Duisburg-Rahm - Immer am Bach entlang
19.06.2011 | 19:03 Uhr 2011-06-19T19:03:00+0200
Duisburg-Rahm.Wer Rahm verstehen will, muss in die Historie abtauchen. Und genau das macht Günter Both mir mir als erstes.
Eine Landkarte von 1721 breitet er auf dem Kofferraum seines Wagens aus, im Mittelpunkt: Rahm. Oder genauer: der Rahmer Bach. Der mäanderte schon damals eher gemächlich dem Angerbach entgegen, und an ihm reihte sich Anwesen an Anwesen. Grundsätzlich geändert hat sich daran seither nichts. „Es ist ein Bachdorf“, sagt Both, „das gibt’s sonst nirgends.“
In den 20er Jahren war die Not groß
Unsere Rahm-Erkundung beginnt mit einem Idyll: dem schattigen Plätzchen zwischen Zwiebelturm-Kirche St. Hubert, blumengezierten Pfarrhaus und – natürlich – Rahmer Bach. Wieso der Kirchturm so süddeutsch ausfiel, kann Both schnell erklären. In den 20er Jahren bauten die Rahmer ihr Kirchlein, die Not war groß, das Geld knapp. So wurde das Kirchenmobiliar gebraucht gekauft am Niederrhein – und weil das Schnäppchen barock war, wurde die Kirche einfach angepasst.
Eine Brücke führt über den Bach zum einzige Geschäft am Ort, einem Lebensmittelhändler, bei dem stetes Kommen und Gehen ist. Gegenüber ein altes Wegekreuz unter der prächtigen Dorflinde, die der Bürgerverein spendiert hat. Ums alte Bienenhäuschen kümmern sich Pfadfinder. „Wir versuchen, den dörflichen Charakter zu erhalten“, sagt Both: „Wir haben grüne Straßenränder, bucklige Hecken, Obstwiesen – und den Bach eben.“
"Frohnleichnam muss immer alles ordentlich sein"
Der ist nur stellenweise zusehen im dichten Grün, das beiderseits wächst, dazwischen große Pappeln, wie sie noch nach dem Krieg für die Holzschuhherstellung genutzt wurden, und vor allem Obstbäume. Alte Sorten werden in Rahm noch gepflegt, pflücken ist erlaubt, Naturschützer machen zur Ernte Apfelsaft.
Die nächsten Tage werden die Rahmer zur Heckenschere greifen, „Fronleichnam muss immer alles ordentlich sein“, sagt Both auf unserem Gang am Bach entlang, an sauberen, gepflegten ein-, maximal zweigeschossigen Wohnhäusern vorbei. Wenige ältere Häuser gibt’s zu sehen, an einigen macht ein Bauschild auf anstehende Erneuerung aufmerksam und wirbt für modernes Wohnen – am Bach natürlich. „Die Rahmer haben immer fröhlich umgebaut, erläutert mein Stadtteil-Experte die vorwiegend modern wirkende Bebauung. Und sie haben sich gewehrt, als vor Jahrzehnten Stadtplaner an den Bach und seine Grünzone mitten im Dorf „ordnend“ Hand anlegen wollten.
Reges Vereinsleben
Zwei Gaststätten hat Rahm noch und ein sehr reges Vereinsleben. Der Bürgerverein, der Sportverein und ein Schützenverein, der in diesem Jahr 50 Jahre alt wird. Wenn das kein Grund zum Feiern ist.
Wir überqueren die Angermunder Straße, gehen vorbei an der Schule in eine Stichstraße, gesäumt von strahlend weißen Neubauten. Weißer Kies oder Rindenmulch in den Vorgärten – und ohne die Nähe zum Rahmer Bach. Neubauten entstehen auch an der Angermunder Straße, Rahm ist begehrt.
Rahm gehört zum Stadtbezirk Süd und hat nach Angaben der städtischen Statistiker 6001 Einwohner. davon sind 2876 männlichen und 3125 männlichen Geschlechts. Der Ausländeranteil liegt bei 3,8 Prozent.
Als Alt-Rahm wird der historische Ortskern bezeichnet, Rahm-West entstand in den letzten Jahrzehnten. Die Autoren des lesenswerten Buches „Rahm – Dorfgeschichte, Dorfgeschichten“ gehen davon aus, dass es auf Rahmer Gebiet schon vor 700 Jahren Bauernhöfe gegeben hat. Alte Fotos zeigen riedgedeckte Kotten noch in jüngerer Zeit. Das Testament einer Alheidis Aldenkrycke erwähnte schon 1494 „Rame“.
Both zeigt mir den letzten Bauernhof Rahms, bei dem sich jetzt aber alles um Pferde dreht, dann sind wir am Grünen Weg, wo noch eine Überraschung auf mich wartet – eigentlich sogar mehrere. Und zwar auf dem Betriebsgelände von Günter Both, der früher als Gartenarchitekt tätig war. Einen Bauerngarten zeigt er mir, säuberlich von Hecken gegliedert, üppig bewachsen mit Zier- und Nutzpflanzen. Wobei auch zierende Blumen nützlich sein können, erklärt mir der Fachmann und weist auf die fast mannshohen und bunt blühenden Königskerzen, die bei Erkrankungen der Bronchien helfen können. Ein Schritt weiter Kartoffeln, zwei Schritte weiter ein Kunstwerk, Both ist vielseitig.
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Historisches Ackergerät findet sich auf dem ganzen Gelände – und dann der Höhepunkt: Ein Hallentor wird aufgeschoben und der Blick wird frei auf Traktor-Schätzchen der Vergangenheit: Lanz, Hanomag, Deutz, Porsche, Allgaier, Eicher und Holder, was einmal Rang, Namen und PS hatte auf Deutschlands Äckern findet sich im Fundus des Rahmer Traktor-Clubs, und mit den Heuwendern und Kartoffelerntern ringsum genug für ein kleines Museum.

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