Duisburg-Bruckhausen wird durch den Grüngürtel immer kleiner
17.07.2012 | 09:23 Uhr 2012-07-17T09:23:00+0200
Duisburg. Der Duisburger Stadtteil Bruckhausen wird immer kleiner. Im Rahmen des Grüngürtel-Projekts wurden bereits 50 Häuser abgerissen, weitere werden im September folgen. Doch die 800 Bewohnern bleiben ihrer Nachbarschaft treu.
Planierter Schutt an immer mehr Stellen, die große Zahl der leer stehenden Altbauten ist unübersehbar – Bruckhausen wird immer kleiner. 121 Gebäude sind laut Ratsbeschluss von 2007 für den Abriss vorgesehen, sie sollen Platz schaffen für den „Grüngürtel“ , der sich ab 2015 trennend zwischen verbleibende Wohnbebauung und Thyssen-Krupp-Hütte ausbreiten soll, sieben Hektar groß mit einem bis zu sechs Meter hohen „Landschaftsbauwerk“ und diversen Freizeitangeboten.
23 Häuser in Bruckhausen gehörten Thyssen-Krupp oder der Stadt, 98 mussten oder müssen noch von der Stadt erworben werden im Zuge des laufenden Sanierungsverfahrens. Etwa 80 Gebäude habe man bisher erwerben können, erklärte Heiner Maschke, Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft Duisburg (EG DU) gegenüber der WAZ: „Den Rest müssen wir noch.“ Er erwarte am Ende des Prozesses zwei bis drei „Knackefälle“, bei denen man über Enteignung nachdenken müsse.
Arbeiten finden bevorzugt blockweise statt
Etwa 50 Häuser seien bisher abgerissen worden, erläuterte Mario Hofmann, Stadtplaner bei der EGDU . Der Abbruch weiterer Gebäude sei europaweit ausgeschrieben und stehe im September an. Man arbeite bevorzugt blockweise, weil die Gebäude oft zusammenhängen. Daher die hohe Anzahl leerer Häuser. Andere Häuser seien nur noch von vereinzelten Mietern bewohnt.
Ziel sei der Umzug der Bewohner in „aufgewerteten Bestand“, sagt Maschke, etwa in die ansehnlich sanierten Gebäude rund um den Marktplatz in Bruckhausen. Etwa 90 Prozent der Betroffenen blieben im direkten Umfeld wohnen . Von den 800 Bewohnern von 300 Wohnungen seien bisher nur fünf Haushalte aus Duisburg weggezogen. Maschke: „Da sind wir ein Stück weit stolz drauf. Wir wollen nicht, dass jemand wegzieht, wir wollen, dass Nachbarschaften erhalten bleiben.“
„Bürgerdialogzentrum" steht mit Rat und Tat zur Seite
Für alle, die umziehen müssen, gebe es nicht nur Rat und Hilfe, etwa durch ein „Bürgerdialogzentrum“, in dem auch das Wohnungsamt vertreten ist und in dem auch auf Türkisch beraten wird, aber auch durch finanzielle Beihilfen. Bei Bedarf wird auch der ganze Umzug organisiert.
Kritik am „Grüngürtel “-Projekt hat’s dennoch gegeben, gibt’s auch noch. Alt-Oberbürgermeister Josef Krings beispielsweise hat im Verein mit Ex-NRW-Bauminister Christoph Zöpel appelliert, Bruckhausen mit seiner teils ansehnlichen Bausubstanz zu erhalten. Hauseigentümer und Geschäftsmann Mehmet Yildirim führt dagegen Klage, dass ausgerechnet sein Haus, obwohl im Schatten des Stahlwerkes gelegen, nicht abgerissen wird.
Gleichwohl ist Maschke zuversichtlich, dass der Abriss aller vorgesehenen Häuser Ende 2013 abgeschlossen sein wird. Dann müssten auch die Arbeiten am Park entlang der Kaiser-Wilhelm-Straße, in dessen Planung die Bürger einbezogen waren, begonnen werden, weil die Kosten bis 2015 wegen der Fördergelder abgerechnet sein müssen. Maschke: „Deshalb müssen wir jetzt richtig Gas geben.“

08:19
Er erwarte am Ende des Prozesses zwei bis drei „Knackefälle“, bei denen man über Enteignung nachdenken müsse.
