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Duisburg-Ruhrort schwankt zwischen Charme und Schimanski

23.02.2011 | 12:00 Uhr
Wasser auf fast allen Seiten verleiht Duisburg-Ruhrort den spezifischen Charme. Foto: Tanja Pickartz

Duisburg.   Ruhrort und Rhein, das gehört zusammen. Der Duisburger Hafenstadttei lebt am Rhein, lebt mit dem Rhein, lebt vom Rhein. Ein Konzern engagiert sich für "seinen" Stadtteil. Und dann war da noch der "Schmuddelkommissar"...

Sandsäcke sind noch vor einigen Türen gestapelt, als wir unseren Stadtteilbummel antreten, in Ruhrort kennt man sich aus mit den Launen von Vater Rhein. Hochwasser, Niedrigwasser, alles nichts Neues im Hafenstadtteil, alles kein Grund zur Aufregung. Bürgermeister Benno Lensdorf steuert mit mir auf direktem Weg den Hafenmund an, ein alter Kran hat’s ihm besonders angetan. 1897 gebaut und stark für vier Tonnen Last, soll er zügig restauriert werden, soll er Touristen Einblick erlauben in die Technik des Dampfzeitalters.

Vielleicht, so der CDU-Politiker und Geschäftsmann, wird sogar noch einmal Feuer unterm Kessel gemacht. Mit 70.000 Euro Kosten rechnet man bei der Fördergesellschaft „Maritimes Ruhrort“, die sich auch darum kümmert, ins Vergessen geratene Kunst im Stadtteil wieder ins Licht zu rücken.

Wir steuern die „Schifferbörse“ an, Traditionsrestaurant mit einem Ruf über Duisburg hinaus, aber seit Herbst ohne Betreiber. „Das ist die beste Lage“, schwärmt Lensdorf. Eine weitere gastronomische Nutzung sei unverzichtbar.

Ruhrort in 60 Sekunden
5277 Einwohner

Ruhrort gehört zum Stadtbezirk Homberg-Ruhrort-Baerl, dem einzigen rheinübergreifenden. Der durch Schimanskis Tatort-Ermittlungen deutschlandweit bekannte Hafenstadtteil hat nach amtlichen Angaben 5277 Einwohner, davon sind 2481 weiblichen und 2796 männlichen Geschlechts.

Gegründet wurde der Ort am Zusammenfluss von Rhein und Ruhr im 14. Jahrhundert. 1701 kam Ruhrort zu Preußen, mit der beginnenden Industrialisierung wurde der Hafen innerhalb weniger Jahrzehnte ausgebaut zum wichtigsten Umschlagplatz der Ruhr-Industrie. 1905 wurden Duisburg, Meiderich und Ruhrort vereinigt, ebenso die jeweiligen Häfen.

Ein paar Stufen tiefer liegt die „Oskar Huber“ fest vertäut, ein prächtiger Raddampfer, der einen Besuch lohnt. Der aktive „Amtsnachfolger “ liegt daneben, ein PS-Protz von Schubboot in Diensten der Imperial-Reederei, die in Sichtweite ihren Hauptsitz hat. Ein Schiff weiter wird das Deck geschrubbt, Schiffer legen Wert auf Sauberkeit.

Zumal unter den Augen der vielen Mitarbeiter unterschiedlichster Firmen rund um die Binnenschifffahrt, die unter anderem die Dammstraße prägen.

Zeitgemäße Caféteria fehlt

Wir gehen weiter zum Neumarkt, der Lensdorf noch nicht so ganz gefällt: „Der Markt ist sehr schön, aber es gibt nichts, weshalb man sich dort aufhalten sollte.“ Haniel, der Weltkonzern mit Ruhrorter Wurzeln, habe den Bunker streichen lassen und auch einen modernen glas-betonten Neubau am Neumarkt gebaut. Jetzt fehle eine zeitgemäße Cafeteria, die den arg angejahrten Marktkiosk ersetzen soll, und einige Bänke. Und das eigentliche Marktgeschehen lasse zu wünschen übrig. 4000 Pendler kommen laut Lensdorf täglich nach Ruhrort, auf deren Bedarf müsse der Markt stärker eingehen.

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Einen reizvollen Gegensatz von Neu und Alt bietet die Gastronomie am Markt, mit der Uralt-Kneipe „Zum Itze“ auf der einen Seite, mit dem „Café Kaldi “ auf der anderen. Letzteres ist innerhalb kürzester Zeit zum Treffpunkt für Ruhrorter, Ruhrortbesucher und Künstler geworden.

