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Duisburger Kulturclub "Djäzz" droht das Aus

02.12.2010 | 16:32 Uhr

Duisburg. Das Duisburger Ordnungsamt hat dem Betreiber des Innenstadt-Clubs "Djäzz" die Auflage gestellt, nur noch bis 1 Uhr zu öffnen. Anwohner hatten sich über Lärm beschwert. Der Betreiber fürchtet seinen Ruin - und zieht nun vors Verwaltungsgericht.

Kurz nach Mitternacht gehen die meisten Partys in ihre heiße Phase. Ob Club oder Großraumdiskothek: Um diese Zeit beginnt die Nacht zu leben. Wenn es nach dem Ordnungsamt geht, sollen die Besucher des „Djäzz“, einem Club in der Innenstadt, dann allerdings zur Garderobe gehen und den Weg nach draußen antreten.

Am Freitag bekam der Betreiber die Auflage zugestellt, nur noch bis 1 Uhr öffnen zu dürfen. Das würde das Aus für die Lokalität bedeuten. Begründet wird die Entscheidung mit Beschwerden von Anwohnern, die sich vom Lärm des Betriebs und der ankommenden Gäste gestört fühlten.

Schon in den 70er Jahren war die Börsenstraße 11 ein Anziehungspunkt für die Szene. Nun erklärt ein Stadtsprecher: „Das ist eine Sache, die länger schwelt.“ Man habe das Recht auf Nachtruhe und das auf wirtschaftliche Betätigung gegeneinander abgewogen und sei dann zu dem Schluss gekommen, die Auflage zu erteilen. Es habe in der nahen Vergangenheit zahlreiche Polizeieinsätze gegeben. Mehr wolle man im Moment nicht sagen, da der Fall nun beim Verwaltungsgericht liege.

Polizei: "Die Zahl der Fälle von Ruhestörung ist überschaubar"

szenario-Konzert im Djäzz

Die Polizei hingegen äußerte sich gestern zur Zahl ihrer Einsätze wegen Ruhestörung vor dem „Djäzz“. „Einer wurde im November verzeichnet, einer im Oktober, drei im September. Für die Zahl der Öffnungstage ist das relativ wenig“, sagte Polizeisprecher Stephan Hausch. „Die Zahl der Fälle ist überschaubar.“ Von einer gesteigerten Belästigung der Anwohner kann also keine Rede sein. „Es hat nachgelassen“, erklärt Hausch.

Nach seinem Einspruch gegen die Auflage wartet Geschäftsführer Ercan Ulucan auf die Entscheidung des Düsseldorfer Verwaltungsgerichts. „Wenn wir um 1 Uhr schließen müssen, dann müssen wir ganz schließen“, sagt er. Denn durch die Einnahmen aus den Tanzveranstaltungen an Wochenenden würde das restliche Programm querfinanziert.

Vor der Eröffnung hatte die Stadt keine Einwände

Allein im Dezember bietet das „Djäzz“ sieben Veranstaltungen bei freiem Eintritt an. Darunter zwei Jazz-Sessions, eine Funk- und eine Blues-Session. Hinzu kommen Konzerte von Musikern aus den Niederlanden, Polen und England, die ein jüngeres Publikum bedienen und sonst keine Auftrittsmöglichkeit oder keinen Veranstalter in der Innenstadt finden würden. Das „Djäzz“ ist nicht nur ein Club für lange Partynächte, sondern eine Ergänzung für den Kulturbetrieb in Duisburg.

Bevor Ercan Ulucan das „Djäzz“ vor sieben Jahren eröffnete, kontrollierte die Stadt die Lärmemission und hatte keine Einwände. Seitdem wurde die Dämmung durch weitere Baumaßnahmen verstärkt. Zudem stehen bei größeren Tanzveranstaltungen zwei Türsteher bereit, um die Gäste vor der Lokalität zur Ruhe zu rufen. Weitere Auflagen in dieser Richtung würde der Geschäftsführer auch erfüllen. Doch die eingeschränkte Öffnungszeit sei der finanzielle Ruin.

