Diese fünf Sehenswürdigkeiten an Rhein und Ruhr sind einen Tagesausflug wert

Für die einen ist es die Rehberger Brücke, für die anderen "Slinky springs to fame". So oder so: die Brückenskulptur über den Rhein-Herne-Kanal in Oberhausen ist einen Besuch wert.
Für die einen ist es die Rehberger Brücke, für die anderen "Slinky springs to fame". So oder so: die Brückenskulptur über den Rhein-Herne-Kanal in Oberhausen ist einen Besuch wert.
Marxloh ist eine Sehenswürdigkeit? Unbedingt – wenn man sich dem Problemviertel aus der richtigen Perspektive nähert. Dann lohnt sich für Nachbarn und Tagestouristen dorthin ein Ausflug ebenso wie zur Landmarke "Tiger & Turtle", zur Rehberger Brücke in Oberhausen, zum Ringlokschuppen in Mülheim und in Schimanskis Heimat.

Duisburg/Oberhausen/Mülheim.. Diese fünf Sehenswürdigkeiten im westlichen Ruhrgebiet sind noch relativ neu, noch immer Geheimtipps oder einfach nicht als Attraktionen bekannt. Zu allen aber lohnt sich für Bewohner der Nachbarschaft oder Tagestouristen aus dem Rest des Landes NRW ein Ausflug: zur Landmarke "Tiger & Turtle" in Duisburg-Wanheim, zur Brückenskulptur "Slinky springs to fame" am Kaisergarten in Oberhausen (Artikelseite 2), nach Duisburg-Marxloh (Artikelseite 4), zum Ringlokschuppen in der Mülheimer Gartenschau (Artikelseite 4) und in den "Schimanski"-Stadtteil Ruhrort (Artikelseite 5). Aber der Reihe nach und ausführlich:

Eine Achterbahn für Fußgänger auf dem Zauberberg im Duisburger Süden

Duisburg hat viele grüne Seiten. Das lässt sich vor allem ganz oben auf der Heinrich-Hildebrand-Höhe sehen. Dort steht das jüngste Wahrzeichen der Stadt, die Landmarke Tiger & Turtle. Ein Ausflugstipp für Liebhaber von Natur und Industriekultur. Ein Hingucker war der rund sechs Hektar große Angerpark im Duisburger Süden lange nicht. Hier stand einst die Zinkhütte der Sudamin MHD, auf deren Werksdeponie entstand dann die Heinrich-Hildebrand-Höhe. Als die Firma 2005 in die Insolvenz ging, blieben nicht nur diverse Werkshallen, sondern vor allem ein hoch belasteter, mit Schwermetallen und Giftstoffen verseuchter Boden zurück. Es sollte bis 2008 dauern, bis alle Abbrucharbeiten, Abdichtungs- und Sanierungmaßnahmen abgeschlossen waren und der Angerpark fertig war.

Dann wuchs auf der Heinrich-Hildebrand-Höhe (so hieß der 2004 verstorbene Heimatforscher, der sich sehr um den Duisburger Stadtteil Wanheim verdient gemacht hatte, in dem die Halde liegt) das Kunstwerk Tiger & Turtle. Eine begehbare Achterbahn aus 90 Tonnen Stahl auf 17 Stützen, die es sogar bis in die LA Times geschafft hat und seit ihrer Eröffnung im November 2011 Hunderttausende anlockte.

Landmarke ist beleuchtet und rund um die Uhr geöffnet

Nimmt man Berg und Skulptur zusammen, dann schauen Besucher aus über 80 Metern Höhe in die Landschaft: vom Düsseldorfer Fernsehturm im Süden bis zum Gasometer Oberhausen im Norden. Direkt zu Füßen liegt ihnen aktuelle Industriekulisse: das Hüttenwerk Krupp-Mannesmann.

