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Duisburg verabschiedet den Beigeordneten Karl Janssen

10.04.2013 | 20:52 Uhr
Duisburg verabschiedet den Beigeordneten Karl Janssen
Karl Janssen (re.) plauderte auf dem Abschiedsempfang im Rathaus auch mit seinem Nachfolger Thomas Krützberg, re. Janssens Ehefrau Irene.

Duisburg. Ein großer Bahnhof klingt anders – trotzt musikalischer Begleitung durch das Philharmonixx-Trio. Aber zumindest mit guter Miene zum politisch bestimmten Rauswurf aus dem Rathaus hat Duisburg seinen Beigeordneten Karl Janssen verabschiedet.

Mit der Einladung zum Empfang durch OB Link und Janssens Zusage war dem scheidenden Dezernenten für Jugend, Kultur und Bildung die Gewissensfrage abgenommen, ob er denn überhaupt bei Sekt und Schnittchen ade sagen sollte, nachdem ihm die rot-rot-grüne Ratsmehrheit eine Wiederwahl und damit eine zweite achtjährige Amtszeit verwehrt hatte.

„Ich gehe nicht im Groll“, versicherte Janssen vor der Verabschiedung. Seine Lesart: Seine Nicht-Wiederwahl als CDU-Mann sei eine rein politische Entscheidung gewesen. Er habe halt nicht mehr in die „politische Landschaft“ gepasst, und erleichtert registrierte er, dass „nicht nachgetreten“ wurde und er lässt nicht unerwähnt, dass bei seiner Nicht-Wiederwahl Ende 2012 mehr Stadtverordnete als die eigene CDU-Reihe für ihn gestimmt hatten.

Freundlich und höflich im persönlichen Du war der Umgangston im Mercatorsaal am Mittwoch. Tradition sei es, sagte Link, „verdiente Mitarbeiter“ zu verabschieden und bescheinigte Janssen einen „gradlinigen“ Weg und den steten Kampf namentlich um die Kultur in Zeiten knapper Kassen. Kein „leichter Tag“ sei es für Janssen, den Rathaus-Stuhl räumen zu müssen, meinte Link, um zugleich aber klar zu stellen: Mit diesem Risiko müssen politische Wahlbeamte leben.

Kurz die Replik Janssens: Er gehe mit „gemischten Gefühlen“ und verlegte sich auf den Dank an Mitarbeiter, die Politik, die Verbände der Wohlfahrt, die Vertreter der Kulturinstitutionen. Keine Frage, es tat ihm gut, dass man ihn mit Anstand und auch längerem Applaus verabschiedete.

Dass Janssen nun früher als der noch weit weniger bei der Rot-Rot-Grün gelittene CDU-Rechtsdezernent Rabe im nächsten Jahr seinen Stuhl räumen musste, war eine reine Zeitfrage und in der Tat eine Folge der politischen Machtverhältnisse. Die andere Wahrheit ist aber auch, dass es vor allem bei SPD und Linken auch inhaltliche Kritik an Janssen gab. Zu wenig Akzente habe er gesetzt, vieles wohlfeil angekündigt, aber nicht in die Tat umgesetzt. Duisburgs Renommee im Jugendbereich gilt zum Großteil als Verdienst seines Amtsleiters – und Nachfolgers – Thomas Krützberg.

2005 hatte auch die SPD Janssen noch mit gewählt. Doch seinen letzten Kredit hatte er bei der Kulturspardebatte im vergangenen Jahr verspielt, verloren war danach seine Glaubwürdigkeit als Wahrer der Kulturinteressen und namentlich der Oper im Stadttheater. Da half ihm wenig, dass sich Janssen zuletzt auch mit Ex-CDU-OB Sauerland überworfen hatte und sich 2010 tapfer gegen den Populisten Sarrazin bei dessen Auftritt im Lehmbruck-Museum gestellt hatte.

Das Kulturressort stand im Fokus

Der gebürtige Niederrheiner Janssen, dessen mitunter bollrig- hemdsärmlige Art eher seinem westfälisch-münsteraner Wohnort und weniger dem gängigen Bild eines Kulturdezernenten entspricht, wird mit seinen 58 Jahren nun in den Ruhestand gehen – finanziell abgesichert auch durch das ihm zustehende anteilige Ruhegeld der Stadt, solange er keine nachfolgende feste Stelle hat. Die visiert er nicht, wobei sich Janssen vorstellen kann, „irgendetwas im kommunalen Bereich zu machen“.

Obgleich auch für die Ressorts Jugend und Bildung in Duisburg zuständig, stand Janssen vor allem als Kulturdezernent im Fokus – und in der Kritik. Dabei ist Janssen gelernter Sozialpädagoge, kam wie sein jetziger Nachfolger Thomas Krützberg (Janssen: „Ich freue mich sehr über seine Wahl“) aus der Jugendhilfe und hat 35 Jahre im öffentlichen Dienst hinter sich. Er war Jugendamtsleiter in Münster und vor dem Wechsel 2005 nach Duisburg Stadtdirektor in Recklinghausen. Seine Ambitionen, in Münster Oberbürgermeister und jüngst CDU-Bundestagskandidat zu werden, waren gescheitert. „Mein Herz schlägt für Duisburg“, versichert Janssen aber zugleich.

