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Duisburg-Hochfeld „ist nicht zu retten“ – Bürger-Kritik an Behörden

24.09.2012 | 13:37 Uhr
Duisburg-Hochfeld „ist nicht zu retten“ – Bürger-Kritik an Behörden
Viele Anwohner in Duisburg-Hochfeld haben resigniert. Michael Willhardt engagiert sich im Klüngelclub und im Verein Zukunftsstadtteil für das Viertel. Selbst er kommt zum Schluss: "Hochfeld ist nicht zu retten." Foto: Lars Fröhlich

Duisburg.   Dr. Michael Willhardt engagiert sich im Klüngelclub und im Verein Zukunftsstadtteil in und für Hochfeld. An ein gutes Ende für das Problemviertel, in dem tausende Einwanderer aus Rumänien und Bulgarien leben, glaubt er nicht mehr. Angeblich wollen noch 6000 Armutsflüchtlinge nach Duisburg.

Sie waren mal angetreten, den problematischen Stadtteil Hochfeld zumindest zu stabilisieren, sich selbst gegenseitig zu unterstützen und sich zu engagieren für ein lebenswertes Quartier. „Das glaub ich jetzt nicht mehr“, sagt Dr. Michael Willhardt, der sich im Hochfelder Klüngelclub und im Verein Zukunftsstadtteil engagiert.

Im Juli 2011 hatte der Verein einen Brandbrief an die Stadt geschickt : „Das Maß ist voll“ lautete damals die zentrale Botschaft, begleitet von einem leidenschaftlichen Hilferuf der Hochfelder für ihren Stadtteil. Denn die hatten schon längst schmerzhaft erfahren müssen, dass die Welle der Armutseinwanderer in dem eh schon mit großen Problemen belasteten Stadtteil immer unerträglicher wurde. Dem Brandbrief folgte eine öffentliche Diskussion in der Pauluskirche , die offenbarte: Die Hochfelder fühlen sich allein gelassen. Von allen.

Nicht nur Hochfeld, sondern Stadtteile im gesamten Ruhrgebiet

Daran hat sich auch nach mehr als einem Jahr nicht geändert. Im Gegenteil, die Stimmung hat sich massiv weiter verschlechtert. Eine Mischung aus Galgenhumor, Widerstand, aber auch Verbitterung und Resignation wabert über den Tisch, wenn man mit Michael Willhardt über die Situation im Stadtteil spricht, der unter dem massiven Zuzug von Sinti und Roma aus Rumänien und Bulgarien leidet . Der Sarkasmus tropft aus seinen Worten, wenn er, angesprochen auf das seit einem Jahr existierende Handlungskonzept der Stadt sagt: „Jetzt hat die Integrationsbeauftragte als Koordinatorin erst einmal ein paar Arbeitsgruppen eingerichtet.“ Geldspender auftreiben für Hochfeld? Skepsis ist da stark untertrieben, wenn man die Miene von Willhardt, dem zugezogenen Hochfelder, ja sogar zugezogenen Duisburger beobachtet. Klarer Fall von: Das ist nix. Denn „es wird nichts passieren.“

„Was sollen wir mit diesen Menschen machen?“ Dr. Michael Willhardt engagiert sich im Hochfelder Klüngelclub und im Verein Zukunftsstadtteil – und glaubt nicht mehr an eine gute Zukunft von Hochfeld. Foto: Stefan Endell

„Hochfeld ist nicht zu retten“, sagt Willhardt, um dann ein wenig provokant hinzuzufügen: „Es ist nur die Frage, wie lange es dauert, bis Hochfeld ein rechtsfreier Raum ist.“ Und dabei meint er gar nicht nur Hochfeld, sondern auch viele andere Stadtteile, nicht nur in Duisburg, sondern im gesamten Ruhrgebiet.

Warum schaltet sich der Fiskus nicht ein?

Im Stadtteil, so Willhardt, sei es zurzeit „ruhig“, weil alle Löcher gestopft seien, keine neuen Zuwanderer mehr „reinpassen“. Er glaubt dem Gerücht, das durch Hochfeld wabert: „Ein Clanchef soll gesagt haben, es warten noch 6000“. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis noch mehr Immobilien verfielen und als neue Heimat der Armutseinwanderer gutes Geld für skrupellose Vermieter bringen. Die Polizei, so Willhardt, sei zur Zeit sehr kooperativ . Aber warum der Fiskus sich nicht einschaltet, bei Schwarzgeld kassierenden Vermietern, bei „Arbeitgebern“, die sich auf dem Schwarzarbeiter-Strich am Dreieck Siechenhausstraße / Heerstraße bedienen, das macht ihn sauer.

Dabei ist für ihn als gelernten Soziologen nicht die Armut das eigentliche Problem. „Wir haben ein Bildungsproblem in Hochfeld .“ Um dann wieder provokant festzustellen: „Mir ist doch egal, in welcher Sprache einer keinen Schulabschluss hat.“ Gerade, weil die Analphabetenrate bei den Zugewanderten so hoch ist, fragt sich Willhardt: „Was sollen wir mit diesen Menschen machen?“ Dabei hat er vor allem die jungen Männer ohne Perspektive im Auge: „Wenn die nichts zu tun haben, machen die Unsinn. Das gibt Ärger.“

Das Handlungskonzept? „Eine Frechheit.“

Angst, sagt Willhardt, „Angst hab ich jetzt nicht. Angst hab ich vor dem, was in ein paar Jahren kommt.“ Und dann regt er sich auf. Zum Beispiel darüber, dass die Bundesregierung keine Probleme bei der Zuwanderung aus Südosteuropa sieht: „Die haben doch keine Ahnung.“ Und auch die Stadt bekommt ihr Fett weg: „Der Haushalt ist für die Stadt doch die Entschuldigung par exzellent.“ Und das Handlungskonzept für Hochfeld? „Das ist eine Frechheit. Es ist eine Ist-Analyse plus Maßnahmen, die man nicht machen kann, weil kein Geld da ist.“

Svenja Aufderheide



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