Duisburg ist die Stadt der Massenpanik
27.07.2010 | 19:40 Uhr 2010-07-27T19:40:00+0200
Duisburg.Nach der Katastrophe bei der Loveparade sind die Duisburger Bürger bestürzt und traurig. Sie empfinden Mitleid mit den Opfern und wollen ihre Anteilnahme zeigen. Aber sie machen sich auch Sorgen um die Zukunft ihrer Stadt.
Am Hauptbahnhof hängt ein Plakat. Die Aufschrift lautet: „Wir sind zutiefst erschüttert. Wir trauern mit den Angehörigen und unsere Gedanken sind bei denjenigen, die derzeit medizinisch versorgt werden. Seit dem 24. Juli ist nichts mehr, wie es war. Das Team der Loveparade.“
Es ist nichts mehr, wie es war. Dieser Eindruck drängt sich einem beim Blick auf die Innenstadt nicht auf. Alles wirkt ganz normal. Die Einsatzfahrzeuge von Polizei und Feuerwehr sind in ihre Heimatstädte zurückgekehrt. Die A 59 ist wieder freigegeben. Die milden Temperaturen locken viele Bürger nach draußen. Sie sitzen auf dem Rand eines Brunnens oder bummeln durch die Geschäfte. Spricht man die Menschen jedoch auf das Unglück an, zeigen sie sich von einer anderen Seite.
„Ein Absturz von einem hohen Berg“
„Ich bin sprachlos und unendlich traurig, dass junge Menschen bei einer Feier zu Tode gekommen sind. Die Vorstellung, dass tausende Menschen panische Angst hatten, hat mir die Kehle zugeschnürt“, beschreibt Pfarrer Stephan Blank von der Evangelischen Kirchengemeinde Alt-Duisburg seine Gefühle. „Ich bin in Duisburg aufgewachsen. In meiner Kindheit hatte ich ein depressives Verhältnis zu meiner Stadt. Das hat sich mit der Zeit geändert. Heute bin ich stolz auf Duisburg. Die Katastrophe aber ist wie ein Absturz von einem hohen Berg.“
Als Anwohner trifft ihn das Unglück besonders. „Das ist in meiner Stadt passiert, die ich von klein auf liebe. Meine Stadt ist eine Stadt des Todes geworden“, erklärt der Seelsorger in der Salvatorkirche, wo am Samstag die Trauerfeier für die Opfer der Loveparade stattfinden wird.
„Diese Schuhe waren für Duisburg zu groß“
So wie Pfarrer Blank ergeht es vielen Duisburgern. „Wir sind als Familie sehr bestürzt“, erklärt Petra Kluth-Hoffmann. Die 42-Jährige macht sich große Sorgen um ihre Stadt: „Das ist ein großer Rückschlag für das Selbstbewusstsein der Menschen hier.“ Zur Loveparade hat sie eine klare Meinung: „Diese Schuhe waren für Duisburg einfach zu groß.“ Nun würde sich die Duisburgerin wünschen, dass Oberbürgermeister Adolf Sauerland die Verantwortung trägt und zurücktritt.
Die Themen Verantwortung und Aufarbeitung sind zwar in aller Munde, die Duisburger sind sich aber nicht einig darüber, was das beste Vorgehen wäre. Einige fordern den Rücktritt des Oberbürgermeisters. Andere wie Birgit Appel möchten, dass Adolf Sauerland gerade nicht zurücktritt, sondern die Verantwortung für das Geschehene übernimmt, indem er den Unglücksfall rückhaltlos aufklärt und die Bürger ausreichend informiert. „Das Rücktrittsgeschrei ist emotional“, meint die Krankenhausangestellte.
„Ich bin sauer auf die Stadt“
Jeder Duisburger scheint auf seine eigene Art und Weise den Opfern und ihren Angehörigen sein Beileid ausdrücken zu wollen. Viele zünden Kerzen an der Unglücksstelle an oder nehmen an der Mahnwache an der Karl-Lehr-Straße teil. Andere wie Johannes Araya sind ins Rathaus gekommen, um ihre Anteilnahme im Kondolenzbuch der Stadt niederzuschreiben. „Ich bin sauer auf die Stadt, denen ging es doch nur um den Gewinn“, macht er seinem Ärger Luft.
Einige machen sich auch Gedanken darüber, wie ihre Stadt nun anderswo wahrgenommen wird. „Das merke ich bei meinen Verwandten im Osten. Duisburg hatte vorher schon einen schlechten Ruf aber jetzt ist es noch schlimmer“, erzählt Simone Düssel, die nicht aus Düsseldorf, sondern aus Sachsen stammt. Und natürlich haben viele Duisburger eigene Erinnerungen an die Loveparade. „Ich habe meine Tochter stundenlang gesucht. Ich konnte sie nicht auf dem Handy erreichen, weil das Mobilnetz zusammengebrochen ist. Erst gegen 23 Uhr habe ich von meinem Sohn erfahren, dass es ihr gut geht. Das waren schlimme Stunden“, erzählt Dirk Wietrzykowski.
