Duisburger helfen den Ebola-Opfern und erleben das Grauen

Das Ebola-Drama und seine Spuren: Diese Szene fotografierte ein I.S.A.R-Mitarbeiter in Monrovia, Liberia.
Das Ebola-Drama und seine Spuren: Diese Szene fotografierte ein I.S.A.R-Mitarbeiter in Monrovia, Liberia.
Foto: privat
Was wir bereits wissen
Feuerwehrleute aus Duisburg gründeten 2003 eine Hilfsorganisation. „I.S.A.R.“ ist heute gefragter Partner bei Kriseneinsätzen. Sie halfen nach Katastrophen in Thailand, auf Haiti und auf den Philippinen. Jetzt werden sie im Ebolagebiet gebraucht – vielleicht ihr schwerster Einsatz.

Duisburg/Kleve.. Eine Gruppe von Feuerwehrleuten und Katastrophenschützern aus Duisburg beschloss vor elf Jahren, sich selbstständig zu machen und eine Hilfsorganisation zu gründen. Flexibel und schnell einsatzbereit sollte die sein, das war ihre Idee. Und der Plan ging auf. Ob beim Tsunami in Thailand, beim Erdbeben in Haiti – die Vereinten Nationen fragen „I.S.A.R. Germany“ gern an. Gerade jetzt kämpft I.S.A.R. wieder um Leben und Tod – gegen Ebola in Afrika.

Ihr Auftrag: Sie sollen in der liberianischen Hauptstadt Monrovia zwei Isolierstationen mit 44 Betten errichten. Hightech-Zelte im Wert von jeweils 200 000 Euro, in denen Ebola-Kranke medizinisch behandelt werden können, aus denen jedoch keinerlei Viren oder Bakterien an die Außenwelt gelangen. Seit Mitte September organisiert das Team um den medizinischen Leiter Thomas Laackmann den Aufbau. 44 Behandlungsplätze, das ist ein Fünftel des Bedarfs, den die Weltgesundheitsorganisation ermittelt hat. Hilfe, die in Westafrika dringend benötigt wird.

„Wir waren eine Handvoll Leute, die alle Erfahrungen bei Einsätzen im Ausland gesammelt hatten“, sagt I.S.A.R.-Präsidentin Daniela Lesmeister. Die Juristin war damals noch Polizeikommissarin, hatte als Rettungshundeführerin 2001 beim Erdbeben in Indien nach Überlebenden gesucht. „Wir dachten, eine kleine Organisation mit flachen Hierarchien könnte das noch besser“, sagt die 37-Jährige.

Von jetzt auf gleich fliegen sie ins Katastrophengebiet

Dass eben nicht immer alles schneller geht, diese Erfahrung sollten sie noch machen. Aber aus den sechs, sieben Leuten von damals ist eine Organisation mit rund 150 ehrenamtlichen Helfern geworden, viele aus dem Ruhrgebiet. Rettungsassistenten, Logistiker, Hundeführer, Pflegekräfte und Notärzte. Sie alle sind bereit, von jetzt auf gleich ihren Alltags-Job zu verlassen, um in ein Katastrophen-Gebiet zu fliegen. 14 Tage Leben im Zelt, Arbeit rund um die Uhr und viel Leid und Elend.

So war es 2013 nach dem Taifun auf den Philippinen, 2010 beim Erdbeben in Haiti oder Weihnachten 2004 nach dem Tsunami in Thailand. 230 000 Menschen starben, über eine Million Menschen wurden obdachlos. „Es war unser erster Einsatz als I.S.A.R.“, sagt Ausbildungs-Leiter Michael Lesmeister und: „Meine Frau hat in unglaublich kurzer Zeit Fluggesellschaften abtelefoniert, hat gefragt, ob sie uns und unser Material kostenlos transportieren.“

Am Tag drei nach dem Tsunami landeten 20 I.S.A.R.-Leute mit Ausrüstung in Phuket, sechs Stunden später rollten sie in einem Lastwagen Richtung Khao Lak, dem Urlaubsparadies, das zur tödlichen Falle geworden war. „Zu retten gab es dort nichts mehr, aber wir haben viele Menschen versorgt. Viele Deutsche betreut, ihnen geholfen, wieder nach Hause zu kommen“, so Michael Lesmeister. Am Ende beteiligte sich I.S.A.R. am Wiederaufbau eines Fischerdorfes.

Längst hat sich die Hilfsorganisation breiter aufgestellt. In Zusammenarbeit mit „Action Medeor“ verstärkte man die medizinische Versorgung. Allein, um nicht hilflos dazustehen, wenn Gerettete dringend behandelt werden müssen.

Der an Ebola erkrankte Vater kommt mit dem Taxi

Monrovia, Liberia, im späten September. Am Ende eines jeden Tages setzt sich Thomas Laackmann hin und schreibt auf, was er erlebt. Berichte über den Platz nahe des Krankenhauses Elwa, der wegen des unendlichen Regens noch mit Grobkieseln ausgelegt werden muss, über Mischbeton, der angeliefert wird und über Abwasserprobleme. Mails in die Heimat, Arbeitsprotokolle für die Kollegen.

Dazwischen immer wieder Eindrücke aus dem von Ebola gequälten Land. Laackmann erzählt von Taxis, die an diesem Morgen mit Patienten vorfahren, darin unter anderem ein junger Vater, der schwer krank zu sein scheint. Von Kopf bis Fuß in Schutzkleidung verpackte Pflegekräfte tauchen auf. Kurze Gespräche. Distanzierte Untersuchungen. Fiebermessen. Dann wird der Vater stationär aufgenommen. Zurück bleibt sein Kind, ein sechsjähriges Mädchen.

Man hat sie noch ausgezogen, gewaschen und untersucht. Laackmann: „Scheinbar war sie völlig symptomfrei, weshalb man sie entließ. Aber das Mädchen konnte von niemandem abgeholt werden. Eine halbe Stunde stand es schluchzend am Straßenrand.“ Als die I.S.A.R.-Leute Zeit finden, sich zu kümmern, ist das Mädchen verschwunden. . .