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NS-Dokumentationszentrum

Duisburg sucht neue Standorte für Dokumentationszentrum

16.01.2013 | 18:04 Uhr
Wann bekommt Duisburg ein NS-Dokumentationszentrum? Hier Foto der Zeitgeschichte aus: „Duisburg unterm Hakenkreuz“.Foto: NRZ

Duisburg.  Das NS-Dokumentationszentrum wird nicht in dem neuen "Stadtfenster"-Gebäude untergebracht. Der ursprüngliche Plan es dort zu integrieren, scheiterte an einer rot-rot-grünen Mehrheit im Rat im Dezember 2012. Zur Ratssitzung im März sollen nun durch die Verwaltung andere Standorte vorgeschlagen werden

Der Rohbau des „Stadtfensters“ nimmt langsam Formen an. Doch auch wenn das Gebäude die Lücke zwischen Altstadt und Königstraße schließt, wird etwas fehlen: das NS-Dokumentationszentrum .

Es sollte ins „Stadtfenster“ integriert werden, doch die rot-rot-grüne Mehrheit im Rat befand im Dezember 2012, dass im neuen Gebäude zu wenig Platz sei. Zur Ratssitzung im März sollen durch die Verwaltung andere Standorte vorgeschlagen werden. Solche Alternativen seien nicht zu finanzieren, kritisiert die CDU. Kein Platz, kein Geld – kein Dokumentationszentrum?

400 qm Fläche waren geplant

Die Chancen für die Einrichtung eines solchen Hauses seien nicht gesunken, betont Herbert Mettler, Fraktionsvorsitzender der SPD im Rat. Eine Umsetzung des Projekts im „Stadtfenster“ erschien ihm „äußert unrealistisch“. 400 Quadratmeter Fläche hätte man dort nur veranschlagt. „Es war nur auf dem Papier ein Dokumentationszentrum“, kritisiert auch Udo Vohl, kulturpolitische Sprecher der SPD-Fraktion.

In den Planungen für die Bibliothek habe man ein Karree ausgespart, in dem Bücherregale aufgestellt werden sollten. „Man hat weder eine Finanzierung gehabt, noch eine Idee, wie die Dokumentation inhaltlich betrieben werden soll“, erzählt Vohl. „Man hat lediglich der Bibliothek Raum weggenommen, um Bücher auszustellen, vielleicht noch eine Vitrine dazu – das war nicht das, was wir uns als NS-Dokumentationszentrum vorgestellt haben. Die Chance, so etwas zu bekommen, ja, die haben wir vertan“, sagt Vohl.

Woher soll das Geld kommen?

Und das ärgert den CDU-Fraktionsvorsitzenden im Rat. „Wir hatten einen gültigen Ratsbeschluss, und der ist abgeändert worden“, verweist Rainer Enzweiler auf eine frühere Entscheidung des Gremiums. Diese wollte die CDU unbedingt umgesetzt sehen – lieber ein kleines Dokumentationszentrum als gar keins. Dass für das Projekt nun ein Standort gesucht werden muss, „wird dazu führen, das befürchten wir jedenfalls, dass es gar nicht mehr kommen wird“, warnt Enzweiler. „Mehr Platz ist ja schön und gut, aber woher soll das Geld dafür kommen?“

Diese Sorgen hat man auch bei der SPD, aber: „Wir werden bei der neuen Planung darauf achten müssen, dass es sich günstiger gestalten wird als vorher“, sagt Herbert Mettler. Und obwohl man weniger Geld ausgeben möchte, soll das Dokumentationszentrum sogar noch größer werden. Schließlich gebe es deutlich günstigere Standorte als das „Stadtfenster“, so Mettler. Auch könne man „den Personal-Pool bei der Stadt durchforsten, ob Mitarbeiter für das NS-Dokumentationszentrum infrage kommen“.