War bis Juni 2012 abends immer Schicht, kommen seit Jahren auch nächtliche Besucher auf ihre Kosten. Nachdem die Stadt Duisburg die Beleuchtungs-Technik nachgerüstet hat und die Kamerazählung funktioniert, muss die Landmarke nicht mehr um 21 Uhr geschlossen werden, sondern darf rund um die Uhr begangen werden. Außer es ziehen Unwetter auf – dann wird aus Sicherheitsgründen dicht gemacht.

Mit Beginn der Dämmerung schalten sich 880 LED-Module ein, damit sich die gewundenen Wege der sogenannten „Achterbahn“ als Lichtband am dunklen Himmel abzeichnen. So ist die Skulptur auch nachts weithin sichtbar und wie bei der feierlichen Eröffnung im November 2011 begehbar.

Das kostet es:

Der Zugang zur magischen Achterbahn ist frei und kostet nichts.

Was es direkt um die Ecke zu sehen gibt:

Von der Halde aus haben Sie einen schönen Blick über den gesamten Duisburger Süden und den Rhein. Wenn Sie den Rhein noch einmal näher betrachten und am Ufer entlang spazieren möchten, bieten sich zwei Punkte an. Zum Einen die neu gestaltete Rheinpromenade in Wanheim. Diese können Sie, wenn Sie von der Heinrich-Hildebrand-Höhe kommen, nach einem kleinen Fußmarsch erreichen. Halten Sie sich an der Ehinger Straße rechts und dann geht es an der Kreuzung Am Tollberg/Friemersheimer Straße nach links in Richtung Rhein.

Oder Sie fahren mit der Straßenbahn 903 zurück zum Bahnhof Hochfeld-Süd, wo sich der Rheinpark befindet (Autofahrer: Liebigstraße, dort befindet sich auch ein Parkplatz). Zwischen Kultushafen und Brücke der Solidarität (erinnert an den Krupp-Arbeitskampf) können die Besucher im Sand liegen, auf Holzplateaus die Sonne genießen und den Schafen auf der anderen Rheinseite beim Grasen zuschauen.

Nach 150 Jahren industrieller Nutzung wurde das weiträumige Areal in einen grünen Farbtupfer verwandelt. Doch nicht nur Relaxen können die Anwohner im Rheinpark, auch sportliche Betätigung ist dort möglich. Ein Klettergarten, ein Skatepark, Streetball- und Beachvolleyballfelder sind entstanden, die auch Sportbegeisterte in das neue Stadtquartier locken sollen. Eine kleine Gastronomie, der "Ziegenpeter", ist hier ebenfalls zu finden. Im Sommer ist das Restaurant jeden Tag von 9 bis 22 Uhr geöffnet.

Und so kommen Sie hin:

Die Heinrich Hildebrand Höhe liegt im Angerpark in 47249 Duisburg (Wanheim-Angerhausen). Navi-Nutzer mit Auto oder Zweirad können als Adresse die Ehinger Straße, Höhe Richard-Seiffert-Straße, angeben. Dort befindet sich die Halde. An der Ehinger Straße und der Kaiserwerther Straße befinden sich auch Parkplätze.

Wenn Sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen, können Sie vom Duisburger Haupbahnhof in die Straßenbahn-Linie 903 steigen, die in Richtung "Duisburg Mannesmann Tor 2" fährt. Haltestelle wäre in diesem Falle "Tiger and Turtle" (früher "Berzelius"). Dort befindet sich die Anhöhe auch direkt.

Alternativ können Bahn-Nutzer, die mit der Regionalbahn RB33 nach Duisburg kommen, am Haltepunkt Hochfeld-Süd/Rheinpark aussteigen. Dort geht es dann ebenfalls mit der Linie 903 in Richtung Mannesmann-Werk weiter bis zur Haltestelle „Berzelius“. (Marc Wolko)

Auf der Oberhausener Brückenskulptur „Slinky springs to fame“ ist der Weg das Ziel

Viele Brücken führen über den Rhein-Herne-Kanal, aber auf keiner ist der Weg so sehr das Ziel wie auf der „Rehberger Brücke“. Dieser Rufname klingt zwar unspektakulär, aber die Brückenskulptur „Slinky springs to fame“ in Oberhausen ist eine echte Sehens-, ach was: Gehenswürdigkeit.

