Doppel-Wahl bei Thyssen-Krupp
16.11.2009 | 17:50 Uhr 2009-11-16T17:50:00+0100Politische Parteien liebäugeln eher zurückhaltend damit, die IG Metall zieht's konsequent durch: Bevor im kommenden Frühjahr bei Thyssen-Krupp Steel der neue Betriebsrat gewählt wird, bittet die Gewerkschaft zur Urwahl der Kandidaten.
Die rund 13 000 Mitarbeiter des Stahlkonzerns in Hamborn und Beeckerwerth wählen in den nächsten Wochen eine sogenannte Sicherungsliste, die erforderlich ist, falls außer der IG Metall konkurrierende Organisationen oder Einzelbewerber zur Wahl der 39 Betriebsräte antreten sollten. Sollte das nicht der Fall sein, legt das Urwahlergebnis die Reihenfolge der IG Metall-Kandidaten für die Wahlzettel für die eigentliche Wahl im Frühjahr fest. Urwählen dürfen alle Beschäftigten, nicht nur die Mitglieder der Gewerkschaft.
Schon bei der Vorwahl wird „richtig” gewählt, sagt Wilfried Müller, Vorsitzender der rund 500 IG Metall-Vertrauensleute bei Thyssen-Krupp im Norden der Stadt. Es gibt einen Wahlvorstand, es gibt versiegelte Wahlurnen und die Möglichkeit, zwischen 4 und 16 Uhr zu wählen. Um das sicherzustellen, sind bis zum 28. November die rund 30 ehrenamtlichen Wahlhelfer im Werk unterwegs.
Alle Kolleginnen und Kollegen an die Urne zu bekommen, sei in einem Unternehmen wie Thyssen-Krupp Steel „extrem schwierig”, erläuterte gestern IG-Metall-Chef Jürgen Dzudzek. Es werde in fünf Schichten gearbeitet, viele Mitarbeiter seien im gesamten Werk mobil. Dennoch soll bei der Urwahl jeder potenzielle Wähler mindestens zwei Gelegenheiten zur Stimmabgabe haben. 4000 Mitarbeiter, so Müller hätten bereits abgestimmt.
An Arbeit wird es dem 2010 zu wählenden neuen Betriebsrat nicht fehlen, ist sich Betriebsratschef Willi Segerath sicher: „Die Krise ist noch nicht zu Ende.” Eine hoher Organisationsgrad – in der Stahlsparte von Thyssen-Krupp sind rund 80 Prozent der Mitarbeiter in der Gewerkschaft – sei daher erforderlich und ein breites Votum für den neuen Betriebsrat. man sei als Arbeitnehmervertretung zwar „gerne” bereit, mit der Unternehmensspitze Probleme im Konsens zu regeln, aber ebenso sei man „konfliktorientiert, wenn es sein muss”.
Ziel ist eine Wahlbeteiligung von mehr als 70 Prozent. Beim letzten Urnengang 2006 waren es 63 Prozent.

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