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Brandschutzmängel

Duisburg hat mit der Mercatorhalle einen neuen Bauskandal

23.08.2012 | 04:00 Uhr
Gelobt wegen seiner Akustik und Veranstaltungstechnik: der Konzertsaal. Vorerst wird es keine Konzerte und Veranstaltungen dort geben.Foto: Andreas Mangen

Duisburg.  Nach dem Bekanntwerden der eklatanten Brandschutzmängel in der Mercatorhalle wird selbst im Duisburger Rathaus von systematischem „Pfusch am Bau“ und Korruption gesprochen. Die Stadt hat eine weitere Skandalbaustelle, die möglicherweise gar den Kunst-Karton an der Küppersmühle in den Schatten stellt.

Was sich da in Rathausfluren an Entsetzen, Wut und Mutmaßungen zum Mercatorhallen-Super-GAU artikuliert, ist nicht offiziell zitabel, gerichtsfest erst recht nicht: Aber offen wird von systematischem „Pfusch am Bau“ gesprochen, von mit Euro-Scheinen erkaufter Blindheit. Kurz, eine Skandalbaustelle, die möglicherweise den lebensgefährlichen Pfusch an dem Kunst-Quader an der Küppersmühle in den Schatten stellt.

Auch am MIttwoch stöberten wieder Gutachter und Brandschutzexperten der Feuerwehr durch die Hallenräume. Wie da mit Brandschutzvorschriften beim Ausbau der Mercatorhalle umgegangen wurde, spottet offenbar jeder Beschreibung. Fachleute, die sich aktuelle Bilder anschauten, schüttelten entsetzt den Kopf. Das hätte so niemals brandschutztechnisch genehmigt werden dürfen. Wurde es aber, 2007 von einem staatlich geprüften Sachverständigen – mit TÜV-Siegel, auf das sich die Stadt verlassen hat. Heute malt man sich mit Schrecken aus, was bei einem Brand einer voll besetzten Mercatorhalle hätte passieren können, wenn Rauch und Flammen sich ungehindert hätten ausbreiten können.

Rauchmelder sollen nicht aktiviert gewesen sein

Hinter der Missachtung der Brandschutzvorschriften muss System gesteckt haben, kriminelle Energie wahrscheinlich sogar. Selbst Rauchmelder sollen nicht aktiviert gewesen sein. Und war es Zufall, dass es keine Revisionsschächte gab, um so vielleicht den Pfusch zu verheimlichen? Erst nach und nach wurden sie eingebaut. Da hielt man das noch für normale Nacharbeiten, wurde noch nicht misstrauisch.

Was jetzt droht, sind möglicherweise Kosten in Millionenhöhe allein für die Sanierung.Foto: Hayrettin Özcan / WAZ FotoPool

Mit regelmäßigen, kleineren Baumängelbehebungen schlug sich das bis 2010 beauftragte Gebäudemanagement von Hochtief und der städtische Immobilien-Service IMD seit Fertigstellung der Mercatorhalle ohnehin herum. Was jetzt aber droht, sind möglicherweise Kosten in Millionenhöhe allein für die Sanierung. Vom öffentlichen Image-Schaden und Kosten aus Terminabsagen und Anmietungen für alternative Veranstaltungsorte mal ganz abgesehen.

Stadt sucht jetzt nach den Schuldigen - auch in den eigenen Reihen

Mit Champagnerlaune hatte Duisburg im April 2007 die Eröffnung der Mercatorhalle gefeiert. Mit Klassik von den Philharmonikern und Schlagern von Howard Carpendale. Großes Lob erhielten vom damaligen OB Sauerland auch die städtischen Planer und Projektbegleiter. Eben auch der als „Mister City-Palais“ bezeichnete Mitarbeiter des Stadtplanungsamtes, dem vorgeworfen wird, für Scheinabrechnungen im großen Stil die Hand aufgehalten zu haben.

Skandalbaustelle Küppersmühle in...

So muss die Stadt bei der Suche nach den Schuldigen und den angekündigten zivil- und strafrechtlichen Schritten gegen Planer, Gutachter und Firmen auch in den eigenen Reihen nochmals genau hinschauen. Schließlich war die Stadt Bauherrin des Ausbaus der Mercatorhalle. Zu den ersten Untreue-Vorwürfen gegen den städtischen City-Palais-Projektleiter gab es bereits einen üppigen Bericht des Rechnungsprüfungsamtes. Liegt an der Stelle auch die Schaltzentrale für den Pfusch am Brandschutz, der „Brandherd der Korruption“ sozusagen? Man weiß: Brandschutz ist teuer. Nur, es muss mehrere Beteiligte gegeben haben: Ausführende und Absegnende.

 

Oliver Schmeer



Kommentare
24.08.2012
18:40
Duisburg hat mit der Mercatorhalle einen neuen Bauskandal
von ulrics | #23

Wenn das ein TÜV Gutachter verbockt hat, muss der bzw. die Firma für den Schaden gerade stehen. Ist doch wohl selbstverständlich, dass der Gutachter haftet.

