Duisburg empfängt Flüchtlinge in Zeltstadt im Matsch

Bis zu 150 Flüchtlinge sollen auf dem ehemaligen Ascheplatz der Sportfreunde 09 in Duisburg-Walsum für vier bis sechs Wochen in einer Zeltstadt untergebracht werden.
Bis zu 150 Flüchtlinge sollen auf dem ehemaligen Ascheplatz der Sportfreunde 09 in Duisburg-Walsum für vier bis sechs Wochen in einer Zeltstadt untergebracht werden.
Foto: Lars Heidrich / WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Der Duisburger Stadtdirektor hatte keinen leichten Stand. Er musste sich rechtfertigen für eine Zeltstadt, in der Flüchtlinge untergebracht werden sollen, Stahlrohr-Pritschen mit Kunststoff-Überzug, die Böden müssen noch eingezogen werden. Doch nicht alle Kritik hält der Verwaltungsmann für gerechtfertigt.

Duisburg.. Wenigstens die Sonne scheint. Langsam trocknet sie den roten Matsch vor Reinhold Spaniels Füßen, aber Duisburgs Stadtdirektor blickt trotzdem eher bedröppelt in die Runde. „Glauben Sie nicht, dass ich stolz auf das hier bin“, sagt er den Journalisten. Spaniel, mit 62 Jahren ein alter Verwaltungshase und Sozialexperte, muss sich rechtfertigen. Minutenlang. Für die weißen Zelte hinter ihm, auf dem ehemaligen Ascheplatz der Sportfreunde 09 in Duisburg-Walsum, die hier schon lange nicht mehr gegen den Ball treten. Es ist die Flüchtlingsnotunterkunft, die der Stadt seit Tagen bundesweit schlechte Presse einbrockt.

Die Kameras von ZDF und Sat.1, sie laufen an diesem Mittag mit, Radio- und Zeitungskollegen sehen sich einige der 24 weißen Zelte für bis zu 150 Flüchtlinge von innen an: Das öffentliche Interesse ist gewaltig – schlecht für Duisburg, das nun als deutsches Negativbeispiel dafür gilt, wie unzureichend eine Stadt auf die wachsenden Flüchtlingsströme vorbereitet sein kann.

Flüchtlingsrat NRW übt kritik

Acht Stahlrohrpritschen mit Kunststoffbezug, weniger als einen Meter breit, hat das Deutsche Rote Kreuz in jedem fünf mal sechs Meter großen Zelt aufgebaut, ein paar Klappstühle, zwei Tische. Ein Kunststoffboden soll bis zum Wochenende eingezogen werden, damit das spärliche Mobiliar nicht im Matsch versinkt. Zwei Container mit je acht Duschen und acht Toiletten stehen am Rand des Platzes. Flüchtlinge aus Tschetschenien, Afghanistan, dem ehemaligen Jugoslawien, Syrien und dem Irak werden sie schon bald nutzen. Wann genau, mag man bei der Stadt nicht sagen, 70 sollen es erst einmal sein. „Das ist eine absolute Notmaßnahme für vier bis sechs Wochen“, beteuert Spaniel und verweist darauf, dass die Menschen „mit Essen versorgt und betreut werden“. Von 6 bis 21 Uhr.

Der Flüchtlingsrat NRW hat die Zeltstadt als „inakzeptabel“ kritisiert und gefragt, wie es „angesichts des vorhandenen Wohnungsleerstandes überhaupt zu dieser Notlösung kommen konnte“. Aber auch in Duisburg selbst hagelt es Kritik. Ein Pater aus Marxloh schimpfte, „das kann doch nicht wahr sein“ und monierte, dass man „irgendwelchen Blödsinn“ entscheide, obwohl man zum Beispiel mit ihm nicht gesprochen habe. Er könne sofort zehn Menschen eine Unterkunft bieten. Die örtliche CDU wirft dem SPD-geführten Rathaus Fehlplanung vor, und die Grünen sorgen sich darum, „dass nun Bilder von Duisburg um die Welt gingen, die man aus Flüchtlingslagern und Krisengebieten kennt“.

Spaniel wehrt sichgegen "Schlauberger"

Spaniel duckt sich nicht weg. In der „Süddeutschen Zeitung“, die sich fürs Ruhrgebiet vor allem interessiert, wenn Dinge schieflaufen, hatte er bereits Kritiker als „Schlauberger“ abgekanzelt, die leere Wohnungen als Unterkünfte empfahlen. „Wir haben doch bereits 200 beschlagnahmt, und fünfzig Prozent der Asylbewerber dort untergebracht.“ Aber da müsse man sich mit Besitzern verständigen. Auch Notunterkünfte könne man nicht von heute auf morgen bauen, sagt Spaniel und erinnert an den Wust notwendiger Genehmigungen, ohne allerdings darauf einzugehen, dass die Stadt beim Tempo manches forcieren kann.

Flüchtlinge Die Zahl der Flüchtlinge, derzeit 1600 in der Stadt, sei rapide gestiegen, und die Zuweisung durch die Bezirksregierung „ziemlich spontan“, fährt Spaniel fort: „Da kann morgens ein Anruf kommen, und abends steht der Bus da.“

Bei der Bezirksregierung in Arnsberg räumt Sprecher Christian Chmel-Menges ein, dass „die Zuweisung sich beschleunigt hat, weil die Einrichtungen des Landes voll sind“. Bei den Städten seien „Ideenreichtum und Flexibilität erforderlich“. Die Praxis in den Kommunen bewerte man nicht. „Aber eine Zeltstadt ist natürlich die letzte aller Alternativen.“