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Duisburg und der Mythos Horst Schimanski

21.01.2011 | 18:59 Uhr
Duisburg und der Mythos Horst Schimanski
Harald Schrapers wandelt auf den Spuren von Schimanski. Ihn interessiert die Figur, nicht etwa Götz George.Foto: Stephan Eickershoff / WAZ FotoPool

Duisburg.Der WDR denkt über einen neuen Ruhrgebiets-Kommissar nach. Aber kann es überhaupt einen würdigen Schimmi-Nachfolger geben? Wir fragten Harald Schrapers, Fachmann in Sachen Horst Schimanski. Er meint, Duisburg sei wieder reif für einen Ermittler.

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Durch "Schimmi" war es plötzlich cool, ein Prolet zu sein. Ansichten eines Fans von "Schimanski"

Harald Schrapers hat sich seine beige-farbige Joppe übergeworfen – Modell Schimanski. Wir treffen uns vor der Hochofen-Kulisse in Bruckhausen. Der Betreiber einer Schimanski-Homepage kennt sich aus.

Dort, wo zuletzt für den neuen Schimanski gedreht wurde und der Ermittler in den 80er Jahren so oft im Einsatz war. Schrapers kennt sich aus, ist seit Jahren Fan des rauen Cops und damit der richtige Ansprechpartner, um die Frage zu klären, wer ein würdiger Nachfolger für den ehemaligen Tatort-Kommissarwerden kann, sollte der WDR einen neuen Ruhrgebiets-Ermittler suchen.

„Ich bin kein Götz George-Fan, ich interessiere mich vor allem für die Rolle“, stellt der 46-Jährige direkt zu Beginn klar. Die Dreharbeiten vor seiner Haustür hat er nie mitverfolgt. Ein halber Tag für eine Szene – „das ist mir viel zu langweilig“, sagt er und schüttelt den Kopf. Stattdessen klärt er lieber über Mythen auf und beantwortet auf seiner Horst Schimanski-Homepage die drängenden Fragen anderer Fans. Etwa, was der Ermittler in den Filmen für eine Jacke trägt und wo man die denn bitteschön kaufen kann. „Es handelt sich um eine M-65-Feldjacke, die 1965 bei den US-Streitkräften eingeführt wurde.“ Allerdings wurden für den Tatort extra die typischen Army-Schulterklappen entfernt.

„Eine tolle Stadt für Filmemacher“

Wer soll Tatort-Kommissar im Ruhrgebiet...

„Hier wurde ein Bordell eingerichtet. Das Haus haben sie wohl ausgesucht, weil man von hier gut die Hochofen-Kulisse filmen kann“, erzählt Schrapers und deutet auf ein heruntergekommenes Gebäude. Es wird bald dem Grüngürtel weichen. Duisburg sei die tollste Stadt in Deutschland. Klar, dass ein Duisburger so etwas sagt. Aber der Pressesprecher, der für zwei SPD-Abgeordnete arbeitet, betont dies nicht nur aus reinem Lokalkolorit. Die Stadt an Rhein und Ruhr biete sich wie keine zweite an, um hier zu drehen. Das hätten ihm auch Filmemacher bestätigt. „Arbeiten und Wohnen liegen dicht beieinander. Man kann beides abbilden. Und wenn man mal etwas Weite braucht, schwenkt man einfach über den Rhein und sieht grüne Wiesen, aber auch Industrie.“

Als engagierter Student hat Schrapers mit ein paar Mitstreitern sogar mal vorgeschlagen, die Uni auf „Horst-Schimanski-Hochschule“ zu taufen. Die Idee wurde ein Semester diskutiert, dann haben sich die Offiziellen doch für den altehrwürdigen Mercator entschieden. „Innovative Ideen durchzusetzen war schon immer schwer “, kommentiert er die Sache rückblickend. Dabei habe Schimmi die Stadt geprägt und ihr ein ungeahntes Selbstbewusstsein gegeben. „Es war gut, dass Götz George die Rolle so überzeugend entwickelt hat. Dabei kommt er ja aus Berlin.“

„Die Stadt ist wieder reif für einen Ermittler“

Duisburg sei wieder reif für einen Ermittler, schließlich habe sich die Stadt weiterentwickelt und biete neue Ansatzpunkte für Krimis. „Der Kommissar könnte vielleicht aus einer anderen Stadt versetzt werden“, sinniert Schrapers, „und mit einem Blick von außen auf das Ruhrgebiet die Morde aufklären.“ Oder das neue Team könnte im gesamten Ruhrgebiet eingesetzt werden und städteübergreifend arbeiten. Möglichkeiten gebe es genug.

Den nächsten Schimmi wird Schrapers sich übrigens erst später ansehen, wenn der Streifen als DVD erscheint. Er besitzt kein Fernsehgerät.