Zlatan Alihodzic


Kommentare
13.01.2011
18:25
Duisburger Kulturclub Djäzz droht das Aus
von AndiEier | #74

Das ist ja mal wieder typisch für die Duisburger Kulturlandschaft. Die letzte Oase des Duisburger Nachlebens, in der alternative Kultur abseits des Mainstream angeboten wird, dort wo der Duisburger Musikszene ein Platz geboten wird, soll schließen. Und warum? Weil ein paar Anwohner sich über gelegentliche Ruhestörer beschweren. Das kann einfach nicht war sein. Wenn man die Tradition der Börsenstraße kennt, so weiß man dass hier schon immer ein reges Kneipenleben existierte (Souterrain, Waschsalon, Piano, Oma Kohl). Wer also dort hinzieht muss mit solchen Randerscheinungen leben, ansonsten halt in ruhigere Randgebiete ziehen, bzw. erst gar nicht dahin ziehen. Ich selber wohne am Anfang des Philosophenweges, quasi der „Einflugschneise“ zum Innenhafen. Seit Jahren erleben wir jede Freitag- und Samstagnacht laut grölende Menschen die sich zum oder vom Innenhafen bewegen. Dazu kommen Autos mit lauter Musik und quietschenden Reifen. Da wir aber gewusst haben wo wir hinziehen, nehmen wir dieses in Kauf und haben uns noch nie darüber beschwert. Sollte sich evtl. jemand darüber beschweren, so glaube ich kaum dass den Yuppie- und Ballerläden am Innenhafen der Saft vom Ordnungsamt abgedreht wird. Aber das kleine Djäzz soll jetzt seine Türen an der Börsenstraße für immer schließen. Das ist Willkür und absolut lächerlich. Der einzige Laden in Duisburg der (Sub-)Kultur eine Bühne gibt die nicht massenkompatibel ist, der Individualisten eine Nische bietet. Man findet nur noch uniforme Eventgastronomie die mit ihren gleichgeschalteten Angeboten jede Individualität abtötet. Unser Hochglanz-Kulturzentrum am Dellplatz zähle ich mit Absicht auch nicht zu den Anbietern annehmbarer Kultur-was hier geschieht ist nur noch eine Farce. Dann schon lieber das Djäzz, zwar auch kommerziell, aber immer mit kleinen, finanzierbaren Konzerten für den besonderen Geschmack. Und das alles ohne Subventionen und Vergünstigungen seitens der Stadt!!! Jetzt bin ich mal gespannt was für eine Immobilie (Innenstadt und verkehrsgünstig) für das Djäzz aus dem Hut gezaubert werden soll, Hilfe bei der Suche wurde ja von hoher Stelle zugesagt. Dem Verein Mustermensch e.V. wurde nach der Zwangsschließung des T5 am Marientor auch großspurig Hilfe bei der Immobiliensuche seitens der Stadt zugesagt. Müßig zu erwähnen dass den Worten bis heute keine Taten gefolgt sind. Das die ganze Aktion mit dem Ende der Kulturhauptstadt Ruhr2010 zusammenfällt ist fast schon witzig. Gehen wir halt alle ab sofort ins Bolero o.ä. und trinken Scheißcocktails für 8€ und hören Blödmannmusik – armes Duisburg.

12.01.2011
14:37
Duisburger Kulturclub Djäzz droht das Aus
von renate grimaldi | #73

habe lange in der vom-rath-straße gewohnt und fühlte mich stark durch die mit getuntem motor um die ecke biegenden autos gestört - da hätte man eingreifen sollen. da fällt man nachts aus dem bett, aber doch nicht durch stimmen auf der straße. jeder fußgänger, der sich unterhält, den hört man bis in die dritte etage - finde das unmöglich, den leuten, die diese musik lieben, ihren raum wegzunehmen
renate

