg sehr wichtig, denn es hat den Duisburger Bürgern seit Jahrzehnten einen Zugang zu einer kulturellen Dimension ermöglicht, den die "Industriekultur" nicht zu gewähren vermag. Natürlich kann ich mir dreimal die Woche das alte Hochofenwerk anschauen, in dem meine Verwandten früher gearbeitet haben; aber in Duisburg leben doch auch Menschen, gerade auch junge, die über den Tellerrand der lokalen Kultur hinausschauen wollen und müssen. Mich zum Beispiel hat vor über 40 Jahren die Paul-Klee-Ausstellung im Lehmbruck-Museum sehr beeindruckt. Solche Möglichkeiten sollten auch zukünftig bleiben.
Wenn das Überleben des Museums so gesichert werden kann, wird man sich leider auch von einem Giacometti-Werk trennen müssen ...
10:44
Es ist bestimmt keine glückliche Lösung, ein solch spektakuläres Werk zu versteigern-
aber vielleicht der einzig gangbare. Viele Besucher kommen wegen Alberto Giacometti nach Duisburg.
Alternativ vielleicht Werke aus den riesigen Fundus verkaufen die nie öffentlich gezeigt werden. Diese dann bevorzugt an interessierte Duisburger Bürger.
22:04
@ tom009
Könnten Sie bitte die Museen aufzählen, bei denen das so üblich ist.
18:44
uhiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii
welch kluge und schlauen kommentare mal wieder.
ja verdammt warum sind denn diejenigen die hier wieder maulen nicht bei der ob wahl als parteilose angetreten.
ihr wißt alles besser
ihr könnt alles besser.
und so weiter.
nur seltsamerweise kriegt keiner von euch den hintern hoch und versucht es mal.
nein da ist das rumnörgeln doch sooooo viel einfacher.
und das soll jetzt nicht heißen das ich die politik in schutz nehme.
nur komisch ist das der duisburger bürger anscheinend zu blöde ist.
die die diese lage ausgelöst haben sind ja gerade erst wieder ins amt gewählt worden.
ich nenne nur mal diese völlig überflüssige u-bahn
dann das tam als musicalhaus.
und da gibt es noch so ein paar dinge.
wie gesagt
der duisburger ist zu blöde um daraus mal konsequenzen zu ziehen.
nee er läßt sich weiterhin über den tisch ziehen.
und was den verkauf angeht
nun das geschieht doch in jedem museum.
warum jetzt gemeckert wird weiß ich nicht
Lieber Tom009,
ob irgendjemand alles besser weiss oder gar besser kann, vermögen sie vielleicht zu beurteilen, ich leider nicht!! Aber ich kann zumindestens wie manch anderer hier auch Stellung beziehen. Dies ist in einer Welt der allgemeinen Berieselung, vielleicht schon etwas. Hinzu kommt eine gewisse Beschiedenheit, denn wenn ich mir überlege, wie unüberlegt manche Menschen von UNSERER Kultur sprechen, dann graust es mir davor jeden Tag zu diskutieren mit Menschen, die von z.B. unserer Stadt sprechen und damit etwas meinen, was ich überhaupt nicht nachvollziehen möchte. Gemeint ist z.B. ein SPDler der von unserer Stadt spricht als ein Gemeinwesen das nur der Partei verpflichtet ist und dies als sein Eigentum betrachtet. Genauso wie Menschen denen es nur auf ihre eigene Pfründe ankommt und Kommunalpolitik für ihre eigenen Machenschaften missbrauchen, wie unlängst wieder genau zu betrachten. Eine solche Auseinandersetzung will wohl überlegt sein.
12:49
Handcrafted, mit jedem Ihrer Worte und Ihrer Sätze bin ich bei Ihnen. Es gibt nichts mehr, was ich mir wünsche, als dass endlich diejenigen, die die Duisburg-Misere verursachten, zur Verantwortung gezogen werden. Das wird allerdings in unserer Parteiendemokratie nicht passieren. Ich unterstelle, dass Sie von diesen Leuten nicht auch noch Kunstverständnis erwarten.
