Duisburg stellt Hochwasser-Notfallplan für Innenhafen vor

Hinter dem Schwanentor (unterer Bildrand) befindet sich das Landesarchiv und das LZPD: Trotz Notfallmaßnahmen der Stadt würden sie im Hochwasserfall bei Versagen des Mariensperrtores bis zu zwei Meter Höhe von Rheinwasser.
Hinter dem Schwanentor (unterer Bildrand) befindet sich das Landesarchiv und das LZPD: Trotz Notfallmaßnahmen der Stadt würden sie im Hochwasserfall bei Versagen des Mariensperrtores bis zu zwei Meter Höhe von Rheinwasser.
Foto: www.blossey.eu
Was wir bereits wissen
Die Stadt wird erstmals einen Hochwasser-Notfallplan für den Innenhafen vorstellen. Eines der Ergebnisse: Gebäude wie das Landesarchiv oder das der Landespolizei lassen sich überhaupt nicht schützen.

Duisburg.. Sollte das Mariensperrtor bei einem Rhein-Hochwasser versagen, hätte das dramatische Folgen: Der gesamte Innenhafen bis zur Küppersmühle würde überflutet, aber auch weite Teile der Innenstadt würden unter Wasser stehen. Selbst am Großmarkt würde man noch nasse Füße bekommen, hinter dem Rathaus würde der Altmarkt im Rheinwasser verschwinden und der U-Bahn-Tunnel durch die Rampe an der Schwanenstraße volllaufen.

Die Stadt hat jetzt erstmals einen Notfallplan vorgestellt, wie sie einem solchen Szenario begegnen will. Dazu hatte sie die Bezirksregierung bereits im Dezember 2012 aufgefordert. Hintergrund waren die Probleme am Marientor, das verstärkt werden musste und ab 2016 durch einen Dammbalkenschutz zusätzlich gesichert werden soll.

Gefahrenkarte zeigt was im Wasser versinkt

Welche Auswirkungen ein Versagen des Sperrtors hätte, haben Forscher der RWTH Aachen im Auftrag der Stadt simuliert. Auf Gefahrenkarten haben sie festgehalten, was trotz der Notfallmaßnahmen im Wasser versinkt (siehe Karte). Ergebnis: Vor allem die neu errichteten Gebäude des Landes, wie das Landesarchiv oder die Landeszentrale für Polizeiliche Dienste (LZPD) ließen sich nicht schützen. Der Promenadenbereich sei für Notdeiche nicht belastbar, erforderliche Maßnahmen würden mehrere Millionen Euro kosten. Auch mobile Hochwasserschutzwände seien „gemessen an der Wahrscheinlichkeit eines Notfalls nicht verhältnismäßig“. Die Folge: Die Landeseinrichtungen seien laut Stadt informiert, sie müssten dann selbst für ihren Schutz sorgen.

Dabei sind die Maßnahmen der Stadt in ihrem Notfallplan durchaus umfangreich: Eine zweite Deichlinie soll Schlimmeres verhindern. Dazu gehören Notdeiche aus Sandsäcken an der Unterführung hinter dem Schwanentor sowie an der Max-Peters-Straße, um das Hochwasser in Richtung Norden zu stoppen. Der Portsmouthdamm, der den hinteren Teil des Innenhafens schützt, müsste um 1,80 Meter mit einem Deich aus Schläuchen , Sand und Kies erhöht werden, um den U-Bahn-Tunnel soll ebenfalls ein Notdeich errichtet werden. Wie sich der Karte entnehmen lässt, würden diese Maßnahmen dennoch nicht verhindern, dass weite Teile der Altstadt bis zu mehr als zwei Metern unter Wasser stehen.

„Die oberste Priorität liegt auf dem technischen Hochwasserschutz. Die Maßnahmen am Marientor sollen dafür sorgen, dass es so weit erst gar nicht kommt“, sagt Umweltdezernent Ralf Krumpholz der NRZ. „Trotzdem ist es wichtig, , dass man weiterdenkt und auf alle möglichen Risiken vorbereitet ist.“ Die Karten zeigen einen Szenario bei einem Rheinpegel von rund 13 Metern. Laut Krumpholz sei das eine Hochwassermarke wie sie rechnerisch alle 500 Jahre vorkommt: „Aber wer kann das bei den Erfahrungen der Vergangenheit heute schon sicher abschätzen.“ Mit 13,04 Meter erreichte der Rheinpegel diese Marke das letzte Mal 1926: Die Altstadt soff ab, wie historische Bilder dokumentieren. In jüngerer Vergangenheit sorgte 1995 ein Pegel von 11,66 Metern für Überschwemmungen in Beeckerwerth und Ruhrort.

Kritisch wird es bereits ab einem Pegelstand von neun Metern

Sollte das Sperrtor versagen, wird der Innenhafen allerdings nicht erst bei einem Pegel von 13 Metern überschwemmt. Kritisch werde es ab einem Pegel von neun Metern, dann tritt das Wasser langsam über die Uferbereiche. Der Portsmouthdamm hält bis rund elf Meter Wasserhöhe stand. Deshalb liegt der Fokus trotz Einbau des Dammbalkenverschlusses als zweiter Sicherung auf einem Neubau des Marientors.

Hochwasserschutz „Wir erarbeiten derzeit die Grundlagen für eine Entscheidung“, sagt Krumpholz. Ob das Sperrtor neu gebaut wird oder Bereich fest verbaut und damit der Innenhafen vom Rhein abgeriegelt wird, ist offen. „Das ist nicht nur eine Frage der Sicherheit oder Wirtschaftlichkeit. Auch Gesichtspunkte der Stadtentwicklung spielen bei der Entscheidung eine Rolle“, so Krumpholz. Riegelt man den Innenhafen dauerhaft ab, wäre auch der Marina-Hafen und der Anleger für die Weiße Flotte Geschichte.