Duisburger Herzklinik rettet Leben mit kleinem Kunstherz

Professor Gero Tenderich (Mitte) und sein Team bei der Implantation des neuartigen Kunstherzens im Evangelischen Klinikum Niederrhein in Fahrn.
Professor Gero Tenderich (Mitte) und sein Team bei der Implantation des neuartigen Kunstherzens im Evangelischen Klinikum Niederrhein in Fahrn.
Foto: Evangelisches Klinikum Niederrhein
Was wir bereits wissen
Im Evangelischen Klinikum Niederrhein in Duisburg wurde einer 70-Jährigen das weltweit erste kleine Kunstherz eingesetzt. Behandlung könnte Tausende retten.

Duisburg.. Noch vor kurzer Zeit hätte eine 70-jährige Frau in Duisburg nach einem schweren Herzinfarkt mit dem Versagen von beiden Herzkammern kaum eine Überlebenschance gehabt.

Doch sie hatte das Glück, in dem Evangelischen Klinikum Niederrhein in Fahrn behandelt worden zu sein: Dort hat das Team um den Kardiochirurgen Professor Gero Tenderich ein ganz neuartiges, kleines Kunstherz entwickelt, das der Patientin eingesetzt wurde. Und dieser weltweit erste Eingriff seiner Art hat der Frau das Leben gerettet.

Mechanisches Herz kann nun auch Kinder und Frauen retten

Das Revolutionäre an der Operation ist dabei nicht das Einsetzen eines Kunstherzes als solches – dieser Eingriff wird schon seit Jahren vorgenommen. Sondern vielmehr die Tatsache, dass das mechanische Herz nun wegen der kleineren Größe auch „zierlicheren Personen wie Kindern und Frauen“ eingepflanzt werden kann, so Tenderich.

„Bislang waren die beiden künstlichen Herzkammern, die eingesetzt wurden, jeweils so groß wie Tennisbälle und meist nur für erwachsene Männer geeignet“, sagt der Leiter der Abteilung für chirurgische Therapie der terminalen Herzinsuffizienz und Kunstherzversorgung an dem Klinikum in Fahrn. „Nun sind sie nur noch so groß wie Hühnereier.“ In einem Rucksack muss zudem noch eine Pumpe mitgeführt werden.

Patientin (70) kann fünf bis acht Jahre mit neuem Herz weiterleben

Das Kunstherz ersetzt dabei das beschädigte Herz, was bei der 70-jährigen Patientin notwendig geworden war. Zunächst sei sie an „temporäre Unterstützungssyteme“ angeschlossen worden, erklärt Tenderich. Dabei leiteten Kanülen ihr Blut zunächst in eine künstliche Lunge. Dort wurde Sauerstoff dem Blut zugeführt, das dann wieder in den Körper geleitet wurde.

So wurde das Herz komplett umgangen. Doch nach zehn Tagen sei klar gewesen, dass dies nicht dauerhaft funktionieren könne. Doch: „Eine Herztransplantation kam wegen des Alters nicht in Frage“, erläutert Tenderich weiter. Zudem fehle es in Deutschland an Spenderherzen.

Also wurde der Frau das weltweit erste kleine Kunstherz eingesetzt. Mit durchschlagendem Erfolg: „Es geht ihr gut. Mit dem neuen Herzen kann sie fünf bis acht Jahre weiterleben“, sagt der Mediziner. Und selbst danach könne das Herz gegen ein neues System ausgetauscht werden.

5000 Menschen könnten jährlich mit dem neuen Herz gerettet werden

Die neue Methode aus Duisburg kommt auch für viele andere Menschen in Frage. Nach Auskunft von Tenderich sterben jedes Jahr in Deutschland 50.000 Menschen (10.000 in NRW) an „terminaler Herzinsuffizienz“, was etwa ein Infarkt beider Herzkammern ist.

Von den Betroffenen könnten rund zehn Prozent durch das neue, kleine Kunstherz gerettet werden – also 5000 deutschlandweit. Der Bedarf könne auch befriedigt werden, meint Tenderich: „Die Operation dauert rund drei Stunden. Wir sind hier in Duisburg ein eingespieltes Team und könnten solche Eingriffe in täglicher Frequenz durchführen.“