Die 460 Meter lange Spannbandbrücke, die sich der Frankfurter Bildhauer Tobias Rehberger ausgedacht hat, verbindet den Kaisergarten am Schloss Oberhausen mit den Rad- und Wanderwegen der Emscherinsel. So heißt der Landstreifen zwischen Rhein-Herne-Kanal und Emscher. „Die Rehberger Brücke“, sagt Touristiker Michael Schmitz von der Tourismus & Marketing Oberhausen GmbH, „hat das Zeug, ein neues Wahrzeichen unserer Stadt zu werden.“ Das liegt vor allem daran, dass sie aussieht wie das „Slinky“ genannte Spielzeug aus Schraubenfedern: 496 Spiralen umhüllen die scharfkurvige Konstruktion. Rehberger schwebte ein über den Schifffahrtsweg geworfenes Lasso vor. 16 Farbfelder hat er den Fußgängern auf den geschwungenen Weg gelegt, auf dem sie in zehn Metern Höhe und auf federndem Tartanbelag übers Wasser gehen. In den Abendstunden setzt auch noch LED-Beleuchtung in 16 Farbtönen den Überbau des Kunstwerkes in Szene.

Rehberger-Brücke gewann den „Oscar der Stahlbau-Branche“

Die fünf Millionen Euro teure Brücke der Emschergenossenschaft war 2013 ein Dreh- und Angelpunkt der Emscherkunst. Dabei war sie bereits das Vorzeigeexponat der 2010er Ausgabe – aber damals eben noch nicht fertig. Erst im Juni 2011 wurde „Slinky springs to fame“ nach 15 Monaten Bauzeit und etlichen Verzögerungen eröffnet.

Die Oberhausener schlossen die Brücke jedoch schnell ins Herz, von den Kritikern wurde sie fast ausschließlich mit Lob bedacht – und auch noch mit einem Preis: dem Stahl-Innovationspreis, dem „Oscar der Stahlbau-Branche“, so die Emschergenossenschaft. „Bezogen auf die Hauptspannweite ist dieses Bauwerk Europas längste Spannbandbrücke aus hochfestem Stahl. Sie zeigt eindrucksvoll die technischen Möglichkeiten materialeffizienter Systembauteile in der modernen Stahlbrückenarchitektur“, urteilte das Stahlinformationszentrum in Düsseldorf Ende Juni.

Das kostet es:

Der Zugang zur Rehberger Brücke ist frei und kostet nichts.

Was es direkt um die Ecke zu sehen gibt:

Was für Besucher der Rehberger Brücke aber sicher noch wichtiger als das Urteil des Stahlinformationszentrums ist: Auch um sie herum gibt’s einiges zu sehen und zu erleben. In den Kaisergarten am Fuße der Brücke lockt nicht nur ein Biergarten, sondern auch ein Tiergehege. Dort leben 450 Tiere, vor allem heimische Wild- und Haustiere. Die Publikumslieblinge der kleinsten Besucher sind im Streichelzoo untergebracht.

Das Gehege ist im Sommer täglich von 9 bis 19 Uhr geöffnet, der Eintritt ist ebenfalls frei. Im April 2012 weihten Stadt und Emschergenossenschaft vor Ort den neuen Spielplatz "Kaiserkrone" ein.

Im Schloss Oberhausen um die Ecke ist außerdem die Ludwiggalerie zu Hause. Das Museum präsentiert in den weitläufigen Räumen der klassizistischen Schlossanlage Leihgaben aus aller Welt. Neben der Sammlung des Ehepaares Peter und Irene Ludwig sind im Schloss auch „Die populäre Galerie“ und „Die Landmarkengalerie“ zu besichtigen. Bis zum 7. September ist im Großen Schloss noch die Foto-Ausstellung "Eve Arnold (1912-2012) - Eine Hommage an die große Magnum-Fotografin" zu sehen. Die Galerie ist dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

Wer’s geschäftiger mag: Das Centro und die Neue Mitte liegen gerade mal 800 Meter Luftlinie vom Schloss entfernt. Am 2. August findet in der Marina Oberhausen am Centro wieder die Open-Air "Summer Musical Night" statt.

