Das aktuelle Wetter Duisburg 13°C
Berufungsprozess

Disco-Schläger will nicht als Frauenschläger dastehen

09.10.2012 | 18:21 Uhr
Disco-Schläger will nicht als Frauenschläger dastehen
Das Amts- und Landgericht in Duisburg. Foto: Stephan Eickershoff

Duisburg. Mit Vorfällen aus der Neujahrsnacht haben es Gerichte mit schöner Regelmäßigkeit zu tun. Doch man kann auch in der Nacht vor Silvester eine Prügelei vom Zaun brechen. Das Landgericht musste sich am Dienstag in zweiter Instanz mit einem solchen Fall befassen.

Ein 24-jähriger Wanheimer war am 31. Dezember 2011 gegen 3.30 Uhr in einer Hochfelder Groß-Diskothek mit einem Gast aneinander geraten. Im Handumdrehen wälzten sich die beiden Kontrahenten auf dem Tanzboden.

Reines Vorstrafenregister für Job im öffentlichen Dienst

Diesen Teil der Veranstaltung hatte das Amtsgericht noch nicht einmal als strafbare Handlung gewertet, da eine Notwehr des Angeklagten nicht auszuschließen war. Sicher waren sich die Richter in erster Instanz allerdings, dass der 24-Jährige eine gleichaltrige Studentin, die den Streit schlichten wollte, mit einem gezielten Schlag ins Gesicht bedacht hatte. Die junge Frau erlitt eine Augenprellung.

Das dafür ausgesprochene, vergleichsweise milde Urteil, das ihm eine Geldstrafe von 1800 Euro (30 Tagessätze zu je 60 Euro) auferlegte, wollte der Stahlwerker aber nicht akzeptieren. Aus zwei Gründen, wie der Verteidiger am Dienstag vor der Berufungskammer verdeutlichte: Erstens kränke es seinen Mandanten, dass er als Frauenschläger dastehe. Zweitens habe sich der 24-Jährige für einen Job im öffentlichen Dienst beworben. Dafür benötige er ein reines Vorstrafenregister.

Nach anfänglichen Irritationen und eindringlicher Ermahnung durch den Vorsitzenden besann sich der 24-Jährige, der bislang stets behauptet hatte, er habe die Frau nicht geschlagen. „Kann sein, dass ich sie versehentlich getroffen habe. Ich hatte nur Augen für meinen Widersacher.“ Und eine förmliche Entschuldigung an die 24-Jährige gab es auch.

Saftige Geldbuße statt Strafe

Der Staatsanwältin und dem Gericht reichte das für eine Gnadenentscheidung. Das Verfahren wurde gegen Zahlung einer Geldbuße eingestellt. „Billiger wird es aber nicht“, stellte der Vorsitzende klar. Der 24-Jährige muss nun 1800 Euro bezahlen: 1000 als Schmerzensgeld an die Geschädigte, 800 an die Landeskasse. Dafür steht seiner Bewerbung aber nichts mehr im Wege.

Bodo Malsch



Kommentare
09.10.2012
20:46
Disco-Schläger will nicht als Frauenschläger dastehen
von flatulenz | #1

"Erstens kränke es seinen Mandanten, dass er als Frauenschläger dastehe."
Ja super, die Realität kränkt den Mandanten .. das dürfte wohl jedem Schuldigen so gehen.

Aus dem Ressort
Landgericht Duisburg kassiert Nazi-Devotionalien ein
Nazi-Symbole
Nazi-Plakate hingen über seinem Bett, er trank aus einer Hitler-Smiley-Tasse und wollte in zwei Duisburger Bunkern angeblich ein Museum über Luftangriffe auf Duisburg eröffnen. Verurteilt wurde ein 43-jähriger Düsseldorfer vom Landgericht Duisburg schließlich wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz.
Anklage wankt - Neues Gutachten zur Loveparade nötig?
Loveparade
Das Gutachten aus dem Hause Keith Stills ist ein zentrales Dokument der Anklage gegen die Beschuldigten im Loveparade-Prozess. Doch offenbar haben Mitarbeiter von Stills mehr Leistungen erbracht, als bekannt – was mindestens hätte kenntlich gemacht werden müssen. Die Anklage gerät ins Wanken.
Uni Duisburg verwehrt Studenten Raum für Kurdistan-Vortrag
Bildung
Die Universität habe „eine Verpflichtung, Studierende vor möglichen gewalttätigen Auseinandersetzungen zu schützen“, so die Uni. Die Linke Liste in der Studentenvertretung hält die Entscheidung für nicht akzeptabel, denn: „Einige unserer Kommilitonen haben Angehörige in der umkämpften Region.“
Duisburger Bahnhof Wedau soll gläsernes Dach erhalten
Stadtplanung
Der erste Entwurf für die neue Nutzung des alten Bahnhofs Wedeau liegt vor. Der Plan des neuen Eigentümers sieht ein gläsernes Dach vor. Ein Teil des Gebäudes soll vermietet werden. Das alte Empfangsgebäude soll stehen bleiben. Möglichst Mitte nächsten Jahres sollen die Arbeiten beginnen.
Duisburger hat am Gesetz zur Gifttier-Haltung mitgearbeitet
Giftige Tiere
Im kommenden Jahr soll die Haltung von giftigen und gefährlichen Tieren erschwert werden. Der Duisburger Norbert Zajac hat an dem Gesetzentwurf der NRW-Landesregierung mitgearbeitet. Zajac selbst verkauft seit 35 Jahren keine Giftschlangen mehr. Der Händler erklärt die Neuerungen.
Fotos und Videos
Ehrengäste in lockerer Runde
Bildgalerie
NRZ Sportfete
Rockerkrieg in NRW
Bildgalerie
Bilderchronik
Rundgang durch Vierlinden
Bildgalerie
Stadtteile