"Das ganze NS-Dokumentationszentrum ist eine Farce"

Davon, wie sich das Haushaltssanierungskonzept entwickelt, macht Herbert Mettler den Fortgang der Planungen für das Projekt abhängig. „Die Finanzierung des Dokumentationszentrums wäre eine freiwillige Ausgabe. Also kann man sie nur realisieren, wenn man sich im Haushaltssanierungsplan bewegt.“ Dieser Rahmen ist eng gesteckt, Mettler warnt vor zu hohen Erwartungen an das Zentrum: „Es wird vielleicht nicht dem Anspruch aller gerecht, aber wir werden mit Sicherheit eines haben.“

In der Jüdischen Gemeinde Duisburg hat man eine deutliche Meinung zu den Vorgängen. „Das ganze NS-Dokumentationszentrum ist eine Farce“, sagt Geschäftsführer Michael Rubinstein. Die Gemeinde, erinnert sich der Geschäftsführer, sollte in die Planungen des NS-Dokumentationszentrums involviert werden. Schließlich habe man einen Historiker im Haus, der zu diesem Kapitel der Duisburger Stadtgeschichte viel erarbeitet hätte. Bisher habe es von Seiten der Stadt allerdings nur Lippenbekenntnisse gegeben. „Entweder macht man es anständig oder gar nicht“, erklärt Rubinstein. „Ein Dokumentations-Alibi braucht kein Mensch.“

Duisburg im Januar 2013

 

Zlatan Alihodzic



Kommentare
17.01.2013
08:14
Duisburg sucht neue Standorte für Dokumentationszentrum
von duisifan | #5

Auch das freiwerdende Gebäude der Stadtbibliothek wäre als Standort denkbar - soll aber zukünftig wahrscheinlich einer Forums-Erweiterung weichen. Dann bliebe noch ebenfalls an der Münzstr. das alte Uni-Polster-Haus oder ggü. das wunderschöne und bislang nicht genutzte Eckgebäude wo die Techniker drin ist. Das NS-Doku-Zentrum hätte somit eine gute Chance der verödenden Beekstr. entgegenzuwirken.

1 Antwort
Duisburg sucht neue Standorte für Dokumentationszentrum
von sv-710527 | #5-1

Bei den Planungen für die Bücherei hätte man durchaus das Gebäude des ehemaligen C&A Kaufhauses mit einbeziehen sollen. Platz und Raum genug. Die Münzstraße wäre belebt worden, neue Infrastruktur wäre dort gefolgt, Bücherei und VHS hätten keine Raumprobleme, das NS-Dokuzentrum hätte im Stadtfenster realisiert werden können.
Mit Weitsicht und Einsicht hätte einiges realisiert werden können und Eindrücke von Partei-, Fraktions- und Einzelinteressen würden gar nicht erst aufkommen. Aber mit der Verantwortung für Planung und Umsetzung im Interesse der Bürger ist es wie mit einer Scheibe Brot, sie wird gegessen, verdaut und ausgeschieden.

17.01.2013
07:17
Duisburg sucht neue Standorte für Dokumentationszentrum
von EandOS1 | #4

Die WAZ erwähnt leider nicht, dass das NS-Dokumentationszentrum mit in der Planung des Stadtfensters enthalten war, in dem m.W. sehr wohl genügend Platz vorgehalten wurde. Aber durch die dilettantische Umsetzung wurde das Stadtfenster bekanntermaßen ja eine Etage kleiner als ursprünglich geplant und die Stadtbücherei hat jetzt weniger Fläche zur Verfügung als am alten Standort! Das die Räume für die Mitarbeiter die tlw. keine Fenster haben und die alte Büroausstattung nicht reinpasst und neu angeschafft werden muss ist nur eine Randanedokte eines weiteren Bauskandals in unserer schönen Stadt.

Auch erwähnt die WAZ nicht, das es eine kostenneutrale und sinnvolle Alternative für das NSD gibt. Es wurde doch in den Fraktionen überlegt, das NSD ins Kultur- und Stadthistorische Museum einzugliedern, da Teile deren Bestände nach Fertigstellung des Landesarchivs dorthin ausgelagert werden sollen. Platz wäre also vorhanden.

16.01.2013
21:00
Duisburg sucht neue Standorte für Dokumentationszentrum
von JanundPitt | #3

Wozu braucht nahezu jede Stadt in der BRD ein NS-Dokumentationszentrum, obwohl es ein Stadtarchiv und ein Stadthistorisches Museum gibt, die diese Aufgaben bisher erfüllt haben? Wer besucht ein solches Dokumentationszentrum und wie oft? Duisburg hat nicht einmal genug Geld, ausreichend KITA-Plätze für den lebenden Nachwuchs - unser aller Zukunft, hoffe ich - zur Verfügung zu stellen und Schulen und Unis in Stand zu halten. Da muss sich die Vergangenheit - bei allem Respekt - hinten anstellen.

