Duisburger Hochofen-Kulisse im Schein der Fackeln

Alois Heussler führt im Schein der Fackel regelmäßig durch den Landschaftspark Nord in Duisburg.
Alois Heussler führt im Schein der Fackel regelmäßig durch den Landschaftspark Nord in Duisburg.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Führung im Schein der Fackeln gehören zum stimmungsvollen Besuchsprogramm im Duisburger Landschaftspark Nord.

Duisburg.. „Die Fackeln gibt es erst, wenn wir vom Hochofen wieder runter sind“, sagt Alois Häussler. Er führt eine Besuchergruppe durch die nächtliche Industriekulisse des Landschaftsparks Nord. Und auf dem Ofen braucht man beide Hände. Besonders an einem Tag, der mit Schneetreiben beginnt und abends mit Tauwetter endet. Die Besucher stehen, jeder in seiner eigenen Schneematschpfütze, und lassen sich erst mal ein paar Fakten erklären. „Hier wurde nicht etwa Stahl produziert, wie immer in der Zeitung steht“, sagt Häussler mit einem strengen Blick auf die anwesende Reporterin, „sondern Ferromangan, ein Vorschmelzprodukt.“

Häussler hat selbst 35 Jahre in dem Hüttenwerk gearbeitet und erzählt von Torpedopfannen, Kokillen, Ofenstopfmaschinen und Schrägaufzügen. 1985 wurde der letzte Ofen nach nur zwölf Betriebsjahren stillgelegt, den werden die Mutigen jetzt besteigen. Die Höhenängstlichen und Kniegeschädigten bleiben auf der ersten Bühne zurück und warten. Was bringt einen dazu, bei Nacht und Wind auf einer alten Industrieanlage herumzuturnen? „Ehrlich gesagt haben wir im Laufe des Tages mehrfach darüber nachgedacht, die Führung zu schwänzen“, sagt Mareike Munz. Sie lebt in einem kleinen Ort am Bodensee und hatte mit ihrem Mann die Idee, eine Woche Urlaub im Revier zu machen.

Der Ruhrpott aus der Sicht eines Menschen vom Bodensee

Von einer Ferienwohnung in Gelsenkirchen aus erkunden sie nun den Kohlenpott, der nicht so grau und trist ist, wie man ihn sich am Bodensee noch immer vorstellt. Zollverein haben sie gesehen, ein bisschen Wellness stand auch auf dem Programm. Und dann die Sache mit der Essensbestellung frei Haus. „Wenn man bei uns auf die Seite eines großen Lieferservices geht, dann tut sich da überhaupt nichts“, sagt sie lachend, „wenn man das hier macht, dann poppen tausend Möglichkeiten auf, total faszinierend!“

Die obersten Bühnen am Ofen fünf sind inzwischen total vereist, der Wind ist gnadenlos. Die Mutigen sind froh, als sie wieder unten sind. Sie haben den schönen Ausblick auf die dreifarbige Beleuchtung der Anlage mit ein wenig Herzklopfen bezahlt. „Wir stellen gerade auf LED um“, sagt Häussler. „Die Lichtanlage beschäftigt ein mittelständiges Elektrounternehmen dauerhaft. Irgendwas ist immer kaputt. Erst neulich wurden 400 Meter Kupferkabel geklaut, da war alles dunkel.“

Abstand halten mit den Fackeln

Unten gibt es endlich die Fackeln, die einen Hauch Wärme verbreiten und im Wind schön knarzen. „Bitte halten sie Abstand voneinander und auch von mir, ich werde noch gebraucht“, sagt der Führer und eilt mit seiner vermummten Schar zu den Bunkeranlagen, die vom Alpenverein als Kletterparadies genutzt werden. „Hier ist auch eine Hütte des Alpenvereins zum Übernachten, die liegt 27 Meter über NN“, sagt Häussler und kann gar nicht verstehen, warum die auswärtigen Gäste sich bei dieser Information vor Lachen fast wegschmeißen. „Wo sind die Alpinisten denn, ist doch ideales Wetter für eine Gletschertour“, sagt einer der Gäste, als sein Fackellicht die vereisten Steighilfen im Bunker streift.