Duisburger Gericht musste über Raub eines Hundes verhandeln

Angesichts der Gesamtumstände hielt das Schöffengericht die Mindeststrafe für ausreichend.
Angesichts der Gesamtumstände hielt das Schöffengericht die Mindeststrafe für ausreichend.
Foto: Stephan Eickershoff
Was wir bereits wissen
Zu sechs Monaten auf Bewährung verurteilte das Duisburger Gericht ein Ehepaar aus Lüdenscheid. Die beiden hatten im Rheinhauser Volkspark einen Hund geraubt, der vormals ihnen gehört hatte. Das Paar hatte den Hund Monate vorher aus gesundheitlichen Gründen verschenkt.

Duisburg.. Geld und Schmuck werden oft geraubt. Auch Handys oder Bankkarten gehören zur bevorzugten Beute. Hunde sind es eher seltener. Noch seltener kommt es vor, dass sie von ihrem früheren Besitzer geraubt werden. Genau darum ging es Mittwoch vor dem Amtsgericht Stadtmitte.

Ein Ehepaar (beide 54 Jahre alt) aus Lüdenscheid hatte laut Anklage am 23. September 2012 im Rheinhauser Volkspark einen Mischling aus Labrador und Golden-Retriever, der auf den passenden Namen „Ronja“ hört, seiner (neuen) Besitzerin weggenommen. Verzweifelt hatte Frauchen versucht, den Hund am Halsband festzuhalten, nachdem die Angeklagte die Leine gelöst hatte. Doch der Mittäter habe die Hand der Hundebesitzerin mit Gewalt weggedrückt, so die Anklage.

Ein Vorwurf, den die Angeklagten bestritten. Schließlich habe der Hund ja ihnen gehört. Und Gewalt sei keinesfalls im Spiel gewesen.

Angeklagte zu sechs Monaten Bewährung verurteilt

Behauptungen, die das Gericht am Ende für widerlegt hielt. In den Augen der Richter hatte die Beweisaufnahme stattdessen folgendes Bild ergeben: Die Angeklagten hatten den Hund aus gesundheitlichen Gründen abgegeben. Auf eine Anzeige im Internet „Hund zu verschenken“ hatte sich eine 22-Jährige gemeldet und das Tier kurz danach abgeholt. Das Gericht sah keinen Grund, der jungen Zeugin nicht zu glauben, dass von einer Pflege oder einer Übergabe des Tieres unter Vorbehalt nie die Rede gewesen sei.

Nach nur einem halben Jahr änderten sich die Lebensverhältnisse der 22-Jährigen unvermittelt. Sie verkaufte den Hund an ein Paar aus Rheinhausen weiter. Spätestens da hätte die Angeklagten die Reue gepackt, so das Gericht, zumal ihre gesundheitliche Situation sich inzwischen gebessert hatte. Doch ihre Bemühungen, den Hund von den neuen Eigentümern - sie wurden inzwischen zivilgerichtlich auch als solche bestätigt - seien ergebnislos verlaufen, was in der Tat gipfelte.

Die Behauptung der Ehefrau, nur dabei gestanden zu haben, sei ebenfalls widerlegt: Sie habe den Hund von der Leine gelöst. Die Gewaltanwendung des Angeklagten sei zwar minimal gewesen, reiche aber, um den Tatbestand des Raubes zu erfüllen, so die Richter. Angesichts der Gesamtumstände hielt das Schöffengericht allerdings die Mindeststrafe für ausreichend: Beide Angeklagten wurden zu jeweils sechs Monaten mit Bewährung verurteilt.