3 Antworten
Ganz ...
von AxelKrause | #3-1

... dünnes Eis. LG

AxelKrause | #3-1
von JanundPitt | #3-2

Sonnenklar, aber ich versuche, zukunftsorientiert zu denken. Bisher hat das Stadthistorische Museum die Vergangenheit dokumentiert. War ok. Die Stolpersteine erinnern besser, nachhaltiger und tagtäglicher an die NS-Vergangenheit als jedes künftige NS-Dokumentationszentrum, in das sich ohnehin kaum jemand verirrt. Wir müssen die Zukunft, sprich Kitas, Schulen und Unis bedarfsgerecht ausstatten, statt die spärlichen Mittel auf die ur-ewige Mahnung an die Sünden unserer Großväter und Väter zu verwenden, die es bereits hundertfach in der BRD gibt. Wir müssen zügig den Nachwuchs fördern, statt bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag die Sünden unserer Vorväter kostenträchtig anzuprangern. Keine Frage, sie waren Sch***ne, aber statt ihrer kostenträchtig negativ zu gedenken, müssen wir die spärlichen Mittel in die Zukunft, sprich: in die Jugend investieren.

Duisburg sucht neue Standorte für Dokumentationszentrum
von duisifan | #3-3

dieses Dokumentationszentrum IST Förderung der Jugend, denn abgesehen von einzelnen Interessenten wird es wahrscheinlich vornehmlich von Schulen wahr genommen und wenn sie sich mal in eine Schule wagen, werden sie schnell merken, WIE dringen es nötig ist, dass weiterhin Aufklärung betrieben wird. Diese Möglichkeit der Aufklärung steht eben nicht jeder Schulklasse in Duisburg in erreichbarer Nähe zur Verfügung.

16.01.2013
20:59
Duisburg sucht neue Standorte für Dokumentationszentrum
von AxelKrause | #2

Da kann ich Michael Rubinstein nur Recht geben.
Das gehört in die Hände von Historikern und nicht in Hände von Dilettantten.

8 Antworten
Duisburg sucht neue Standorte für Dokumentationszentrum
von LRick | #2-1

Sind Sie eigentlich in der Lage irgendeinen Kommentar ohne Beleidigung zu schreiben? Oder wollen Sie einfach nur demonstrieren, dass Ihnen jedwede Diskussionskultur abhanden gekommen ist?

Haben Sie eigentlich eine Ahnung ...
von AxelKrause | #2-2

... in welchen Händen sich die Unterlagen befinden?
Dilettanten.
Und wo war mein Kommentar beleidigend?
Und wo befinden Sie mich ohne Disskussionskultur?

Duisburg sucht neue Standorte für Dokumentationszentrum
von LRick | #2-3

Sie finden das Wort "Dilettanten" nicht beleidigend? Bemerkenswert!

von LRick | #2-3
von AxelKrause | #2-4

Nö. Nur realitätsbeschreibend.

Duisburg sucht neue Standorte für Dokumentationszentrum
von LRick | #2-5

Jeder blamiert sich so gut er kann...

"Das ganze NS-Dokumentationszentrum ist eine Farce"
von AxelKrause | #2-6

Jeder blamiert sich so gut er kann...

Genau, das meinte ich.

LRick | #2-1
von JanundPitt | #2-7

In dem Kommentar von #AxelKrause vermag ich keinerlei Beleidigung gegen wen auch immer zu erkennen. Äh, sind Sie einer der Dilletanten, die sich angesprochen fühlen? Ist wohl so, sonst würden Sie nicht so agressiv aus der Deckung kommen. Bingo!

Duisburg sucht neue Standorte für Dokumentationszentrum
von LRick | #2-8

@JanundPitt
Ich vergaß, jeder der nicht diffamierend unterwegs ist muss ein Feind sein.
Schönen Gruß an Ihre Paranoia.

16.01.2013
20:32
Duisburg sucht neue Standorte für Dokumentationszentrum
von tumlehs | #1

Rot-Rot-Grün wird arg strapaziert. Lassen wir uns überraschen, wann die Schmerzgrenze erreicht und der Bogen überspannt ist, z.B. bei den Grünen. Aber vielleicht lässt man mit sich alles machen, nur um an den Hebeln der Macht zu bleiben, und wenn es nur auf dem Papier ist.

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