Duisburger Forscher untersuchen Fußballer-Karrieren

Bastian Schweinsteiger  im Juli nach dem Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft. Er gehört zu den 270 Jung-Kickern deren Karrieren Joachim Prinz, Daniel Weimar und Stefan Göke  nachgezeichnet haben.Foto:Gebert, dpa
Bastian Schweinsteiger im Juli nach dem Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft. Er gehört zu den 270 Jung-Kickern deren Karrieren Joachim Prinz, Daniel Weimar und Stefan Göke nachgezeichnet haben.Foto:Gebert, dpa
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Was wir bereits wissen
Wie ein Junior- zum Weltmeister in Sachen Fußball wird, das untersuchen Wissenschaftler der Uni Duisburg-Essen anhand der Werdegänge von 270 früheren deutschen Jugendmeistern. Und stellen fest: Nur wenige schaffen es in die Profi-Ligen. Immerhin: Fünf sind amtierende Weltmeister.

Duisburg.. Was wird aus Deutschlands Jugendkickern? Das fragten sich Prof. Dr. Joachim Prinz und Dr. Daniel Weimar von der Mercator School of Management an der Universität Duisburg-Essen. Dazu überprüften sie die Werdegänge von 270 Deutschen Fußball-Juniorenmeistern der U19-Bundesliga aus den Jahren 1998 bis 2011. Eineinhalb Jahre lang dauerte die Arbeit an der Studie. Unterstützung erhielten sie von Dr. Stefan Göke aus Paderborn. Am Ende wurde die Studie unter dem Titel „Diamonds are Forever: Job Matching and Career Success of Young Workers“ in dem renommierten VWL-Journal „Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik“ (Journal of Economics and Statistic) publiziert.

Das überraschende Ergebnis: Nur wenige der deutschen Jung-Meister schaffen auch das Debüt in der ersten oder zweiten Bundesliga. Es waren im untersuchten Zeitraum gerade einmal 112 der 270 Spieler, also 40 Prozent. Könnte man auch für viel halten, doch bei genauerer Betrachtung zeigt sich, die Quote ist gering, bestätigt auch der Forscher: „Wir reden hier schon von der Elite“, erklärt Prinz, „die Spieler der Regional- oder Verbandsliga haben wir ja gar nicht mitgezählt“.

Seit diesem Sommer Fußball-Weltmeister

Noch höher, bis in die deutsche Nationalmannschaft, schafften es immerhin fünf der Juniorenmeister: Lahm, Özil, Schürrle, Höwedes und Schweinsteiger. Seit dem Sommer sind sie sogar Weltmeister.

Ein Erfolgsrezept für Fußballer-Karrieren konnten die Duisburger Wissenschaftler aus ihrer Untersuchung nicht verfassen. „Wir konnten jedoch feststellen, dass ein Spieler erfolgreicher wird, je länger er einem Verein treu bleibt“, erläutert Prinz. Beispielhaft dafür sind Lahm mit sieben und Höwedes mit sechs Jahren Vereinszugehörigkeit.

Prozesse an Studenten testen

Die Idee zur Studie kam dem Sportfanatiker beim Lesen seiner Lieblingszeitschrift „Kicker“. Folgestudien sind in Planung. Zum Beispiel möchte Prinz noch mehr Daten sammeln: Einerseits will er frühere Jahrgänge untersuchen, andererseits auch die unteren Spielklassen wie die Regionalliga. Des Weiteren möchte er die Prozesse, die ein Profikicker durchläuft, an Studenten testen.

„Der Arbeitsmarkt Sport lässt sich wunderbar auf unsere Arbeitswelt übertragen. Auch in einem Unternehmen wird Treue belohnt“, so Prinz. Er hat großes Interesse an Langzeitstudien mit angehenden Managern, um deren Werdegänge zu analysieren. „Die Zahlen der Studienanfänger für BWL zum Beispiel sind immens hoch“, erklärt Prinz. „Doch wenn man sich ansieht, wer nachher wirklich eine Führungsposition erhält – das ist der geringste Anteil.“ Viele Studenten durchlaufen demnach einem Trial-and-Error-Prozess: Wenn der erste Studiengang nicht taugt, probiert man den nächsten. Wie genau dabei das Verhältnis ist, möchte er testen. „Diese Zahlen können für ein Unternehmen sehr wertvoll werden“, weiß Prinz.