Duisburger Hilfsorganisation ISAR besteht Einsatztest der UN

Hundeführerin Sonja Späth schickt Max auf die Suche nach Verschütteten.
Hundeführerin Sonja Späth schickt Max auf die Suche nach Verschütteten.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Bei einem simulierten Erdbeben auf der „Training Base“ Weeze zeigt das ISAR-Rettungsteam, was es kann. Die Leistung der Hilfsorganisation wurde von der Vereinten Nationen zertifiziert. Damit bereitet sich das Team auf Einsätze in internationalen Katastrophengebieten vor.

Duisburg/Weeze.. Das Erdbeben der Stärke 7,8 hat Trümmerberge hinterlassen. Zerdrückte Autos stecken kopfüber zwischen Stahl- und Betonbrocken. „Such und Hilf“ wird Max aufgefordert. Der schwarze Labrador läuft leichtfüßig und schwanzwedelnd über das gefährliche Terrain, bis er in der Tiefe Lebenszeichen wittert und anschlägt. Die Hilfsorganisation ISAR - International Search and Rescue - zeigt, was sie kann: In Katastrophengebieten nach verschüttetem Leben suchen und danach mit schwerem Gerät die Menschen befreien.

Die Erdbeben-Trümmer sind einsatzrealistisch nachgestellt auf der „Training Base“ Weeze, einem ehemaligen Militärgelände, wo Feuerwehr, Militär oder Polizei Einsätze trainieren. In den leeren Häuserreihen können die Einsatzkräfte stürmen üben und löschen proben oder eben ein Erdbeben simulieren.

Es ist ein Test der Vereinten Nationen. ISAR hat sich rezertifizieren lassen als Einsatzteam mittlerer Größe für internationale Katastropheneinsätze – und bestanden. Das haben in Deutschland bislang nur zwei Teams geschafft. Grundbedingung ist, dass ISAR zehn Tage lang in einem Katastrophengebiet autark arbeiten kann. Beim Test reichen den Prüfern 36 Stunden, erzählt Einsatzleiterin und Vorsitzende Daniela Lesmeister.

Und die sind auch ohne Ernstfall harte Arbeit. Dazu gehört schon, 12 Tonnen Gepäck am Flughafen einzuchecken, auszuchecken und die Einreise zu überstehen. Soldaten der „Koninklijke Marechaussee“, also der holländischen Nationalpolizei, geben die martialisch aussehenden Grenzer des fiktiven Landes Renania, die auch mal Einzelne aus der Gruppe herausfischen und gesondert überprüfen. Bakschisch fordern sie zum Glück nicht.

Das Camp haben die ISAR-Leute binnen zwei Stunden stehen: Küchen- und Schlafzelte, ein Schwarz-Zelt für die Einsatzklamotten und ein Weißzelt für die Campsachen, ein Zelt für die Menschen- und eins für die Tier-Ärzte. In den zahllosen silbernen Kisten finden sich Wasseraufbereitungsanlage und Kaffeemaschine, Chips und Hundefutter, Verbandsmaterial und Werkzeug, Waschbecken in der aufklappbaren Alu-Kiste, Satellitentelefon und zehn Flaschen Anti-Brumm gegen lästige Mücken.

Drohne fliegt über das Einsatzgebiet

Bevor es wirklich mit dem Suchen und Bergen losgeht, sondiert ein Team die Umgebung. Mit einer Drohne überfliegen sie ihr Einsatzgebiet, stimmen dann das konkrete Handeln mit den Behörden vor Ort ab. In einem teilweise eingestürzten Haus haben Hunde ein Opfer entdeckt. Mit Horchgerät und Kamera wurde die Ortung verfeinert, jetzt arbeitet sich mühsam und lautstark eine Betonkettensäge durch eine Bodenplatte.

Ein Dieselaggregat bollert, der Staub wird aus dem Haus gesaugt. Neben dem Haus liegt im Schatten ein weiteres Team und sammelt Kräfte für die Ablösung. Die Arbeit soll ununterbrochen weiter laufen, bis der Mensch geborgen ist. Was auch im Interesse des ISAR-Mitglieds ist, dass das Opfer spielt und unter den Trümmern ausharren muss. Die Hunde werden sogar alle 20 Minuten ausgewechselt.

Pfotenschützer tragen sie übrigens nicht, Verletzungen tragen sie dennoch selten davon, so Lesmeister. Sie führt während der Prüfung Bürgermeister und Sponsoren über das Gelände, um sie von der Leistungsfähigkeit zu überzeugen. Denn ohne sie könnte Isar bei allem ehrenamtlichen Engagement einpacken. Bis zu einer halben Million Euro kostet ein Einsatz, wobei der Flug der größte Posten ist.

Oliver Tittmann, stellvertretender Feuerwehrchef aus Duisburg, ist beeindruckt von den Leistungen: „Das hier ist Spezialwissen vom Feinsten, das können wir gar nicht.“