Wenn er da mal nicht auf die Nase fällt, denn es gibt keinen zwingenden Grund für eine Enteignung. Geht es doch nicht um eine Straße oder sonst ein wichtige und für viele Menschen notwendige Sache. Nicht um sonst heißt diesen Grüngürtel im Volksmund Lügengürtel. Es wurde von der ersten Stunde an von der Obrigkeit in vielen Dingen nicht die Wahrheit gesagt. Getrickst und gemauschelt. Mit Daten und Fakten, so wurde leerstehender Wohnraum erst gar nicht mehr vermietet um einen hohen Leerstand zu erzielen und noch viele Dinge mehr.Man könnte Seiten damit füllen, leider.
Mein Vertrauen in unsere Stadt und EG-DU sind für alle Zeiten verloren.
08:07
Ein absolut zynischer Artikel.
03:17
Daß, was die Herren Matschke und Co tun, kann ich nur als ein Verbrechen an Unserer Stadt bezeichnen, an den Menschen, der Kultur, der Geschichte ...
Wir werden mal alle beim Namen nennen müssen, die an der Zerstörung Unserer Stadt beteiligt waren und immer noch sind. -
Es war nämlich nicht nur Sauerland ...
Harald Jochums / Archetekt
17:40
aufgewerteten Bestand“, sagt Maschke, etwa in die ansehnlich sanierten Gebäude rund um den Marktplatz in Bruckhausen.
Das ich nicht lache, von wegen saniert diese IMMEO Häuser haben nur einen neuen Anstrich bekommen.
Hätten alle betroffenen Bauten einen neuen Anstrich bekommen, dann wäre vielen gerade bei den wirklich alten Häuser vor staunen op ihrer Schönheit der Mund weit aufgestanden.
Übrigens hat IMMEO diese Häuser bereits wenige Jahre nach dem Anstrich verkauft.
Da stellt sich mir die Frage bekam IMMEO auch Grüngürtelgeld für den neuen Anstrich?
Die Einwohnerzahl von Bruckhausen ist massiv gesunken und viele Ältere so auch meine Mutter sind nach Beeck gezogen, war kein Wohnraum in Bruckhausen für Sie zu finden und ist dort mehr als Unglücklich. Und es geht vielen Älteren so die fast ihr ganzes Leben in diesem Stadtteil verbracht haben. Diese Stadt ist unmenschlich und DUMM. Reißt ihre Geschichte einfach ab und wirft sie in den MÜLL. ABSCHEULICH
17:38
Gott sei Dank - sonst würden in den verkommenen Altbauten bald auch die Rumänen oder Bulgaren hausen.
15:01
Was für eine Stadt............!
14:39
Wieso kleiner?
Wenn Gebäude vom Boden entfernt werden bleibt das Areal doch gleich groß – oder?
10:10
Schrecklich, wie diese Stadtverwaltung mit der historischen Bausubstanz umgeht.
Anfang der 60er Jahre hat sie die Altstadt von Ruhrort beseitigt (einfach mal alte Fotos ansehen, um zu erfassen, was das für ein Verlust darstellt), Ende der 60er wurde Alsum plattgemacht, in den 70ern dann große Teile der Arbeitersiedlungen von Neumühl (Wim Wenders´ Alice in den Städten handelt z.T. in diesen Abbruchsiedlungen. Die seelenlosen Betonburgen, die dann entstanden, werden jetzt wieder abgerissen), in den 90ern rettete nur der Masterplan von Halbgott Foster die Speicherzeile am Innenhafen vor dem Abriss.
Und jetzt ist der historische Kern von Bruckhausen dran. Was wir hier für eine einmalige Kulisse besitzen bzw. besaßen, ahnen wohl nur Filmemacher. Sie haben diesem Stadtteil wunderbare filmische Denkmale gesetzt und damit Kultstatus verliehen (z.B. „Solino“ von Faith Akin oder der letzte Schimanski). Duisburgs Stadtplaner dagegen fehlt dieser Blick.