Fabienne Piepiora

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Kommentare
24.01.2011
07:21
Duisburg und der Mythos Horst Schimanski
von Kravattenmuffel | #6

Schimanski ist „tot“, und das soll er auch bleiben. Kalten Pudding kann man nicht aufwärmen. Das haben auch die Nachfolger unter dem Namen „Schimanski“ gezeigt, in denen ein Schimanski sich nur noch selber spielte.
Ja, Schimmi hat geprägt. Den anderen Typ des TV-Ermittlers. Vorbei waren die Zeiten eines gelackten Derrick, der fast ausnahmslos bei Schickimickis ermitteln durfte. Jetzt kam eine Person, die es so im realen Leben einer Dienststelle wohl kaum gegeben hätte. Und während man sich heute bisweilen über Witz und Persiflage in den Münsteraner Tatorten mokiert, war damals schon Schimmi und das „Dreckloch“ Duisburg die reinste Karikatur. Nur hat oder wollte das keiner so genau sehen. Der Name Duisburg in aller Munde, aber zu welchem Preis.
Mit jeder Folge rutsche die Außendarstellung von Duisburg eine Nummer tiefer. Mein pers. „Break-Point“ waren die brennenden Ölfässer vor den Arkaden in Hochfeld. Wie oft habe ich damals bei Besuchen von Freunden und Verwandten gehört: „ach, Duisburg ist ja gar nicht so wie bei Schimanski.“ Es dauert lange Vorurteile zu berichtigen.

Und so was braucht Duisburg eigentlich nicht mehr.

Was durchaus zu Duisburg passt und eine Vielzahl von Geschichten, Typen und auch unterschiedlichste Location zulässt, wäre eine Fortführung des „Hafendetektivs“ auf Tatort-Ebene. Nach über 20 Jahren könnte man da auch noch mal drüber nachdenken.

23.01.2011
18:03
Duisburg und der Mythos Horst Schimanski
von hansreiner | #5

Kein Frage: der nächste Tatort gehört wieder nach Duisburg. Denn hier hat der Krimi Tradition und nur hier ist er Zuhause. Mafia-Morde, Hell´s Angel-Bandidos-Kämpfe und Love Parade-Katastrophe belegen das. Keine Stadt im Pott kann da mithalten. Und keine Stadt im Revier hat diese Kulissen, diese morbide Mischung aus Schmutz und Schickeria. Und wenn ich mir dann noch so ein kontrastreiches Ermittlerduo wie Nadeshda Brennicke und Armin Rhode vorstelle, ja dann könnte ein Kult draus werden. Das wären würdige Nachfolger von Schimmi und Tanner.
Aber leider setzt der WDR nicht auf Originalität und Kult. Er setzt auf Proporz! Und das heißt: der nächste Ruhr-Tatort kommt a) aus Dortmund (da war er nämlich noch nie) und wird b) von einem Ermittlerteam geleitet, dass allen Multi-Kulti-Gender-Kriterien entspricht, die das AGG hergibt.
Deshalb ist eines sicher wie das Amen in der Kirche: der nächste Tatort aus dem Pott wird so langweilig wie all die anderen aalig glatt gespülten Tatorte (die aus Münster und Köln ausgenommen).
Wer nicht weiß, was ich meine, sollte sich heute Abend den Super-Langweiler aus Saarbrücken ansehen. Das ist Folter für jeden Krimifan!

23.01.2011
11:07
Duisburg und der Mythos Horst Schimanski
von Almdudler | #4

Duisburg hat doch schon einen neuen Ermittler, der geradzu sensationelle Quoten bei der Aufklärung hat:

Adolf Sauerland!

23.01.2011
01:16
Duisburg und der Mythos Horst Schimanski
von flateric17 | #3

Na, er war schon ziemlich überzeugend. Etwas prollig, ständig angesoffen und dem wirklichem Kommissarleben weit entfernt und dennoch ein Highlight. Er hatte dieses harte Pommesfeeling. Das ist so wie mit Herbert Grönemeyer, der kam auch nicht aus dem Ruhrgebiet, aber der hat es einfach rübergebracht in seinen Liedern. Am Anfang war ich auch erst entäuscht, dass so einer das Ruhrgebiet darstellt. Dann, als ich näher hinsah, da merkte ich, dass jemand der von aussen kommt, manchmal eben die Sachen sieht, die sonst ein Einheimischer nicht sehen kann. Ich glaube so einen wie Schimmi wird es allerdings nie wieder geben, genauso wie es das Ruhrgebiet wie im gesamten 20igsten Jahrhunder nie wieder geben wird.
Wenn eine neue Auflage von Tatort aus Duisburg , dann laßt Euch gefälligst eine Menge Zeit. Eine schlechte Wahl ist eine schlechte Wahl.

Bube auf Bube geht nich, da bekommse Aaidds von.

22.01.2011
23:18
Duisburg und der Mythos Horst Schimanski
von Stefan2 | #2

Kann mir mal jemand sagen, was an diesem Schimanski so toll gewesen sein soll? Ich fand diese Figur vor allem brutal und unbeholfen.

22.01.2011
15:29
Duisburg und der Mythos Horst Schimanski
von Bumsfallera | #1

Ein neuer Ermittler für DU wäre ja nicht schlecht.
Ich hätte auch schon ein paar Ideen fürs Drehbuch, allerdings kommt unser OB da nicht so gut bei weg.

Aber an Schimanski kommt wohl keiner ran.
Es kann halt nur einen geben.

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