Und so kommen Sie hin:

Autofahrer können auf den Parkplätzen am Tiergarten und am Schloss Oberhausen parken. Die Adresse des Schloss-Park- und Wohnmobilstellplatzes für Navigationsgeräte: Konrad-Adenauer-Allee 46, 46049 Oberhausen. Bus- und Bahnfahrer kommen an weiteren Sehenswürdigkeiten vorbei: am preisgekrönten Busbahnhof Neue Mitte des Architekten Christoph Parade und am Oberhausener Wahrzeichen schlechthin, dem Gasometer. Vom Busbahnhof am Centro aus sind es etwa zehn Minuten Fußweg bis zur Rehberger Brücke: an der Arena und am Gasometer vorbei, am Rhein-Herne-Kanal entlang den Schildern Richtung Schloss Oberhausen folgen. Dort und am Hauptbahnhof stehen auch Metropolräder bereit.

Das Schloss ist übrigens auch eine der Stationen, die der Doppeldecker-Cabriobus der „City Tour Oberhausen“ bis Ende Oktober mittwochs, freitags und sonntags ansteuert. Passagiere können am Schloss aussteigen, die Brücke besichtigen und einige Erinnerungsfotos schießen.

Bei Fragen zu den Ausflugszielen erreichen Sie die Tourismus & Marketing Oberhausen GmbH (TMO) online hier und telefonisch unter der Nummer 0208/82 45 70. (Philipp Wahl)

Duisburg-Marxloh ist ... eine Sehenswürdigkeit

Klein-Istanbul, Ghetto, Schmuddelviertel: Was wurde Marxloh nicht schon alles angedichtet? Bei Schimanski hieß es einst sogar, selbst die Polizei traue sich nur mit der Einsatzhundertschaft in den wohl bekanntesten Stadtteil des Duisburger Nordens. Okay, Marxloh hat es nicht leicht und Marxloh ist auch keine echte Schönheit – sehr wohl aber eine Sehenswürdigkeit.

„Hier lässt sich das Ruhrgebiet im Miniaturformat erleben“, sagt Mustafa Tazeoğlu. Der junge Mann ist in Marxloh aufgewachsen. Seit 2008 zeigt Tazeoğlu Besuchern aus ganz Deutschland und vielen anderen Ländern der Welt bei mehrstündigen Rundgängen die spannendsten Ecken seines Stadtteils, der auf der Suche nach einem neuen Selbstverständnis ist – und dieses längst gefunden zu haben scheint.

Slogan "Made in Marxloh" als Ausdruck neuen Selbstbewusstseins

Marxloh ist bunt. Marxloh ist multikulturell. Rund 60 Prozent der Menschen, die hier leben, haben einen Migrationshintergrund. Der stolze Slogan „Made in Marxloh“, der sich auf Postkarten und T-Shirts findet, ist Ausdruck des neuen Selbstbewusstseins. Mutige Existenzgründer bringen den Stadtteil nach vorn. Die Probleme, die das Ende der Stahlindustrie mit sich brachte, sind noch nicht vergessen, doch sie verblassen zunehmend.

„Verliebt, verlobt, verheiratet“ heißt eine der geführten Touren, die Mustafa Tazeoğlu anbietet. Sie führt über die Weseler Straße, wo sich rund 50 Brautmodengeschäfte befinden. Ein anderer Stadtteilspaziergang nennt sich „Himmlisches Marxloh“ – hierbei steht die Religion im Vordergrund. Er zeigt Besuchern das „Wunder von Marxloh“, die Merkez-Moschee, übrigens Deutschlands größte Moschee im osmanischen Stil, er thematisiert aber auch das Miteinander der Kulturen und macht Abstecher zu den katholischen und evangelischen Gotteshäusern im Stadtteil.

