Duisburger Arbeitsamt zu Wasser

Die Barkasse des Arbeitsamtes Duisburg bringt vermittelte Arbeitskräfte zu den Kähnen im Hafen Duisburg.
Die Barkasse des Arbeitsamtes Duisburg bringt vermittelte Arbeitskräfte zu den Kähnen im Hafen Duisburg.
Foto: ullstein bild
Was wir bereits wissen
In Duisburg gab es in den Wirtschaftswunderjahren des letzten Jahrhunderts ein einzigartiges Arbeitsamt mit Dienstboot. Damit wurden Arbeitskräfte zu den Kähnen gebracht.

Duisburg.. Vor 60 Jahren war Duisburg das einzige Arbeitsamt, dessen Mitarbeiter mit einem Motorboot dienstlich unterwegs waren. Die Vermittlung der „ständig unständig beschäftigten Aushilfsfachkräfte“ war eine wesentliche Aufgabe.

Das Arbeitsamt Duisburg hatte zu Zeiten des Wirtschaftswunders ein Alleinstellungsmerkmal: Es verfügte über ein Motorboot und brachte Schiffer und Nachwuchskräfte, die einen neuen Job oder Ausbildungsplatz antraten, auf ihren jeweiligen Kahn. Korrekt hieß das Ruhrorter Arbeitsamt „Fachvermittlungsstelle für Binnenschiffer“ und es war das einzige deutsche Arbeitsamt, das den Vermittlungsservice zu Wasser entwickelte.

Monatlich ca. 3500 Schiffe

Die Vorläuferorganisation der Fachvermittlung wurde bereits 1901 in der Schifferbörse errichtet. Um den Nachwuchs für die Binnenschifffahrt zu sichern, führte das Arbeitsamt bereits 1935 vierteljährliche Einführungskurse auf dem umgebauten Schleppboot „Haniel 18“ durch. Die Arbeitskräftevermittlung umfasste Deckspersonal, Nachwuchskräfte und die Kurzzeitvermittlung von Fachkräften. Das kurzfristig beschäftigte Personal hieß im Amtsdeutsch „Ständig unständig beschäftigte Aushilfsfachkräfte“.

Duisburg war jahrzehntelang unangefochten das Zentrum der Binnenschifffahrt und die Schifferbörse in Ruhrort ein internationaler Hotspot. In den 50er Jahren machten monatlich rund 3500 Schiffe für kürzere oder längere Zeit Station in Duisburg. Die Fachvermittlung war 1954 im Dachgeschoss der Schifferbörse untergebracht. Das Arbeitsamt brauchte zur Erweiterung des Vermittlungsservices ein eigenes Boot. „Es gab für die Fachvermittlung alle Hände voll zu tun“, so der damalige Bootsführer van Loosen.

Schubverbände lösten Schleppzüge ab

1955 war es endlich soweit: Stolz konnte van Loosen das weiß lackierte sieben Meter lange und zwei Meter breite Motorboot mit 30 PS in Betrieb nehmen. Ein schwimmendes Arbeitsamt sozusagen, das sich um den Schiffernachwuchs kümmern und den Beratungsbedarf der Binnenschiffer befriedigen sollte. Daneben konnte das neue Boot bei der Heranführung von Besatzungsmitgliedern und deren Familienangehörigen eingesetzt werden. Nicht selten wurde das Boot zum „Eilboten“, wenn für Schiffe auf Fahrt noch in letzter Minute vermittelte Besatzungsmitglieder schnell an Bord gebracht werden mussten. Es war ein kleines, schnittiges Boot, das mit der Bundesflagge am Heck durch die Ruhrorter Häfen und auf dem Rhein fuhr.

Doch schon seit den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts veränderte sich die Binnenschifffahrt gründlich. Die großen Schleppzüge verschwanden, dafür kamen die Schubverbände, die mit weniger Personal kostengünstiger waren als die früheren Schleppzüge.