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Duisburg ganz im Zeichen des Preußischen Reformers Vincke

27.02.2016 | 18:00 Uhr
Duisburg ganz im Zeichen des Preußischen Reformers Vincke
Die Vincke-Säule in Ruhrort, benannt nach Ludwig Freiherr von Vincke (1774-1844).Foto: Stephan Eickershoff

Duisburg.   Eine Bronzefigur mit Füllhorn auf einer Granitsäule erinnert in Ruhrort an den preußischen Reformer Vincke, der Bewegung ins Ruhrgebiet gebracht hat.

Vinckekanal, Vinckeufer, Vinckeweg, Vinckeplatz, Vinckesäule – ganz schön viel Vincke in Ruhrort, aber nicht nur dort. Einen Vincketurm gibt’s in Dortmund-Hohensyburg, Vincke-Schulen unter anderem in Lünen und Soest, Vincke-straßen und Vinckeplätze in Hamm und Minden. Dass der Herr Vincke zu Lebzeiten Mitglied des „Literarischen Vereins der Grafschaft Mark“ war, ist übrigens nicht Ursache der vielfältigen Ehrungen, und dass diese sich im Duisburger Hafenstadtteil knubbeln, auch kein Zufall.

Die Felicitas publica auf der Vinckesäule in Ruhrort. Foto: Stephan Eickershoff

Denn Friedrich Ludwig Wilhelm Philipp Freiherr von Vincke, 1774 in Minden geboren und 1844 in Münster verstorben, hat im wahrsten Sinne des Wortes Bewegung ins Ruhrgebiet gebracht. Namentlich beim Ausbau der Ruhrorter Häfen habe er sich als Oberpräsident der preußischen Provinz Westfalen „große Verdienste erworben“, würdigt ihn die Metropole Ruhr in ihren Anmerkungen zur Route der Industriekultur, zu der auch die Vinckesäule auf dem Vinckeplatz gehört – nicht zu übersehen, wenn man am Tausendfensterhaus vorbei in den Hafenstadtteil kommt.

Säule zog mehrfach um

Erste Dienststelle des Säulen-Prominenten – da möchte man fast die Hacken knallen – war die Kurmärkische Kriegs- und Domänenkammer in Berlin, danach ging’s zum Manufaktur- und Kommerzkollegium, ebenfalls in Berlin, und anschließend nach Minden und gar ins ostfriesische Aurich, danach nach Münster und Hamm, immer aufwärts auf der Karriereleiter, bis nichts Geringeres als die Weltgeschichte ihm in die Quere kam: Nach der Niederlage Preußens gegen Napoleons Frankreich floh Vincke 1806 nach England. Was ihn am Ende aber nicht dümmer machte: Er lernte auf der Insel andere Formen öffentlicher Verwaltung kennen, die er nach seiner Rückkehr ab 1807 als enger Mitarbeiter des Staatsreformers Freiherr vom und zum Stein einbringen konnte.

Nach der Niederlage des großen Franzosenkaisers stieg Vincke auf zum Oberpräsidenten der preußischen Provinz Westfalen, was er dann nahezu drei Jahrzehnte blieb und sich vor allem auch der Verbesserung von Straßen und Wasserstraßen verschrieb – eine bedeutende Aufgabe in Zeiten der industriellen Revolution, die aus dem Ruhrgebiet das wichtigste Industriezentrum des Kontinents machte.

Das Denkmal, das man ihm daher schon 1845 errichtete mit der Felicitas publica, dem öffentlichen Wohlergehen in Bronze auf einer 7,5 Meter hohen Granitsäule, erwies sich dann als ähnlich umtriebig wie der Geehrte. Zunächst am heutige Vinckekanal zu bewundern, zog die Säule mehrfach um, etwa zur Mühlenweide und zum Eisenbahnhafen. 1941 wurde sie sogar eingeschmolzen für den Krieg der Nazis. Seit 1962 gibt es die heutige Felicitas publica.

Willi Mohrs

Kommentare
28.02.2016
11:06
Duisburg ganz im Zeichen des Preußischen Reformers Vincke
von HolgerLambrecht | #1

ach hätten wir in Duisburg heutzutage einen Mann mit derartigen Qualitäten!

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Duisburg ganz im Zeichen des Preußischen Reformers Vincke
Duisburg ganz im Zeichen des Preußischen Reformers Vincke
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2016-02-27 18:00
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