Durch den Schwelgernpark und über die Brautmodenmeile

Kleingruppen lernen beim vierstündigen Rundgang „Marxloh intensiv" die Brautmodenmeile kennen, besuchen die Moschee, flanieren durch Schwelgernpark und Rosenpavillon, erkunden Industriebrachen und kehren schließlich auf eine Tasse Tee in einen Marxloher Privathaushalt ein.

Und wer die „Marxloh Mixtour“ bucht, derzeit das beliebteste Angebot, erlebt ebenfalls die Sehenswürdigkeiten des Stadtteils – jedoch in etwas gestraffter Form. „Jede Tour stimme ich individuell auf die Interessen der Teilnehmer ab“, sagt Tazeoğlu.

Termine für die Touren, die auch barrierefrei gestaltet werden können, sind individuell mit Mustafa Tazeoğlu per Telefon oder Mail zu vereinbaren. Größere Vorlaufzeiten müssen in der Regel nicht eingeplant werden. Dennoch sind die Kapazitäten naturgemäß begrenzt. Infos und Anmeldung im Internet unter www.urban-rhizome.de. Telefonisch unter 0203/ 60 69 42 28 oder per Mail an stadtteilfuehrung@urban-rhizome.de.

Das kostet es:

Die Touren kosten je nach Dauer und Umfang zwischen 20 und 60 Euro pro Person (zzgl. Bewirtungskosten bei manchen Rundgängen). 20 Prozent der Einnahmen fließen an lokale gemeinnützige Organisationen.

Und so kommen Sie hin:

Die geführten Stadtteilspaziergänge durch Marxloh beginnen im „Situation Room“, dem Büro von Tazeoğlus Agentur „Urban Rhizome“ an der Weseler Straße 144. Die Straßenbahnlinie 903 hält an der nahegelegenen Haltestelle „Heckmann“. Die Fahrtzeit vom Duisburger Hauptbahnhof dorthin beträgt 25 Minuten.

Was es direkt um die Ecke zu sehen gibt:

Etwa sechs Kilometer von Marxloh entfernt liegt der Landschaftspark Nord (www.landschaftspark.de). Das 200 Hektar große Ausflugsareal rings um ein stillgelegtes Hüttenwerk ist ein eindrucksvolles Zeugnis der industriellen Vergangenheit des Ruhrgebiets. Vom 9. Juli bis zum 17. August lockt das Sommerkino mit 40 Vorstellungen in den Landschaftspark. (Tobias Appelt)

Der Ringlokschuppen in Mülheim – Drehscheibe für Kultur mit Gartenschau

Manchen Besuchern, die auf den Ringlokschuppen in Mülheim stoßen, gibt das Industriedenkmal Rätsel auf. „Sie wollen dann von uns wissen, was für ein komisches Gebäude das ist und wofür es genutzt wurde“, berichtet Christine Klingbeil. Sie macht Werbung für das Programm des Vereins „Kultur im Ringlokschuppen“. Denn die Drehscheibe, auf der bis zu einem zerstörerischen Bombenangriff 1943 Dampflokomotiven geparkt wurden, ist heute Schauplatz und Plattform der freien Kulturszene.

Der Spielplan im Ringlokschuppen ist nur ein guter Grund, das (fast) halbkreisrunde Gebäude aus Stahl und Glas zu besichtigen. Der Lokschuppen wurde etwa 1900 errichtet, diente der Bahn nach dem Zweiten Weltkrieg als Kraftwagen-Betriebswerk Speldorf und schließlich einem örtlichen Fuhrunternehmen als Reparaturwerkstatt. Erst mit der Landesgartenschau 1992 blühte das Gebäude-Ensemble wieder auf: restauriert, teilweise abgerissen und rekonstruiert, zur Kulturstätte umgebaut.