11.01.2011
04:09
Duisburger Kulturclub Djäzz droht das Aus
von Sentinel | #72

Schreibtischtäter können Existenzen zerstören & zu dieser Zunft gehört das O-Amt DU. Für mich stellt sich die Frage warum man sich auf Meldungen von Ruhestörung auf Einsätze der Polizei beruft? Ruhestörungen sind Ordnungswidrigkeiten!! Ach ja, die Mitarbeiter des Außendienstes vom Duisburger O-Amt machen ja Feierabend wenn der letzte Hundehalter seinen Vierbeiner zum letzten Pipi machen ausgeführt hat. Liebe Verantwortungsträger des O-Amtes, leider entsteht immer öfter der Eindruck, dass ihr über Dinge entscheidet, die ihr selber vor Ort nicht kontrolliert habt. Kleine Empfehlung: Rein in die Dienstschuhe, raus auf die Strasse und Beschwerden selber nachgehen dann wißt ihr auch wovon ihr sprecht, worüber ihr entscheiden sollt denn die Gewerbesteuern nimmt die Stadt doch auch von den Unternhemern, jedenfalls von denen gegen dessen Existenz das O-Amt noch nicht vorgehen konnte um diese zu schließen.

07.12.2010
00:47
Dem „Djäzz“ droht das Aus
von pro DJÄZZ | #71

Boahr! Hallo Duisburg! Gehts noch?!
Das DJÄZZ ist einer der wenigen guten Läden (wenn nicht sogar der Beste).

Eine Schließung wäre fatal!
@sensible Anwohner: Sie wohnen in einer Stadt in einer Innenstadt - falls Ihnen dies noch nicht aufgefallen sein sollte.

07.12.2010
00:10
Dem „Djäzz“ droht das Aus
von Mi | #70

Oh jeee! Die tun echt alles um Duisburg immer unattraktiver für junge Leute zumachen. Aber gerne, wenn junge dynamische anspruchsvolle (die nicht ins Delta gehen wollen!) Bürger aus der Stadt gejagt werden sollen, nur zu!!!
Haben in Duisburg ja genug Kapital erwirtschaftende, arbeitende, schlaue Leute! Diesen soll Duisburg natürlich noch unattraktiver gemacht werden.
Achtung für nicht Schlaue: Ja, dass war Ironie!

Ferner müssten die Anwohner doch wissen, dass sie A in einer Großstadt wohnen (und nicht auf dem Lande) und B in der Innenstadt(und nicht am Stadtrand).
Mein Tipp: Besser isolierte Fenster Ohrstöpsel für die paar Anwohner die sich beschweren, weil 1-2mal die Woche es etwas lauter ist -besonders im Winter geht voll die Party auf der Straße
Für ironieresistente Anwohner: Ja, auch das war gerade Sarkasmus!

04.12.2010
11:23
Dem „Djäzz“ droht das Aus
von der Kommissar | #69

zieh in die nachbarstadt mit universität und zahl deine steuern dort ... die werden schon sehen, was sie davon haben!

03.12.2010
20:26
Dem „Djäzz“ droht das Aus
von floesman | #68

gehts noch? ich wohn auf dem sternbuschweg und fast jede nacht laufen hier grölende affen rum. und jetzt? alle kneipen auf der strasse schließen??
vielleicht sollte man erst mal andere möglichkeiten in erwägung ziehen bevor man leichtfertig eine existenz zerstört...

03.12.2010
16:33
Dem „Djäzz“ droht das Aus
von Bellax | #67

ja wunderbar, der einzige gescheite Club in der Großstadt Duisburg soll schließen! Da ist echt auf dem Land mehr los! Schande!

03.12.2010
15:32
Dem „Djäzz“ droht das Aus
von Barrister_Pardon | #66

Einkaufszentrum, Schuhkarton aufm Dach, Delta Musik Park, Deathparade - was braucht man in ner Großstadt mehr?

03.12.2010
15:05
Dem „Djäzz“ droht das Aus
von olivetti | #65

http://www.derwesten.de/staedte/duisburg/Iron-Maiden-verzichtet-auf-die-MSV-Arena-id2011221.html

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