Duisburger Betriebsrat lobt Thyssen-Kurs

Der moderne Leitstand eines Duisburger Hochofens: High-Tech pur.
Der moderne Leitstand eines Duisburger Hochofens: High-Tech pur.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Arbeitnehmervertreter wollen Konzernchef Hiesinger den Rücken stärken bei der Sicherung aller Konzernsparten und erwarten Unterstützung von der Politik.

Duisburg.. Nach der Hauptversammlung von Thyssen-Krupp in der vergangenen Woche ist man auf der Arbeitnehmerseite einigermaßen zuversichtlich, dass der Konzern wieder auf dem richtige Weg ist. Mit dem beschlossenen Erhalt aller Geschäftsbereiche von der Stahlerzeugung bis zur Dienstleistung werde die industrielle Wertschöpfungskette gesichert, sagte Konzernbetriebsratsvorsitzender Willi Segerath gestern: „Und das ist das, was Thyssen-Krupp stark macht.“

Segerath geht allerdings auch davon aus, dass Thyssen-Krupp nicht unmittelbar vor dem endgültigen Durchbruch in bessere Zeiten steht, die Konzernergebnisse aber steigen werden: „Wir brauchen noch mindestens fünf, wenn nicht sieben Jahre.“ Dann aber würden „auch die Anteilseigner wieder Spaß haben“.

Wobei der erfahrene Betriebsrat, der auch Vorsitzender der Arbeitnehmer am Standort Hamborn/ Beeckerwerth ist, übertriebene Gewinnerwartungen schon einmal vorsorglich dämpft. Die Zeit für Renditeziele von 20 Prozent sei seit der Finanzmarktkrise von 2008/ 2009 vorbei.

"Stahl ist ein Werkstoff für die Zukunft"

Wichtig für die Zukunftsfähigkeit des in den letzten Jahren unter anderem wegen der teuren Werksneubauten in Brasilien und in den USA krisengeschüttelten Konzerns sei nun, dass das Verhältnis von Eigen- und Fremdkapital wieder in Ordnung gebracht, also die Verschuldung abgebaut werde, fordert Segerath.

Ansonsten gelte es jetzt, dem Konzernchef Heinrich den Rücken zu stärken beim Bestreben, Thyssen-Krupp „in Gänze“ weiterzuentwickeln. Dass das Gesamt-Unternehmen dabei nicht mehr vorrangig als Stahlunternehmen betrachtet wird, ist für Segerath kein Problem. Auf den Begriff Stahlkonzern habe man Thyssen-Krupp schon unter Hiesingers Vorgängern nicht mehr reduzieren können. Nur habe sich diese Einschätzung an den Finanzmärkten noch nicht durchsetzen können: „Stahl ist kein prähistorisches Relikt, sondern ein Werkstoff für die Zukunft.“ In einem Hochofen-Steuerstand stecke längt mehr Technik als in einem Airbus.

Segerath verlangt gute politische Entscheidungen

Während die Stahl-Arbeitnehmer durch die Einführung der 31-Stunden-Woche ihren Beitrag geleistet hätten zur Zukunftssicherung von immerhin 20.000 Arbeitsplätzen allein in Nordrhein-Westfalen, seien nun die Verantwortlichen in Berlin und Brüssel gefordert. Segerath: „Wir brauchen gute politische Entscheidungen.“

Wie auch schon die Stahlarbeitgeber geht es auch den Arbeitnehmervertretern um die Klimaschutzpolitik, die die Stahlstandorte in Deutschland nach übereinstimmender Einschätzung gefährden kann. Es sei ein Fehler, sagt Segerath, nur auf die CO²-Bilanz zu schauen und nicht auf die konkurrenzlos guten Umwelteigenschaften des Werkstoffs Stahl, der im Gegensatz zu beton oder Kunststoff langlebig und reparierbar sei und zudem endlos wiederverwertbar ohne Einbußen bei der Qualität.