Fatzer Tage, Open-Air-Kino und Konzerte

Drei Jahre später zog der Verein für „Kultur im Ringlokschuppen“ ein, etablierte das Haus als Theater-, Tanz- und Performance-Spielstätte, veranstaltet obendrein Lesungen, Filmvorführungen und Konzerte. Zum Beispiel vom 11. bis zum 13. Juli bei den Vierten Mülheimer Fatzer Tagen, deren Name sich von Bertolt Brechts Fatzer-Fragment ableitet, in dem Krieg ein zentraler Bezugspunkt ist. Im "Blick zurück nach vorn" hinterfragen die Thementage das Phänomen Krieg und seine Akteure. Neben Produktionen von Futur II Konjunktiv sowie andcompany&Co. werden Inszenierungen von jungen Theaterschaffenden der Ernst-Busch-Hochschule Berlin, der Angewandten Theaterwissenschaft Gießen und der Szenischen Forschung der Ruhr-Universität Bochum zu sehen sein.

Am 18. und am 25. Juli sowie am 1. August stehen die "Odysee"-Konzerte auf dem Spielplan. Gemeinsam mit dem Funkhaus Europa präsentiert der Ringlokschuppen Künstler aus aller Welt.

Beim Ruhrsommer Open-Air-Kino vom 29. bis 31. Juli gibt es in diesem Jahr die Komödien "Oh Boy", "Paulette" und "00 Schneider im Wendekreis der Eidechse" zu sehen.

Was sonst noch um die Ecke liegt:

Vor den Vorführungen sei den Besuchern ein Spaziergang durch die mittlerweile 20 Jahre alte Mülheimer Gartenschau, das Gelände der dritten nordrhein-westfälischen Landesgartenschau ans Herz gelegt. Kaum mehr vorstellbar: Wo heute Ruhesuchende zwischen Beeten, Bäumen und Skulpturen 66 Hektar Naherholungsraum haben, lagen früher Schrottplätze. Und seit dem frühen Mittelalter Teile des heutigen Schlosses Broich: Der ostfränkische Herzog Heinrich ließ dort 883/884 ein befestigtes Militärlager errichten. (Im Dachgeschoss befindet sich heute der Firmensitz der Mülheimer Stadtmarketing und Tourismus GmbH, deren Mitarbeiter Touristen aus nah und fern freilich gerne weiterhelfen. Telefon: 0208 /9 60 96 10). Am Schloss Broich rocken übrigens vom 8. bis 10. August die "Heimathelden", "Middle Of The Road", "Johnny Logan & Friends" und "Jazz an der Ruhr" die Ruhrbühne.

Auch kulinarisch lohnt sich der Weg nach Mülheim-Broich: Die Gäste des Ringlokschuppens versorgt das Team des „Jedermann“. Das Gasthaus lockt mit Restaurant- und Kneipenkultur, fairen Preisen (für Currywurst und Pommes ebenso wie für vitaminschonend zubereitetes Gemüse) und, natürlich, einem großen Biergarten am Ringlokschuppen. In Duisburg haben sich Küche und Konzept des Gastronomen-Paars Silvia Schneider-Welskop und Thomas Brinkmann bereits bewährt: Im Haus Bütefür in Neudorf eröffneten sie 2010 das erste „Jedermann“. Ein Jahr darauf fanden sie in den Mülheimerinnen Petra Ebert und Christa Ettinger Verbündete: Sie machten in Duissern das zweite „Jedermann“ auf.

Einzigartig ist dagegen, was der Broicher Wasserturm – ebenfalls direkt am Ringlokschuppen gelegen – beheimatet: 1992 wurde in dem inzwischen unter Denkmalschutz stehenden Gebäude die größte begehbare Camera Obscura der Welt in der ehemaligen Wasserkuppel installiert. Der 38 Meter hohe Turm selbst, Baujahr 1904, diente anfangs der Versorgung der Dampfloks im Ringlokschuppen. Heute ist der Turm – er bietet den besten Ausblick auf den Müga-Park und das Schloss – Heimat der „Sammlung S“. Diese verkaufte der Wuppertaler KH.W. Steckelings an die Stadt Mülheim. Sie dokumentiert die Entwicklung von Film und Fotografie zwischen 1750 und 1930. Das Museum ist mittwochs bis sonntags jeweils von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Das kostet es:

