Diese Oldtimer elektrisieren

Jens Broedersdorff in einem Messerschmitt-Kabinenroller. Der Flitzer aus dem Jahr 1956 ist Sieger der „Future Car Challenge“ geworden.
Jens Broedersdorff in einem Messerschmitt-Kabinenroller. Der Flitzer aus dem Jahr 1956 ist Sieger der „Future Car Challenge“ geworden.
Foto: Ulla Emig/WAZ FotoPool

Duisburg.. Jens Broedersdorff und sein alter Studienkollege Uwe Koenzen sind Pioniere. In den 90er Jahren, als noch niemand an Elektromobilität dachte, entdeckte Uwe Koenzen während einer Reise durch die USA, dass dort Oldtimer mit einem Elektromotor ausgestattet wurden.

Broedersdorff, studierter Maschinenbauer, verdiente sich ohnehin sein Studium, indem er Autos reparierte. Beide eint das Faible für alte Vehikel. Koenzen fährt einen Lancia, Broedersdorff einen VW-Transporter aus den 70er Jahren. Sie gründeten die Firma „Classic eCars“. Seitdem entstehen die Innovationen im Meidericher Hinterhof.

Von London nach Brighton

In der Werkstatt lagern dutzende Ersatzteile, alte Karossen. Das Geschäft der Firma umfasst herkömmliche Reparaturen, aber eben auch Elektro-Umrüstungen. In der Halle parkt ein „Messerschmitt“, Baujahr 1956, den sie vor kurzem für die „Future Car Challenge“ fit gemacht haben. Nicht weniger als ein Gewinnerfahrzeug hat der Besitzer bei ihnen bestellt.

Bei der „Future Car Challenge“, die einen Tag vor der legendären Rallye des Royal Automobile Club von Brighton nach London stattfindet, sollte der Kabinenroller möglichst effizient fahren. „Wir waren uns gar nicht sicher, ob er ankommt. Wir haben bis zum Schluss gearbeitet und bevor es los ging, hatten wir nur Zeit, in einem Kölner Parkhaus zu proben.“ Eine Nacht ging’s hin und her. Hin und her – bis der Parkhaus-Wächter kam und etwas kariert schaute.

Möglichst nie anhalten

Related content Dem Eigentümer, dem sie bei der Challenge in einem Begleitfahrzeug gefolgt sind, haben sie zuvor Tipps gegeben, worauf es ankommt. „Besonders effizient ist es natürlich, wenn man langsam fährt, allerdings hatten wir nur zweieinhalb Stunden Zeit für die Strecke“, erklärt Broedersdorff. Die Kunst bestand also darin, möglichst nie anzuhalten und alle Ampeln, auch die im Londoner Stadtverkehr, bei „grün“ zu erwischen. Fast zehn Kilometer quälten sie sich im Stop-and-Go durch London, immerhin, sie kamen an sämtlichen Sehenswürdigkeiten vorbei und die Briten jubelten ihnen zu.

Der Erste war ein Porsche

Am Ende reichte es fürs Siegertreppchen. Mit seiner Batterie hat der Messerschmitt eine Reichweite von rund 130 Kilometern. Die Strecke ist 106 Kilometer lang. Gut kalkuliert – und Glück gehabt. Der kleine Flitzer ist Effizienzsieger im Gesamt-Klassement geworden und darf sich nun mit einem „Winner“-Aufkleber schmücken.

Den ersten Wagen, den Koenzen und Broedersdorff umgerüstet haben, war ein alter Porsche. 20.000 D-Mark kostete der Umbau des 90 PS starken Wagens Mitte der 90er Jahre.Der Wagen ist bis heute im täglichen Betrieb bei Koenzen und Broedersdorff.

Ökologischen Aspekt beachten

Anfragen bekommt die Werkstatt, vor allem von Betrieben, die die Wagen als Werbefahrzeuge nutzen wollen. Die meisten schlucken allerdings, wenn sie die Kosten kalkulieren. Mit mindestens 25.000 Euro muss man rechnen. Zuletzt waren es immer Firmen- oder Werbefahrzeuge, die sie elektrifiziert haben. „Den Deutschen geht’s zuerst ums Geld, aber man muss ja auch den ökologischen Aspekt sehen“, findet Broedersdorff.

Je weiter die Reichweite sein soll, desto teurer ist die Batterie, die eingebaut wird. „Und warum muss man mit jedem Auto 500 Kilometer fahren? Dafür kann man besser die Bahn nehmen.“ Wenn mehr Menschen auf Elektromobilität setzen würden, wäre Deutschland langfristig nicht mehr so abhängig vom Öl. Eine Massenbewegung ist das allerdings noch nicht.

Das nächste Fahrzeug, das Koenzen und Broedersdorff sich vorgenommen haben, ist ein „Perfect Roadster Spider S“, ein schicker Flitzer. Nur ein Sache fehlt: Das charakteristische Knattern kann ein Elektro-Motor nicht bieten.