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Zuwanderung

Duisburger fühlen sich in Einwanderungsdebatte von der Politik allein gelassen

03.10.2012 | 10:00 Uhr
Duisburger fühlen sich in Einwanderungsdebatte von der Politik allein gelassen
Anwohner der Straße In den Peschen und der Beguinenstraße in Rheinhausen beklagen sich darüber, dass die zugewanderten Nachbarn alles auf die Straße schmeißen.Foto: Kerstin Bögeholz

Duisburg.  Egal ob in Rheinhausen, Hochfeld oder Meiderich. In vielen Stadtteilen häufen sich die Probleme mit Zuwanderern aus Südosteuropa. "Wir müssen etwas tun, sonst ist der Stadtfriede in Gefahr", warnt Dezernent Karl Janssen. Das Problem: Duisburg hat kein Geld, um die Integration voranzutreiben.

Hans-Wilhelm Halle und Sabine Keßler haben sich vor dem Rathaus aufgebaut. Vor der Ratssitzung drücken sie den Ratsmitgliedern Flugblätter in die Hand. „Raus mit den Zigeunern“, sind sie überschrieben. Hans-Wilhelm Halle wohnt an der Beguinenstraße, in Nachbarschaft zu dem „Müll-Haus“, das für Schlagzeilen gesorgt hat. „Die pinkeln auf die Straße, schmeißen ihren Müll aus dem Fenster“, schildert Halle. Nun will er, dass die Politiker Abhilfe schaffen. Er und die anderen Anwohner fühlen sich von ihnen allein gelassen.

Sabine Keßler und Hans-Wilhelm Halle postieren sich vor dem Rathaus. Sie fühlen sich von den Politikern allein gelassen.Foto: Kerstin Bögeholz

Die Geschichten ähneln sich, egal in welchen Stadtteil man blickt: „Wenn man denen was sagt, dann lachen die einen nur aus“, berichtet Sabine Keßler. Sie hat vor einigen Jahren ein Haus in Meiderich gekauft, es ist ihre Altersvorsorge. Nun gibt es in der Nachbarschaft ein Gebäude, das von Rumänen und Bulgaren bewohnt wird. Ein Meidericher Kiosk-Betreiber hat aufgegeben. Seine Stammgäste, die ihn an der Bergstraße/Ecke Stahlstraße immer besuchten, sie kämen nicht mehr. Und die neuen Nachbarn brächten nicht genug ein, bedauert der Kioskbesitzer. Dass er sie auch nicht versteht, komme erschwerend hinzu.

Hochfeld
Ordnungskräfte vor Ort

Polizei und Ordnungsamt kennen die einschlägigen Adressen, wo Wohnungen in Schrottimmobilien an Rumänen und Bulgaren vermietet werden. Vertreter beider Behörden sind regelmäßig vor Ort. Die Anlässe, warum sie von den Nachbarn gerufen werden, sind immer ähnlich: Müll auf der Straße, wildes Zelten und Campieren, diverse Schrottfahrzeuge, die nach deutschem Recht gar nicht für den Straßenverkehr zugelassen sind. Allein in Hochfeld hat die Polizei mehrere hundert Stunden zusätzlich im Stadtteil verbracht, um der Lage Herr zu werden.

Stadtsprecherin Susanne Stölting weiß: „Die Lage scheint sich inzwischen ein wenig zu entspannen. Zumindest gibt es für die Mitarbeiter des Ordnungsamtes momentan nicht viel zu tun.“ Mehrere Stunden sind die Mitarbeiter täglich im Einsatz, um sich vor Ort ein Bild der Lage zu machen. So soll die subjektive Sicherheit der Nachbarn erhöht werden. Zum anderen sind sie Ansprechpartner, um Beschwerden, die andere Bereiche betreffen, direkt entsprechend weiterzuleiten. Stölting: „Dank der Präsenz hat sich etwa die Sauberkeit deutlich verbessert.“

Die Postbotin, die schon jahrelang in dem Bezirk unterwegs ist, staunt über den Müll, der sich seit einigen Monaten in der Nähe der Häuser plötzlich anhäuft. Eklig sei auch, dass immer wieder Bewohner mit der Klorolle unter dem Arm in der angrenzenden Grünanlage verschwinden würden. Angst? „Hab ich nicht, mir tut keiner was“, sagt die resolute Frau, die aber trotzdem anonym bleiben will. Vermieter Torsten Hirtz beobachtet einen radikalen Verfall in der Gegend. „Auch die Türken sagen: Da wollen wir nicht mehr wohnen.“

In Kaßlerfeld an der Albertstraße sind die Rumänen indes schon wieder weitergezogen. Ein paar Monate haben sie auch hier ein Haus bevölkert. „Das war unerträglich, im Hinterhof hat sich der Müll gestapelt“, erzählt Nachbar Stefan Boog. Ein paar Monate ging das so, nun ist die Gruppe weg. Der Müll ist noch da. Der Zwangsverwalter des Hauses an der Albertstraße hatte die Schlösser ausgetauscht, weil die Bewohner die Miete nicht gezahlt haben. Das ist auch einer der Gründe, warum der Besitzer überhaupt in die Insolvenz rutschte.

Kommentare
04.10.2012
14:00
Duisburger fühlen sich in Einwanderungsdebatte von der Politik allein gelassen
von Marxururenkel | #52

In regelmäßigen Abständen wogt solch eine Welle der Empörung durch die Presse. Und es geschieht immer das gleiche: "Wir müssen unsere schönen Städte...
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1 Antwort
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Name von Moderation entfernt | #52-1

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Duisburger fühlen sich in Einwanderungsdebatte von der Politik allein gelassen
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2012-10-03 10:00
Duisburg, Karl Janssen, Hochfeld, Meiderich, Rumänien, Sinti und Roma
Duisburg