Der Zugang zum Ringlokschuppen ist frei und kostenlos. Die Konzerte und das Open-Air-Kino im Juli und im August sind ebenfalls gratis, die Karten für die Fatzer-Theater-Performances kosten zehn Euro im Vorverkauf bzw. 12 Euro an der Abendkasse (ermäßigt fünf bzw. sieben Euro) Für den Eintritt ins Museum der Camera Obscura zahlen Erwachsene 4,50 Uhr, Kinder (ab sechs Jahre), Studenten und Gruppenmitglieder 3,50 Euro.

Und so kommen Sie hin:

Die Adresse für Navigationsgeräte: Am Schloß Broich 38, 45479 Mülheim. Mehrere Bus- und Straßenbahnlinien zwischen Mülheimer und Duisburger Hauptbahnhof steuern die Haltestelle „Schloß Broich“ an, einige fahren am Duisburger Zoo vorbei. Per pedes sind es vom Mülheimer Hauptbahnhof bis zum Ringlokschuppen über die Ruhr hinweg etwa 20 Minuten. Am Hauptbahnhof und am Schloss stehen außerdem Mietfahrräder bereit. Radlern bietet sich sogar die Möglichkeit zu einer kleinen Schlosstour auf Mülheimer Stadtgebiet: „Vom Schloss Broich bis zum Schloss Styrum schaffen es Radfahrer gemütlichen Trittes in 45 Minuten – und immer der Ruhr entlang“, schwärmt Christine Klingbeil vom Ringlokschuppen. (Philipp Wahl)

Auf Schimanskis Spuren durch Ruhrort

Schimanski ist Duisburg, Duisburg ist Schimanski. Bekannt ist der TV-Kommissar Horst Schimanski, gespielt von Götz George, weit über die Grenzen der Ruhrgebietsstadt hinaus. Kein Wunder, dass die Führungen "Auf Schimis Spuren durch Ruhrort" ein Erfolg geworden sind. Erst vor kurzem fand die 150. Schimanski-Tour statt. Da staunt sogar die Tour-Erfinderin Dagmar Dahmen: „Ich dachte nicht, dass es einmal eine 150. Tour geben könnte“, sagt sie. „Doch etwas scheint die Menschen mit der Figur zu verbinden. Schimanski ist Kult.“

„Duisburg-Ruhrort“: Der Name des Hafenstadtteils gab der ersten Schimanski-Folge vor 31 Jahren ihren Namen. Die Filme prägten im Bewusstsein der Fernsehzuschauer das Bild vom düster-schwarzen Kohlenpott. Nicht immer zur Freude der Menschen, die hier im Ruhrgebiet leben – schließlich hatten die Verantwortlichen beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen nicht unbedingt die schönsten Seiten des Reviers ausgewählt. Wer hätte damals gedacht, dass heute die Touristen kommen und der Stadtteil zu einer Sehenswürdigkeit werden konnte.

Die zweistündige, etwa drei Kilometer lange Tour gilt als Ferienspaß für die ganze Familie. Vom Opa oder Vater erfährt dabei der Nachwuchs, wie es damals war, als 1981 der erste Schimanski über die Fernsehschirme flimmerte. Die Teilnehmer kommen aus allen Teilen der Republik. Selbst Schimanski-Fans aus den Niederlanden waren schon da – die Fernsehwellen machen schließlich an der Grenze nicht Halt.

Wo Schimanski das erste Mal "Scheiße!" brüllte

Ausgearbeitet hat die Tour die Journalistin Dagmar Dahmen, die zugleich die Führungen leitet. Gemeinsam mit Zeitzeugen berichtet sie eindrucksvoll aus vergangenen Tagen. So bleibt keine Schimanski-Frage offen.