Die Party ist zu Ende, die Menschenmassen sind abgereist. 20 Tote und viele unbeantwortete Fragen sind die traurige Bilanz, mit der die Duisburger Bürger nun leben müssen.
Das wird nicht leicht.

19:48
Ach, fast hätte ichs vergessen: Soviel ich weiß, versichert sich die ÖFFENTLICHE HAND nicht gegen Risiken. Diese werden dann als Einzelfall direkt mit den Betroffenen geregelt (So sind z.B. alle städischen Autos ( aber auch bei der Bundeswehr, Polizei, etc.) NICHT versichert. Das würde bedeuten, dass Duisburg nicht nur pleite ist, sondern - tja, da gibt es wohl keinen Ausdruck für. Wenn man jedenfalls für die Angehörigen der Opfer sorgen will, denke ich mal kommt man mit 10 Millionen EURO pro Opfer NICHT AUS (Versorgung der Hinterbliebenen, Traumabehandlung über Jahre und Jahrzehnte, Übernahme der Kosten für Krankenhäuser, Ärzte, Untersuchungen, Gutachten, Rechtsanwälte, Gerichtskosten etc.). Ich schätze mal, da kommt mindestens 1 Milliarde EURO pro Jahr auf Duisburg zu und zwar für die nächsten 40 - 50 Jahre.
19:34
Haben wir eigentlich irgendwas aus der Finanzkrise gelernt? Es ist eigentlich immer dasselbe: Hohes Risiko bringt entweder großen Gewinn (Ruhm, Ehre etc.) oder große Verluste (Gesichtsverlust, Schande etc.). Können wir eigentlich von Einzelereignissen abstrahieren - es ist doch überall sichtbar, wo Risiken eingegangen werden: nicht nur bei Finanzkrise, Ölbohrungen, Großveranstaltungen sondern auch beim Abbau von Arbeitnehmern, die seit mehr als 15 Jahren durch den Fleischwolf gedreht werden, bei der Krankenversicherung, bei der Rentenversicherung, bei der Pflegeversicherung. Es handelt sich jeweils um riesige mittel- bis langfristige Projekte, die Millionen von Opfern (Hartz IV etc.) fordern, weil einige wenige Risiken eingehen, die andere dann tragen MÜSSEN!
Abgesehen davon: jede Hausfrau, jedes Milchmädchen kann besser rechnen als die Wirtschaftsminister (Nicht mehr ausgeben, als man einnimmt) und jeder Landwirt weiß, wie er seine Viehherde so in den Stall treibt, dass sie sich nicht gegenseitig verletzen... Der gesunde Menschverstand bleibt auf der Strecke, wenn sich die Experten und Profis die Klinke in die Hand geben.
Für mich als Duisburger ist es völlig unverständlich, wie man diese Streckenführung machen konnte. Der reinste Wahnsinn. Hinzu kommt, das beide Tunnel (es scheinen ja doch Tunnel zu sein und keine Brücken) tag-täglich vom normalen Straßenverkehr befahren werden und (da kürzer als 300 - 500 m) NICHT belüftet zu werden brauchen. Trotzdem sind und bleiben im Tunnel Abgase bestehen (vielleicht sitzen sie auch an den Wänden und Decken, am Boden), die das Atmen nicht gerade erleichtern. So ist beispielsweise der Koloniestraßentunnel (der durchgehende mindestens 300m lange Tunnel direkt südlich des Hauptbahnhofs) seit mindestens 20 Jahren als Durchgang für Fußgänger gesperrt, wegen der Abgase (vermutlich wohl hauptsächlich CO (Kohlenmonoxyd), das sich ja am Boden sammelt. Der Karl-Lehr-Tunnel ist (insgesamt auch nicht kürzer) und wird nur durch die Ladestraße(n) durchbrochen, wo es zu den Opfern kam, und die Luft ist vielleicht etwas besser dort. Aber ich habe früher als Radfahrer da immer die Luft angehalten und bin so weit wie möglich und so schnell wie möglich reingefahren, um schnell wieder aus dem Tunnel raus zu kommen.
Mich ärgert vor allem, das es diese Großveranstaltungen immer als Komplettpaket gibt (wahlweise dann eventuell MIT Opfern, MIT Trauerfeiern, MIT Ankündigen von Hilfen, MIT Alleinelassen der Opfer, MIT Kampf um Entschädigung etc.), was sich dann mal eben über 10 Jahre oder mehr hinzieht (siehe der CONCORD-Absturz-Prozess, der wohl – nach über 10 Jahren – gerade erst BEGINNT).
Aber das Leben geht halt weiter, oder schaltet etwa „Der Westen“ die Werbebanner mal für ein paar Tage ab, oder verzichtet das Fernsehen auf nervige Werbung. NEIN – im Gegenteil: Gerade dann können die Medien – zwischen den Berichten über Katastrophen – besonders viel Geld mit Werbung verdienen, weil ja Millionen zuschauen...