Glücklicherweise wird die Kunst auch uns überleben, die wir uns nicht gerade mit sozialen Errungenschaften geschmückt haben. Doch gerade das auf möglicherweise fragwürdigen Umständen eines zu Wohlstand gekommenen Fernostinteressenten unterbreitete Angebot zeigt uns, dass es nicht um Kunst, sondern um Geld geht.
Duisburg, und zwar schon unter der früheren SPD-Herrschaft und nun leider wieder darunter, hat sich in eine Lage gebracht, wo elitäre Gedanken und Gefühle nicht mehr angebracht sind, sondern wo es um das nackte Überleben geht. Und da ist ein nicht mehr vorhandener Giacometti verschmerzbar, wenn es denn hilft.
Kunst war schon immer untrennbar mit Geld verknüpft. Das war nie anders und wird nie anders sein. Allerdings finde ich, dass die Kunst nicht immer unbedingt sich auf die öffentliche Hand verlassen sollte. Ich finde es nicht verkehrt in Zeiten in denen manches nicht möglich ist, dass sich ein Museum überlegt, wie es sich teilweise selbst finanzieren kann. Das kann über Mäzene funktionieren oder, wie in diesem Fall, auch über Verkäufe. Über letzteres bin ich auch nicht glücklich, doch muss man auch die Alternativen sehen. Was wäre gewonnen, wenn das Museum nicht verkaufen würde und damit auch kein neues Kapital generieren würde? Weitere Zahlungen aus öffentlicher Hand sind sicherlich nicht zu erwarten. Also würde das Geld fehlen.
12:39
Ich verstehe die Aufregung über die verschiedenen Kommentare nicht. Jeder hat sein eigenes Kunstverständnis und kommentiert aus diesem heraus die Meldung. Wenn jemand eine rein wirtschaftliche Sicht auf die Kunstgegenstände hat und meint, dass sie in unserer Stadt überflüssig sind, dann ist das seine Meinung und wir sollten sie akzeptieren ohne zerfleischend über denjenigen herzufallen. Ich halte solche, die Person diffamierenden Kommentare für absolut verwerfliche.
... und um den Haßkommentatoren vorwegzugreifen. Ich teile die Meinung nicht. Ich finde es ausgesprochen Schade um jedes Kunstwerk, das unsere Stadt verlässt. Allerdings sehe ich auch, dass man ab und an verzichten muss um das Ganze zu retten. Auch ich finde Kunst nicht immer schön. Auch ich könnte auf das Eine oder den anderen "David" verzichten, trotzdem denke ich, dass sie unser aller Leben reicher macht.
Lieber Kikimurks,
Hasskommentare schreiben andere Menschen. Wer REIN WIRTSCHAFTLICH mit Kunst umgeht, bei denen ist es meist nicht weit auch mit Menschen rein wirtschaftlich umzugehen( z.B. als Humankapital ). Genau gegen dieses Denken richtet sich mein Kommentar, wenn sie das als Hasskommentar auffassen, arme Welt.
Wehret den Anfängen und es beginnt mit unserem DENKEN.
Ich finde es nur als ein Zeichen von Armut, wenn man anderen die Meinung nicht lässt. Man kann den Unwillen auch so äußern, dass man den anderen nicht verunglimpft. Jeder hat halt eine andere Sicht der Dinge. Will man seine eigene dem anderen überstülpen ist das Gedankendiktatur und die lehne ich nun einmal ab.
Ich stimme Ihnen absolut zu, dass die Verwirtschaftlichung der Gesellschaft viel zu weit fortgeschritten ist. Auch ich lehne Begriffe wie Humankapital oder, noch schlimmer, Human Resources ab. Allerdings akzeptiere ich es, wenn andere eine andere Sicht haben. So schlimm ich das rein wirtschaftliche Denken halten, für um so schlimmer halte ich Menschen, die meinen man müsse die Gedanken anderer zensieren. Gedankenzensur ist so ziemlich das Schlimmste, was wir unserer Gesellschaft antun können.