Die barrierefreie Tour führt die Besucher zu einem guten Dutzend der Original-Schauplätze der Krimi-Reihe mit Kultstatus. Sie sehen, wo Schimanski das erste Mal das Wort „Scheiße“ gebrüllt hat – damals ein Skandal im deutschen Fernsehen. Auch die Orte fehlen nicht, an denen der Kommissar seine erste Currywurst futterte und seine erste Nacht mit der Kneipenwirtin Lilo verbrachte.

Dreh- und Angelpunkt ist bei der Tour Schimanskis Lieblingskneipe „Zum Anker“. Heute firmiert die Gaststätte allerdings unter dem Namen „Café Kaldi“. Die Zeiten ändern sich. Doch eines ist geblieben: das Horst-Schimanski-typische Essen – Currywurst mit Pommes. Und die ist sogar im Ticket-Preis enthalten - wenn man nicht die "Schimmi-Tour pur" ohne Catering gebucht hat, die seit 2013 im Programm ist.

Das kostet es:

Die Tour wird in fünf Varianten angeboten. Es ist möglich, vor dem Start einen „Brunch“ in Schimanskis Stammkneipe zu erleben. Dann kostet die Teilnahme 35 Euro pro Person. Die klassische Tour mit „Schimmi-Teller“ am Schluss kostet 23 Euro pro Person. Die "pure" Variante ohne Catering kostet nur 18 Euro. Mittlerweile können Schimmi-Fans auch andere Duisburger Stadtteile besichtigen - und zwar per Rad. Geführt von einem ADFC-Tourguide radelt die Gruppe für 29 Euro pro Person zum Beispiel entspannt an Originalschauplätzen wie Schimanskis erster Wohnung in Wanheim vorbei. 2014 soll es besonders zu Drehorten im Duisburger Süden gehen. Die obligatorische Currywurst ist hier enthalten. Wer es privater mag, bucht eine "Extra Schimmi-Tour", bei der es in individuellen Gruppen durch Duisburg geht - oder chartert gleich die Motoryacht "Oskar" und schippert auf Schimmis Spuren übers Wasser.

Unter www.du-tours.de gibt es weitere Infos zu den Führungen, Kontaktmöglichkeiten und Ticketverkauf. Telefonische Auskünfte unter 0211 / 385 82 15.

Die nächsten Tour-Termine:

12. Juli: Schimmi-Tour pur, 13. Juli: Schimmi-Tour per Rad (Südroute), 19 Juli: Schimmi-Tour klassisch mit Currywurst, 23. August: Schimmi-Tour pur, 29. August: Schimmi-Tour per Motoryacht, 6. September: Schimmi-Tour klassisch mit Currywurst, 7. September: Schimmi-Tour per Motoryacht.

Und so kommen Sie hin:

Die Touren beginnen am Neumarkt Ruhrort, 47119 Duisburg. Wer mit der Straßenbahn anreist (Linie 901), steigt wahlweise „Karlstraße“ oder „Friedrichsplatz“ aus. Fahrtzeit vom Duisburger Hauptbahnhof: etwa 10 Minuten. Die Radtouren beginnen bei Little John Bikes am Sternbuschweg 95, 47057 Duisburg. Von der Straßenbahnhaltestelle "Schweizer Straße" (Linie 901 Richtung Mülheim) sind es ca. acht Minuten zu Fuß. Die Tour per Motoryacht beginnt an der Steiger Schifferbörse, Gustav-Sander-Platz, 47119 Duisburg. Am besten erreicht man die Schifferbörse mit dem Auto.

Was es direkt um die Ecke zu sehen gibt:

Die Ruhrorter Personenschifffahrt bietet zwischen dem 12. April und dem 26. Oktober mittwochs bis sonntags zweistündige Hafenrundfahrten an. Erwachsene zahlen 12 Euro, Kinder 6 Euro. Ausreichend Parkmöglichkeiten gibt es am sehenswerten Binnenschifffahrtsmuseum, Apostelstraße 84, 47119 Duisburg. Das Museum ist das größte seiner Art in Deutschland. Infos:www.hafenrundfahrt-duisburg.de und www.binnenschifffahrtsmuseum.de (Tobias Appelt)