Allerdings war der Silberpalais ja eh ein komplette Fehlplanung mit diesem Gang ins nirgendwo lockt man keine Menschen.

23.08.2012
17:51
achwas!
von OpamitHutamSteuer | #22

korruption? alles nur wilde verschwoerungstheorien... ;)

wie immer in solchen faellen gibts auf einmal nur opfer in politik und unternehmen, aber keine taeter, es wird ne weile ermittelt, solange bis man einen suendenbock gefunden hat der dann den kopf hinhaelt und anschliessend gehts munter weiter mit korruption und der nexte skandal ist nicht fern.

statt ein paar muecken zu erschlagen muesste man den ganzen sumpf mal gruendlich trockenlegen - ohne ruecksicht auf politische orientierung.

23.08.2012
17:06
Duisburg sperrt sich aus
von DerHesse | #21

Mercatorhalle gesperrt, Friedrich-Ebert-Brücke gesperrt und nun das Schwimmstadion gesperrt.

Sperrt doch erstmal irgendwelche Verantwortlichen weg oder gleich ganz Duisburg. Lohnt sich echt nicht mehr!

1 Antwort
Duisburg hat mit der Mercatorhalle einen neuen Bauskandal
von zetunde | #21-1

Was ist denn mit der Rhein-Ruhr-Halle, die ist nun auch schon Jahre verbrettert und vernagelt, die sollte ja baufällig sein. Ich denke, sie steht einigen Interessen im Weg, vielleicht macht man sie nun wieder auf und stellt auf einmal fest, dass alles nicht so schlimm sei, hallelijah

23.08.2012
15:51
Duisburg hat mit der Mercatorhalle einen neuen Bauskandal
von akaz | #20

Meiner Meinung nach passieren solche Dinge immer dann, wenn es heißt, ". . . das wollen die/der da oben . . . "
Es ist völlig egal, welcher Partei "die da oben" angehören. Nur die Konzentration vieler fehlerhafter Projekte in Duisburg kann mit einigem Recht als unüblich bezeichnet werden. Aber vielleicht ist es das, dass unbedingt etwas Überragendes her musste. Da werden Vorschriften außer acht gelassen, da wird mit Geld jenseits aller Gewohnheiten rumgeworfen und eine Kontrolle findet nie statt. Mängel werden verschwiegen und Kritik wird mit der oben angeführten Begründung abgeschmettert.

In meinem Berufsleben waren immer die Aufträge die besten, wenn feststand, dass eine höhere Charge das wollte und das genau in einer idiotischen Ausführung. Das Allerbeste was einer Firma passieren konnte, wenn Zeitdruck auftrat, sei es durch fehlerhafte Planung der Behörde oder durch irgendwelche Änderungen von "denen da oben". Schauen wir zur Abwechselung zum Nürburgring, da hat es Kurti schwer.

23.08.2012
15:27
Duisburg hat mit der Mercatorhalle einen neuen Bauskandal
von dkmmaal | #19

Auch wenn alle wieder draufhauen:

Der Bau des CityPalais begann zwar nach der Wahl von Adolf Sauerland, wurde aber in der Amtszeit seiner Vorgängerin, Bärbel Zieling (1997 – 2004, SPD) geplant.
So zu lesen in Wikipedia

1 Antwort
#19dkmmal
von taosnm | #19-1

Ausgeführt wurde das City Palais unter der Ägide von Sauerland, und bei den vorliegenden Problemen geht es ja wohl um die Bauausführung. Ganz interessant dazu auch noch dieser Bericht: http://www.derwesten.de/staedte/duisburg/city-palais-in-duisburg-anweisung-der-600-000-euro-bleibt-ungeklaert-id6444696.html.

Fakt jedenfalls ist, dass bei vielen Projekten unter AS die Staatsanwaltschaft mitbauen muss und in verschiedenen Sachen gegen AS ermittelt wird. Auch wenn Krings und zieling die Stadt weiss Gott nicht nach vorn gebracht haben, sie waren offensichtlich etwas sauberer als AS.

23.08.2012
13:33
Duisburg hat mit der Mercatorhalle einen neuen Bauskandal
von Mattern1964 | #18

Schon wieder einmal auf gut Deutsch gesagt sche.... gebaut.Steuergelder für nicht erbrachte Arbeiten die wohl möglich noch geschmiert worden sind aus dem Fenster geschmissen.Aber das kennen wir hier leider nur zu gut in Duisburg.Es gibt genug Baustellen in denen Goldbarren für nicht fertige Projekte verbuddelt wurden...und das nächste steht schon auf dem Plan der Freizeitpolitiker des Duisburger Rathauses...das FOC das hier nicht kommen wird,doch die Stadt Duisburg hat dem Investor schon zugesagt die beiden Gebäude ( altes Stadtbad,sowie die Rhein Ruhr Halle 9 auf den gesamten Verkaufspreis,der wohlgemerkt noch garnicht geflossen ist zu beleihen.
Glück Auf Ihr Narren im Duisburger Rathaus

