Duisburger Großküche wehrt sich gegen Wallraff-Vorwürfe

Betriebsleiter Oliver Völker am Salatbuffet: „Die Sendung ist Gesprächsthema, aber die Mensa wird weiterhin gut angenommen. Von Lehrern und Schülern haben wir viel positiven Zuspruch bekommen.“
Betriebsleiter Oliver Völker am Salatbuffet: „Die Sendung ist Gesprächsthema, aber die Mensa wird weiterhin gut angenommen. Von Lehrern und Schülern haben wir viel positiven Zuspruch bekommen.“
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Nach Günter Wallraffs Enthüllungsreportage bei RTL sieht sich Diversa, Tochter des Wohlfahrtsverbands SCI Moers, größtenteils zu Unrecht beschuldigt.

Duisburg.. In die Großküche des Neudorfer Berufskollegs hatte sich eine Journalistin als Schnupperpraktikantin eingeschleust und sich mit versteckter Kamera auf die Suche nach Missständen gemacht. In der Sendung des Enthüllungsreporters Günter Wallraff wurden sie am Montagabend bundesweit bekannt.

Jetzt wehrt sich der Küchenbetreiber Diversa, eine Tochter des Wohlfahrtsverbands SCI Moers, gegen die in der RTL-Sendung „Team Wallraff“ erhobenen Vorwürfe. Die Großküche betreibt die Mensa des Berufskollegs in Neudorf für rund 1800 Schüler und Lehrer, liefert zudem täglich 570 Essen aus, etwa an Schulen.

Dort würden nicht, wie im Fernsehen impliziert, Speisen in die Küche zurückgeholt, um sie am nächsten Tag wieder aufzutischen. „Das gibt es bei uns nicht, auch nicht in Ausnahmefällen“, sagt Geschäftsführer Karl-Heinz Theußen. Lediglich leere Behälter der Salattheke würden in der Küche wieder aufgefüllt, aber für den gleichen Tag.

„Übliche Methode in einer Großküche“

Dass die Zutaten für Chili sin Carne erst kurz vor der Essensausgabe erhitzt wurden, sieht Theußen nicht als Missstand, im Gegenteil: „Wir bereiten kalt vor, portionieren, lagern das Essen kühl und kochen es vor der Ausgabe erstmalig. Das ist die übliche Methode in einer Großküche.“ Ein großer Topf für 50 Liter hätte jedoch nicht auf dem Boden stehen dürfen, sondern auf einem Rollwagen, räumt er ein. „Diesen Fehler stellen wir ab.“

Großküche Hygienemängel oder Gammelfleisch hat RTL nicht in der Neudorfer Großküche gefunden. Vor der Ausstrahlung nahm Diversa auch zu solchen Anschuldigungen schriftlich Stellung; im Beitrag tauchte das Thema dann nicht auf.

Penible Kontrolle der Lebensmittelüberwachung

Theußens Urteil: „Wir sind nicht schlecht und es gibt keine Missstände.“ Das habe auch die Lebensmittelüberwachung am Dienstag bei ihrer peniblen Kontrolle überprüft. Aber eine Großküche sei eben keine Restaurantküche. Für vier Euro pro Mahlzeit dürfe man kein argentinisches Steak oder australisches Lamm erwarten.

„Natürlich muss auch für vier Euro das Essen gut sein und darf nicht gammelig sein.“ Dass Diversa jetzt „unter Generalverdacht“ stehe, schmeckt Theußen überhaupt nicht, und er zieht Konsequenzen, will das Konzept der Küche verbessern. Der Lieferant soll künftig nur Fleisch aus Deutschland bringen. Bauern aus der Nachbarschaft seien aber leider zu teuer. Außerdem bietet Diversa bis auf Weiteres keine Küchenpraktika mehr an.

Neuer Caterer statt Vitesca für Ganztagsschulen in Duisburg

Die zwölf Duisburger Ganztagsschulen, die nach einem Lebensmittelskandal seit Dienstag nicht mehr aus der Großküche der Wuppertaler Firma Vitesca beliefert werden, haben einen neuen Caterer für das Schulessen. Der für die Mensen zuständige Verein „Rapunzel Kinderhaus“ arbeitet nach WAZ-Informationen ab sofort mit dem Rheinberger Unternehmen „Catering für Kids“ zusammen, das bereits am Donnerstag mit den Essenslieferungen begonnen hat.

Wallraff Indes wehrt sich Vitesca gegen die zahlreichen Anschuldigungen des Teams Wallraff auf seiner Homepage. Die „angeblichen Enthüllungen“ bezeichnet das Unternehmen aus Wuppertal als „Mischung aus selektiven Aufnahmen, hanebüchenen Behauptungen“ mit „einigen geschickten Schnitten“. Die 160 Vitesca-Mitarbeiter fühlten sich zu unrecht an den Pranger gestellt.

Dem Vorwurf etwa, im Betrieb werde verdorbenes Gemüse verwendet, widerspricht Vitesca, die im Fernsehen gezeigten Gurken seien als Retour an den Händler bestimmt gewesen. Abgelaufene Waren würden nicht eingesetzt. Lebensmittel würden aber schockgefroren, dadurch „das Mindesthaltbarkeitsdatum um mehrere Monate verlängert“. Für Fragen hat das Unternehmen jetzt eine kostenlose Telefonhotline eingerichtet: 0800/ 8483722.