Lieber Kikimurks,
ich lasse liebend gerne anderen Menschen ihre Meinung und Gedanken . Aber ich wende mich vehement gegen Menschen, die meinen anderen Menschen eine bestimmte Art von Kultur und dies noch im Zusammenhang mit neoliberalem Gedankengut, mir/uns aufoktroyieren zu wollen. Dies hat weder mit Gedankenzensur ( ein wirklich interessanter Begriff ) zu tuen, noch mit Meinungsunterdrückung. Das was sie scheinbar an mir kritisieren ist ein weit verbreiteter Reflex, von Menschen die wenn sie etwas nicht verstehen, meistens auch nicht verstehen wollen, es dann negieren, nicht darüber NACHDENKEN und wie unserem Fall einfach verkaufen wollen und sogar dann noch der Allgemeinheit einen Kulturbegriff überstülpen wollen.
Also geht die Gedankenzensur/ Kulturzensur nicht von mir aus, sondern von denjenigen, die eine solche Kultur uns nahelegen wollen, wie schon einmal im Faschismus geschehen. Damals hätten vielleicht mehr Leute diese Meinung nicht zulassen sollen.
Mit freundlichen Grüssen
HC
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12:10
Fortsetzung
5.) Aus den o.g. Punkten ist es NICHT unredlich solche Kunstbewertungen zu kritisieren sondern sogar eine PFLICHT dies zu tuen, da ansonsten der Eindruck entstehen könnte das wir von unseren Bäumen immer noch nicht heruntergekommen sind.
Mit freundlichen Grüssen
Handcrafted
12:04
Fortsetzung
3.) Wenn Geld gebraucht wird, das unsere unverantwortlichen Politiker lieber für Ihre Parteifreunde ausgeben( z.B. GfB, Personalentscheidung ) oder ansonsten in unsinnige Projekte ( Mercatorhalle,TAM mit Musical oder andere Leuchtturmprojekte wie KUBUS etc. stecken), dann sollten diese Damen und Herren zur Verantwortung gezogen werden und nicht Kunstobjekte mit denen man sich nicht auseinandergesetzt hat oder noch schlimmer nicht verstehen will.
4.) Seit ca. 30 Jahren beobachte ich, wie das neoliberale Weltverständnis unsere Umwelt( sowohl unsere natürliche -, wie auch die gesellschaftliche- ) und unser Denken vergiftet. Das findet sich auch in manchen dieser Kommentare wieder. Aber eins kann ich mir gut vorstellen: Wenn dieses Denken und Handeln sich einst als das herausstellt was es wirklich ist, nämlich die systematische Vernichtung jeglicher sozialen Werte zugunsten Einiger, dann wird die menschliche Kultur das Einzige sein was uns überlebt.
11:48
An taosnm#6-2
Ihr politischen Beiträge finde ich meist ansprechender als dieser Kulturbeitrag.
Denn 1.) Kultur ist eine der wenigen menschlichen Errungenschaften die an für sich erst einmal wertfrei sind, und das in mehrfacher Hinsicht. Wenn wir dann etablierter Kunst einen Wert geben ist das für den KunstMARKT sicherlich förderlich mehr aber auch nicht.
2.) Parwark spricht von UNSERER Kultur, das impliziert immer auch eine Nicht Unsere Kultur, das aber haben wir mit entarteter Kultur schon ausgiebig ertragen müssen.
Und müssen es ertragen wenn herrschende Kreise, wie auch in Duisburg, nur immer eine bestimmte Art von Kultur gefördert und etabliert wird. Wenn dann auch mal ein paar Krumen nicht etablierter Kultur darunter sind, dann sollten WIR uns daran erfreuen auch wenn dies nicht unbedingt unserem Verständnis entspricht.
3.) Wenn Geld gebraucht wird, das unsere unverantwortlichen Politiker lieber für Ihre Parteifreunde ausgeben( z.B. GfB, Personalentscheidung )
01:12
Wenn überhaupt, dann öffentlich versteigern. Vielleicht ist das Ding ja noch viel mehr wert. Sachverständige einschalten. Bitte nicht wieder kungeln.