Vor allem in der Kultur tut Janssen das Bilanzieren nach eigenen Worten weh. „Weniger Budget geht nicht“, meint er und sieht auch „das große Manko“, dass es kein wirklich übergreifendes Kulturamt gibt. Janssen, der – wie er beim Abschied launig zum Besten gab – bei seinem Vorstellungsgespräch 2005 noch mit der „Kulturtasche“ als Qualifizierung kokettierte, hatte es schwer als Kulturdezernent. Trotz der großen Kultureinrichtungen in Duisburg – mit Theater, Oper, den großen Museen. „Kultur stand immer in Konkurrenz zu anderen Bereichen. Aber Duisburg hat viel zu bieten und kann sich mit Kultur profilieren“, sagt er zum Abschied. Zu dem gehören auch freundliche Worte über OB Link, „der viele Baustellen“ vor sich hart und einen Rat an die Politik: „Die Parteien sollten zusammenrücken. Wir beschädigen uns zu sehr selber.“

Oliver Schmeer



Kommentare
11.04.2013
22:00
Sag zum Abschied leise Servus…
von graphos | #7

Karl, alte Socke!

Dein "steter Kampf namentlich um die Kultur in Zeiten knapper Kassen" war nichts anderes als ein vollkommen unkreatives Auseinandersetzen mit dem Thema Jugend, Bildung & Kultur in dieser so gebeutelten Stadt.

Du hast nur verwaltet, anstatt inspirierende Gedanken im Rahmen der Möglichkeiten zu geben. Und wenn dein kreativer Output mal in Wallung geriet, dann ging der Blick direkt so hoch, dass Worte wie "Bilbao-Effekt" der Vehemenz eines Pollenflugs gleich sich über die Stadt ergossen und jeden darin erstickten. Wenn dein Engagement für die Kunst- und Kulturszene ausserhalb Stadttheater & Lehmbruck auch nur halb so ambitioniert gewesen wäre wie dein unermüdlicher Einsatz für die größte Schrottruine Deutschlands, dann würden wir heute als Kulturpilgerstätte für Berliner Hipster und Absolventen der Düsseldorfer Kunsthochschule darstehen und Frank O Gehry würde auf Knien gerutscht kommen, den nächsten Prachtbau bauen zu dürfen.

Insofern: Geh mit Gott, aber geh!

11.04.2013
20:47
Duisburg verabschiedet den Beigeordneten Karl Janssen
von ditku | #6

Wer mag, kann die Küppersmühlenkubus-Helden hier noch mal bewundern:
http://www.museum-kueppersmuehle.de/spatenstich-erweiterung/

Ansonsten lohnt sich ein Besuch der Selbstbeweihräucherungsseite dieses Herrn. In seinem Universum scheint er der Mittelpunkt zu sein.

11.04.2013
16:49
Er war die treibende Kraft hinter dem Schukarton
von GeorgiaSam | #5

@4 Sie haben Recht. Janssen war die treibende Kraft hinter dem ganzen Schuhkarton-Gedöns. Schließlich hat man ihn 2009 dafür zu Kulturmanager des Jahres gemacht. Die Gebag hat sich das Projekt von ihm aufs Auge drücken lassen.

(Die hätten "Nein!" sagen müssen, nicht das hier einer denkt, ich wollte Frau WK oder Herrn S verteidigen).

Aber der spitus rector war Janssen.

11.04.2013
10:05
Duisburg verabschiedet den Beigeordneten Karl Janssen
von ProfDrHonigtauBunsenbrenner | #4

War Herr Janssen als Dezernent für Kultur nicht auch am Cubus (Küppersmühle) in irgendeiner Form beteiligt?

Das fehlt leider in Ihrem Bericht und sollte hier noch einmal lobend erwähnt werden.

Vielleicht kann er jetzt, wo er sich in Ruhestand befindet, an den dortigen Aufräumarbeiten beteiligen.

P.S: Und wie war seine Reise bei seinem lateinamerikanischen Freunden (Dienstreise in der Partnerstadt San Pedro Sula in Honduras). War diese erfolgreich für Duisburg?
Bis dato haben wir davon noch nichts erfahren.


1 Antwort
"War Herr Janssen als Dezernent für Kultur nicht auch am Cubus (Küppersmühle) in irgendeiner Form beteiligt?"
von wattearvolt | #4-1

Zumindest ist mir ein Foto in Erinnerung, wo er dortselbst die Schüppe in der Hand hielt (mit den üblichen anderen Verdächtigen, die bei so einer "Eröffnung" anwesend sind).
Das Foto im Innenhafenportal ist aber nicht mehr greifbar, weil älter als 5 Jahre.

11.04.2013
09:19
Duisburg atmet auf
von GeorgiaSam | #3

wäre der richtige Titel gewesen ...

11.04.2013
05:07
Duisburg verabschiedet den Beigeordneten Karl Janssen
von ditku | #2

"Mein Herz schlägt für Duisburg"...
Wattn feister Lügner. Aber gut, dass dieser Kulturkasper weg ist.
Jetzt kann er in sich gehen, meditieren und sich seinem Wauzi und den lateinamerikanischen Freunden bei ein paar Kisten Wein und mediterranem Gelage widmen...

11.04.2013
00:27
Duisburg verabschiedet den Beigeordneten Karl Janssen
von JanundPitt | #1

Mehr Scheinheiligkeit geht wohl kaum noch. Hätte er seinen Job sehr gut gemacht, wäre sein Vertrag verlängert worden. Ist er aber nicht. Also war er eine Fehlbesetzung, dessen Vertrag nicht verlängert wird. Kein Grund, ihm auch noch bei der Zwangsverabschiedung den Bauch zu streicheln. Als Versager im Amt mit 58 die Beine endgültig und finanziell bestens gepolstert hochlegen zu können, wünscht sich wohl jeder Arbeitnehmer. Dieses Privileg ist allerdings nur Versagern mit Wahlbeamten-Status vorbehalten. Noch ein Schippchen drauf auf die Politiker-Verdrossenheit des Wahlvolks, dass bis 67 zu arbeiten hat, um anschließend von einer Mini-Rente leben zu müssen.

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