Duisburger Bürger fühlen sich unsicher – Jäger hält dagegen

Uwe Irps ist einer der Ordnungshüter in Hochfeld.
Uwe Irps ist einer der Ordnungshüter in Hochfeld.
Foto: WAZ-Fotopool
Ralf Jäger spricht bei der Versammlung der SPD-Ortsvereine in Hochfeld über Sicherheit. Delikt-Zahlen gehen zurück, Empfinden der Bürger ist anders.

Duisburg.. Angst vor Gewalttaten und Raub – für viele Duisburger ist klar: Die Stadt ist unsicherer geworden. Gerade im Brennpunkt Hochfeld ist es um das subjektive Sicherheitsgefühl nicht gut bestellt. Auch zur Mitgliederversammlung der SPD-Ortsvereine im Awo-Seniorenzentrum an der Karl-Jarres-Straße sind viele gekommen, die sich um die Sicherheit sorgen. Als Referent informiert Ralf Jäger, Innenminister und Duisburger, die etwa 40 Zuhörer über die Polizeiarbeit. Er liefert Zahlen und Fakten zum Thema: NRW-Statistiken widerlegen die Theorie des Kriminalitätsanstiegs – ebenso die Zahlen der Duisburger Polizei

Seit über 60 Jahren im Stadtteil

„Ich habe das Gefühl, dass sich die Stadt sehr verändert hat. Es ist heute nicht mehr so schön, alleine auf Hochfelds Straßen unterwegs zu sein. Früher war das deutlich angenehmer“, findet Doris Burchard. „Deshalb mache ich mir Gedanken und ich hoffe, dass man diese Entwicklung stoppen kann“, so die Seniorin weiter. Auch Christel Sprieß (86) fühlt sich unsicher in Hochfeld. Seit über 60 Jahren lebt sie in dem Stadtteil. „Durch viel Polizeipräsenz ist es schon wieder etwas besser geworden. Trotzdem fühle ich mich nicht ganz sicher“, sagt sie.

Vor allem der Zuzug von Südosteuropäern habe den Stadtteil verändert, so Sprieß. „Viele sind wirklich nett, aber sie leben halt nach ganz anderen Regeln als wir. Sie sind lauter, und leider sind auch die Straßen dreckiger geworden. Wenn man sie aber anspricht, haben sie Verständnis und ändern sich. Das habe ich schon erlebt“, so Sprieß. Jäger erklärt, dass Sauberkeit nichts mit Kriminalität zu tun habe und sich dadurch zwar die Wahrnehmung ändere, Zahlen aber nicht belegen können, dass die Straßen auch unsicherer geworden sind.

Weniger Gewaltdelikte

„Wir sind gut aufgestellt, haben die Polizeipräsenz seit 2010 deutlich erhöht“, sagt er den Zuhörern, unter denen sich hauptsächlich SPD-Mitglieder aber auch einige interessierte Gäste befinden. „Ich kann die Angst verstehen, man sollte ihr aber mit Fakten begegnen“, so Jäger. Um rund 30 Prozent sei die Jugendkriminalität seit 2010 gesunken. Gewaltdelikte seien auch um etwa 20 Prozent zurückgegangen, ebenso die Handtaschendiebstähle. Die Zahlen, die Jäger liefert, gelten allerdings nicht speziell für Duisburg, sondern für NRW. Ein Blick in die Zahlen der Duisburger Polizei zeigt: Die für das Sicherheitsgefühl bedeutsame Gewaltkriminalität ist gesunken. Gleiches gilt für Raubdelikte, wie aus dem Polizeibericht hervorgeht. „Vieles hat sicherlich mit dem persönlichen Empfinden zu tun“, sagt auch Polizeisprecherin Daniela Krasch auf Nachfrage dieser Zeitung. „Es macht da schon viel aus, wem man auf der Straße begegnet“, sagt sie weiter. Dennoch setze man weiter verstärkt auf erhöhte Polizeipräsenz in Problembezirken wie Marxloh und auch Hochfeld.

Karl-Heinz Bewerick, seit über 20 Jahren Mitglied in der SPD, hält die Situation in seinem Heimatstadtteil Hochfeld nicht für bedenklich: „Die Menschen fühlen sich unsicherer, da inzwischen ständig über Gefahr, Mord und Terroranschläge im Internet und in den Medien berichtet wird“, vermutet er vielmehr. Wie auch die anderen Teilnehmer des Diskussionsabends sagt er, dass er Regierung und Polizei vertraue.