23.08.2012
13:30
Duisburg hat mit der Mercatorhalle einen neuen Bauskandal
von zetunde | #17

Schon vergessen? Der Investor stellt der Stadt den Saal für die Philharmoniker im Rohbau zur Verfügung. Auf Nachfrage teilte man mir damals mit, dass die Stadt mit dem Investor dafür einen 33 Jahre laufenden Mietvertrag mit Monatsniete 455.000 € abgeschlossen hat. Alleine das ist ein Skandal, da der Investor mit diesem Mietvertrag die Investition für das komplette Bauwerk rechnen konnte. Unabhängig davon verpflichtete sich die Stadt Duisburg auch noch, den kompletten Ausbau des Saales auf eigene Rechnung durchzuführen. (Ein Ratsherr darauf angesprochen, ob das eine Falschinformation sei mit der Monatsmiete 455.00 €, ob es sich dabei nicht um die Jahresmiete handeln würde, das wäre ja auch schon überzogen, teilte dazu mit, dass es sich um eine Monatsmiete handeln würde. Er habe das im Stadtrat hinterfragt aber "die könnten ja alle nicht rechnen".
Demnach ist die Stadt für die nun aufgetretenen Probleme verantwortlich, die Miete läuft weiter, bravo und halleluja

23.08.2012
12:46
Duisburg hat mit der Mercatorhalle einen neuen Bauskandal
von ayersrock | #16

Schon wieder haben Verantwortliche der Stadtverwaltung mit ihrem Dilettantismus für einen kostenträchtigen Skandal gesorgt: ungenügende Überprüfung der beteiligten Bauunternehmer, ungenügende Kontrollen bei der Abnahme usw. usw. ... Es wird Zeit, daß dieser Vorgang endlich einmal juristisch uintersucht wird, um die verantwortlichen "Experten" zur Rechenschaft zu ziehen: Anfangsverdacht wegen Untreue, Korruption u.a. ist doch mit den Händen zu greifen !

23.08.2012
12:34
Duisburg hat mit der Mercatorhalle einen neuen Bauskandal
von AlpenEuro | #15

Da kommen die Sauerlandbasher ja endlich wieder auf ihre Kosten.

Nur er ist der einzig Verantwortliche für diesen Skandal. Natürlich hat er nix unterzeichnet, oder sollte er da in die Zwischendecken kriechen und die Einhaltung der Auflagen kontrollieren?

Hier rennen echt die Größten eum. Wieviele Korruptionsgeschichten, die AS angedichtet wurden, wurden ihm denn nachgewiesen? Wieviele ? Ahh, keine? Wie kann das denn?
Bestimmt weil sich über Jahre hinweg ein verschwiegenes Netz aufgebaut hat.
Ja, ne, is klar!
Natürlich wirft das wieder kein gutes Bild auf DU, aber wenn wir ehrlich sind und auf andere Städte schauen, müssen die sich mit ähnlichen Problemen auseinandersetzen.
Kommen wir zurück zu den Unterschriften eines OBs. Ein OB, welcher auch immer, kann erstens nicht alles wissen und sich zweitens nicht um alles kümmern.
Er muss sich auf seine Angestellten und hinzugefügten Gutachter nunmal verlassen.
Auch ein Link wird nicht irgeneine Brandschutzmaßnahme unterzeichnen!

1 Antwort
Duisburg hat mit der Mercatorhalle einen neuen Bauskandal
von linther | #15-1

Ihr ironischer Beitrag macht wieder mal sch(m)erzhaft bewusst, wie man eine Stadt in wenigen Jahren herunter (miss)wirtschaften kann.

23.08.2012
11:52
Duisburg hat mit der Mercatorhalle einen neuen Bauskandal
von dr_john_becker | #14

Bezeichnungen wie ,,Kunst-Karton" haben meinem Erachten nach nicht das Geringste gemein mit gutem Journalismus, sondern gehen viel mehr in eine stark propagandistische Richtung, da hier die Meinung der Leser bewusst manipuliert und Menschen gegen etwas aufgehetzt werden sollen. Gibt es denn niemanden, der bei der WAZ Korrektur liest? So gleicht man sich mehr und mehr dem Niveau der BILD-Zeitung an.

Das City-Palais war von Anfang an ein sinnloses Bauvorhaben, eine absehbare Totgeburt - hierüber muss man nicht streiten (und dies kann auch sachlich berichtet werden!). Aber mit dem Küppersmühle-Anbau hat Duisburg nach wie vor die Chance, ein architektonisches Highlight von WELTRUHM in die eigene Stadt zu bringen - ich weiß nicht, warum hiergegen seit Jahren bewusst Stimmung gemacht wird?

1 Antwort
Duisburg hat mit der Mercatorhalle einen neuen Bauskandal
von zetunde | #14-1

Einen Kunstkarton oben drauf quer setzen ist übrigens nicht neu, wurde fast genau so in Tschechin oder der Slowakei realisiert und die Kunst scheint mir nicht der Karton zu sein sondern die Kunst Stahl (und das in einer Stahlstadt) zu schweißen, hallelujah

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