Reichlich leere Läden

Lebensmittelgeschäft, Apotheke, Parfümerie bilden unter anderem die Geschäftsszene des Hafenstadtteils, leere Läden gibt’s reichlich abseits des Marktes, kein schöner Anblick, aber auch eine Chance für weitere Entwicklungen, etwa durch die Künstler, die Ruhrort in letzter Zeit für sich entdeckt haben. „Die Einzelhandelssituation ist nach wie vor nicht zufriedenstellend“, sagt Lensdorf.

Duisburgs Stadtteile III

Duisburgs Stadtteile IV

Wir gehen weiter zur Fabrikstraße mit ihren für Ruhrort so typischen zweistöckigen Häusern, eine weitgehend intakte Straße, aber es gibt auch andere. Leerstand, vergammelte Fassaden, blinde Schaufenster verunzieren einen Stadtteil, dem manche mindestens den gleichen Charme attestieren wie dem Touristen-Liebling Kaiserswerth im nahen Düsseldorfs. „Die Hausbesitzer sind oft weit weg“, rügt Lensdorf: „Es müsste sich hier viel mehr entwickeln, aber manches ist schon sehr zähflüssig.“ Sein Appell: Mehr Bürger sollten sich mehr für ihre Stadt engagieren.

Vorbildliches Engagement von Haniel

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Kommissar Horst Schimanski Haniel wiederum könnte ein Vorbild sein für das Engagement von Unternehmen. Die Hauptverwaltung bildet mitten in Ruhrort einen allseits gepflegten Campus, die Verantwortung geht weit darüber hinaus. Eine alte Villa in der Nachbarschaft wird derzeit saniert, ein früheres Gemeindehaus ist erst unlängst zum Domizil der Haniel-IT-Spezialisten geworden, und ein Neubau für die Kunst im Konzern ist fest geplant – natürlich in Ruhrort .

Duisburgs Stadtteile I
Duisburgs Stadtteile II
Bilder aus 114 Jahren Stadtgeschichte in...

Und dann war da noch ein gewisser Götz George, der im Jahr 1981 als raubeiniger "Duisburg-Ruhrort" auf die Tatort-Deutschlandkarte hievte. Gefallen hat's nicht jedem. Aber Ruhrort wurde von Flensburg bis Garmisch bekannt.

 

Willi Mohrs



Kommentare
04.06.2011
11:38
Duisburg-Ruhrort schwankt zwischen Charme und Schimanski
von Kodiak | #12

Duisburg, gerade auch Ruhrort, hat Schimanski viel zu verdanken. Er hat mehr für das Image unserer Stadt getan, als die meisten Kommunalpolitiker!

26.03.2011
11:18
Duisburg-Ruhrort schwankt zwischen Charme und Schimanski
von maxmaxmax | #11

welchen charmemeint der autor ? den charme der besoffenen asis am friedrichplatz? der charme der leerstehenden ladenlokale oder der verwahrlosten leeren häuser? den charm der oft hartz4-empfangenden einwohner ? hab ich was verpasst?

ruhrort ist total asi ...

17.03.2011
20:33
Duisburg-Ruhrort schwankt zwischen Charme und Schimanski
von Rheinschiene | #10

@ruhrorter: Ich gehöre ebenfalls zu den Erwerbstätigen, die in Ruhrort wohnen. Auch ich habe kein Problem einen Parkplatz in Ruhrort zu finden, da die vom User ewigermahner aufgezeigten Arbeitszeiten auch für mich gelten (und wenn ich keinen finde, dann habe ich halt Pech und muss an anderer Stelle parken und bis zur Wohnung gehen). Wenn Sie der Meinung sind als Anwohner ein Recht auf einen höchstpersönlichen Parkplatz zu haben, hätten Sie bei der Auswahl Ihrer Wohnung die hiesige Parkplatzsituation in Augenschein nehmen können und ggf. durch die Anmietung einer Garage entgegen wirken können. Steht eine solche Möglichkeit nicht zur Verfügung ist der gewünschte Wohnort zu überdenken. Schön, dass Ihre Frau berufstätig ist und Ihre Nachbarin drei Kinder hat. Allerdings begründen solche Tatsachen (neben Krankheit und Alter) kein Sonderrecht auf einen Parkplatz. Des Weiteren darf ich auf den ÖPNV als Alternative aufmerksam machen. Die Taktfrequenzen und Verbindungen sind i.d.R. ausreichend.

