Django Reinhardt bleibt lebendig

Der große Django Reinhardt hat seinen musikalischen Nachfahren ein gewaltiges Erbe hinterlassen. Doch der Mönchengladbacher Joscho Stephan, der neben dem ehemaligen Wunderkind Bireli Lagrene inzwischen zu den hochgelobten Gitarren-Virtuosen des modernen Gipsy-Swing gehört, hätte dem Alt-Meister sicherlich gefallen. Im Säulen-Konzert von Eckart Pressler war der längst auch international gefragte 35-jährige Solo-Gitarrist jetzt vor vollem Haus mit seinem Vater Günter Stephan an der Rhythmusgitarre und dem von „Trionova“ bekannten Kontrabassist Volker Kamp zu Gast.

Dabei präsentierte sich der technisch beschlagene Joscho Stephan als Grenzgänger zwischen traditionellem Gipsy-Sound, Jazz-Standards und Cover-Titeln der Rock-Musik, die in diesem vitalen Trio mit seinem melodiösen Charme zu rhythmisch swingenden Live-Songs werden.

Das Trio eröffnete den Abend mit einem temperamentvollen Klassiker von Django Reinhardt, der dann auch dem Lokalmatador Volker Kamp direkt die Gelegenheit zu einem knackigen Bass-Solo bot, das dem Anspruch des „Jazz-Kabinetts“ in der Säule gerecht wurde. Dabei machte Kamp deutlich, dass der Kontrabass längst mehr als nur ein Begleitinstrument ist.

Nimmermüde drückte dann der zwischendurch munter plaudernde und recht unterhaltsame Joscho Stephan mit verblüffender Fingerfertigkeit und feiner Technik aufs Tempo, um eine fabelhafte Eigenkomposition mit dem Titel „Swing Strings“ zu präsentieren. Aber auch ein Django-Reinhardt-Standard aus dem Jahre 1935 machte 80 Jahre später dem Publikum immer noch großen Spaß.

Mit feinem Schmelz widmete sich dann der junge Meistergitarrist der traditionellen Walzermusik fürs Caféhaus, die dank solcher Interpreten und Liebhaber bis heute überlebt hat. Zu genießen war ein kunstvolles Musette-Klezmer-Kleinod, das ebenfalls aus Joscho Stephans Feder stammt. Es gab dann noch viele schöne Songs zu hören, darunter einen „Bolero“ von Django Reinhardt und eine markante Gipsy-Swing-Version von „Hey Joe“ von Jimi Hendrix, die trotz aller Kammermusik immer noch den Blues der Woodstock-Rock-Szene atmete. Viel Beifall für ein starkes Trio, dessen Musik wohl noch jede musikalische Mode überleben dürfte.