17:14
Für die nächsten 100 Jahre ist Duisburg verbrannt.
Alles was sich in den letzten Jahren wirklich zum Guten entwickelt hat,ist mit einem Tag rückgängig gemacht worden.
Welcher Veranstalter,welcher Investor wird denn in Zukunft noch nach Duisburg kommen?Keiner.
Und genau deshalb muß Herr Sauerland die politische Verantwortung tragen und gehen.Jetzt!
Auch wenn er erst im Oktober pensionsberechtigt ist!
13:38
Sauerland wartet bis Oktober, dann bekommt er volle Rentenbezüge und tritt dann erst zurück. Es ging und geht hier schliesslich NUR um Geld.
PS: Wenn ich ihn mal treffe, dann aber richtig.
13:09
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11:51
Hätte Sauerland die LP abgesagt würden genau die selben Leute die auf ihn draufhauen wie sie es jetzt tun.
dann hätte es geheißen er würde kneifen.
also was der OB tun.
egal was er tat oder tut
es war aus sicht seiner gegner immer verkehrt.
und diese mediale hetzjagd kommt seinen gegnern gerade recht
und wer sich mal anderwertig informiert:
in dortmund und essen war es teilweise auch ganz schön knapp an einer solchen katastrophe vorbei.
auf der cranger kirmes hatte man die letzten jahre auch verdammt viel glück.
und ich höre gerade im radioin pakistan ist eine arbus mit 150 personen an bord abgestürtzt.
wo ist hier die bericht erstattungschuldzuweisung?????
folgt diese noch oder bleibt es bei einer randnotiz?????(Ohne das ich die Opfer der LP jetzt schönreden will.)
wenn z.b.in der vollbesetzten kölnarena was passiert???
soviele große tore gibt es nicht um geordnetes rückziehen möglich ist.
09:06
Aus einer solchen Situation kann man auch gestärkt hervorgehen. Indem man daraus lernt und vor allem einen Neuanfang wagt.
Für diesen Neuanfang muss zwingend der Oberbürgermeister Sauerland zurücktreten, denn er ist aktuell Duisburgs Gesicht in der Welt. Dazu muss auch die Verwaltungsspitze ausgetauscht werden - was da auf diversen Pressekonferenzen zu sehen war, ist doch keine Spitze.
Und dann besinnt Ihr Euch auf das, was bei Euch besonders herausragend ist und versucht bitte nicht, so zu sein wie andere Städte in Bayern oder Baden-Württemberg.
Vielleicht sollte Duisburg sogar das derzeitige Schmuddelimage vermarkten - Mafia, Hells Angels, Loveparade. Hat was vom früheren Chicago (übrigens nicht bös gemeint).
Bleibt einfach wie Ihr seid, Ihr Duisburger - wir mögen Euch auch so.
Gruss aus dem Schwäbischen ...
07:34
Liebe Duisburger/innen,
ich schreibe von des Pottes, aus Dortmund.
Keiner macht den Bürger/innen der Stadt Duisburg einen Vorwurf.
Duisburg wird auch weiterhin eine Stadt des Pottes sein.
Jede Stadt des Pottes hat seinen eigenen Charme, so auch Duisburg.
Und das wird auch so bleiben.
Schön wäre es jedoch, wenn es die Duisburger/innen schaffen würden, das
* ein neuer Oberbürgermeister gewählt wird
* das ein neuer Rat der Stadt gewählt wird
* das die Verantwortlichen in der Stadtverwaltung ihren Posten räumen müssen.
Und wenn Ihr jede Woche für diese Sachen demonstriert.
Aber das wäre ein Zeichen.
Ferner sollte es ein großes, schönes Denkmal für die Toten geben (auch wenn die Stadt Duisburg kein Geld hat).
Ich werde auf jeden Fall Duisburg weiterhin besuchen und Ihr Duisburger/innen seit für mich weiterhin meine Pott-Nachbarn.
07:25
Sauerland hat versucht, sich sein Denkmal zu setzen - koste es was es wolle, Rabe und Mahlberg waren dabei seine Erfüllungsgehilfen. Alle Beteiligten der Planung der Loveparade, die zu dieser tragischen Katastrophe führte, sollten UMGEHEND zurücktreten. Jeder Tag, den diese Stümper im Amt bleiben, verstärkt das negative Image Duisburgs weiter. Duisburg wird noch Jahre, vielleicht Jahrzehnte an der Unfähigkeit Sauerlands zu knabbern haben.
01:35
Er weigert sich zumindest die politische Verantwortung auf sich zu nehmen.
Er hat noch am gleichen Tag die Toten verhöhnt.
Er hat nachweislich Unkenntnis geheuchelt.
Er kann sich nicht mehr unter die Augen der Bürger der Stadt wagen.
Warum nennt ihr ihn noch immer Oberbürgermeister?