17.03.2011
18:06
Duisburg-Ruhrort schwankt zwischen Charme und Schimanski
von ruhrorter | #9

@ewigermahner
Wenn Sie meinen Kommentar richtig gelesen hätten währe ihnen aufgefallen, dass die Aussage über die Schaffung der Arbeitsplätze von der Stadt Duisburg kam. Das Benno Lensdorf mehr an einem Auftritt im TV interessiert ist als an tatkräftigem Handeln ist bekannt. Wenn normale Ruhrorter zwischen 7 und 17 Uhr arbeiten bedaure ich sie wegen einer 7-Tagewoche und 365 Arbeitstagen im Jahr. Meine Frau arbeitet z.B. von 05:30- 13:30 Uhr, die Nachbarin hat drei Kinder und ist auf Auto angewiesen. Andere sind krank und müssen Arzttermine wahrnehmen. Sind das ihrer Meinung nach also keine echten Ruhrorter? Ich bin schon ein wenig überrascht hinsichtlich eines solchen Kommentars.

17.03.2011
14:35
Duisburg-Ruhrort schwankt zwischen Charme und Schimanski
von kasimirv | #8

Ruhrort schwankt - danach hätte der Satz eigentlich schon beendet sein können :-D
Inzwischen gibt es ja gar nicht mehr so viele Kneipen in Ruhrort. Den Itze gibt es zum Glück noch und einige andere nette Kneipen und ein schönes neues Cafe ist ja auch dazu gekommen. Ich lebe sehr gern in Ruhrort.

17.03.2011
08:34
Duisburg-Ruhrort schwankt zwischen Charme und Schimanski
von ewigermahner | #7

im übrigen sind normale ruhrorter zwischen 7.00 und 17.00 auf der arbeit und nicht auf parkplatzsuche in ruhrort.

17.03.2011
08:30
Duisburg-Ruhrort schwankt zwischen Charme und Schimanski
von ewigermahner | #6

#5 ruhrorter
seit wann setzt sich denn gerade dieser lokalpolitiker für die immer weniger werdenden gewerbetreibenden in ruhrort ein ?
allgemeinbekannter weise setzt er sich doch gerade in ft. lauderdale auf steuerzahlers kosten für ne gesunde urlaubsbräune ein. im übrigen steht es ihnen frei ihren skoda im parkhaus zu entsorgen um so mehr parkraum für die luxusautos der lokalen lokalpolitiker zu schaffen.

16.03.2011
17:28
Duisburg-Ruhrort schwankt zwischen Charme und Schimanski
von ruhrorter | #5

Das ist wieder typisch für einen Lokalpolitiker wie Benno Lensdorf. Engagiert man sich als Bürger ist das nur solange gewollt wie es nicht gegen Haniel oder die Gewerbetreibenden in Ruhrort geht. 5277 Einwohner und 4000 Pendler! Versuchen Sie mal als Anwohner einen Parkplatz, in der Zeit von 07:00 -17:00 Uhr zu bekommen. Ein teuer gebautes Parkhaus wird kaum genutzt, Versprechen von Benno Lensdorf nicht gehalten und von der Stadt Duisburg bekommt man gesagt: Die Schaffung neuer Arbeitsplätze ist wichtiger als die Belange der Anwohner! Wenn man genau drauf achtet, und dazu noch einmal die Einleitung zu diesem Artikel dazu nimmt, fällt ein sehr wahrer Satz auf:
Ein Konzern engagiert sich für seinen Stadtteil. Wir Anwohner werden eh nicht gefragt!!!!

15.03.2011
09:05
Duisburg-Ruhrort schwankt zwischen Charme und Schimanski
von ewigermahner | #4

da darf man für den duisburger süden nur hoffen, dass der tüchtige bürgermeister lenzdorf den ruhrortern lange erhalten bleibt und die sehenswerte arbeit im stadteil fortsetzt...

24.02.2011
18:13
Duisburg-Ruhrort schwankt zwischen Charme und Schimanski
von aufdersuche69 | #3

Ein Ruhrorter sagt bestimmt nicht, wenn er in die Duisburger Innenstadt fährt, ich fahre in die Stadt. Er wird immer sagen: Ich fahre nach Duisburg. Und mit den Häfen ist das auch so eine Sache. Alle reden vom Hafen in Ruhrort, obwohl die überwiegende Zahl der Hafenbecken in Meiderich liegt.

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