Die Zeit läuft für die Selbstzerstörung

Foto: WNM
Was wir bereits wissen
Das Sparen im Kulturbereich bleibt nicht folgenlos. Kulturdezernent Karl Janssen hofft, dass es doch nicht zum Aus der Opern-Ehe kommt. Doch die Zeichen stehen schlecht.

Duisburg.. Er sei für „intelligentere Vorschläge offen“, sagt Stadtdirektor Peter Greulich stets, wenn es um die Haushaltssanierung geht. Wie viel Grips braucht es wohl, intelligentere Vorschläge zu machen als die à la Stadtspitze, also nach Schema Rasenmäher?

Da wurde weder über Ressorts hinaus gedacht noch werden Alternativen aufgezeigt. Konzept? Langfristige Perspektive für die Stadt? Fehlanzeige. Soll doch die Politik machen! Die hat jetzt den Schwarzen Peter: Will sie etwas verändern, muss sie ganz schnell die Gegenfinanzierung finden. Das ist nahezu unmöglich.

Über die Folgen des Sparens im Kulturbereich scheint in der Verwaltungsspitze weder gesprochen noch nachgedacht worden zu sein. Zum Beispiel, dass mit dem Aus für die Rheinoper die 60 Mitarbeiter fehlen werden, die das Theater auch fürs Schauspiel und andere Veranstaltungen benötigt. Folge: Das Theater am König-Heinrich-Platz, vor 100 Jahren von Duisburger Bürgern geschaffen, stünde leer. Eine zweite, noch schmerzlichere Theaterruine, wobei die Rettung des Theaters am Marientor auch nicht unmäßig teuer gewesen wäre.

Oder: Das Aus für die Rheinoper bedeutet das Aus für die Philharmoniker als Spitzenorchester. Mit ihnen verlöre Duisburg nicht nur ein Aushängeschild, sondern auch eine identitätsstiftende Institution und Musiker, die sich in der Stadt engagieren. Und wozu dann noch die schöne neue Philharmonie Mercatorhalle?

CDU will keine Opern-Scheidung

Auch Kulturdezernent Karl Janssen steht mit diesem Sparvorschlag ziemlich im Regen. Er verkündet zuerst das Aus für die Opern-Ehe, wenig später äußert er die Hoffnung, dass es nicht dazu kommt. Seine Partei, die CDU, will sowohl auf Düsseldorfer als auch auf Duisburger Seite keinen Ausstieg aus der Theatergemeinschaft. Wobei die Düsseldorfer das mit dem Hintergrund eines soliden Haushalts gelassener fordern können als die Duisburger. Wo sind die Kompensationsvorschläge der Duisburger CDU?

Dass die SPD über der Frage brütet, woher das Geld kommen soll (nicht nur für die Rheinoper sondern auch für andere wichtige Angebote), kann man ihr nicht ankreiden. Dennoch ist es schade, dass der Duisburger Rat in solchen Fragen zu keinem Konsens in der Lage scheint. Der Bochumer Rat hat gemeinsam beschlossen, den Kulturhaushalt nicht zu kürzen. Dabei gibt Bochum für sein Schauspielhaus mehr aus als Duisburg für die Oper und ist auch sonst keine kulturelle Wüste.

Anders als kleinere, nicht minder verschuldete Städte, hat Duisburg den Selbstzerstörungsknopf gedrückt. Wo ist die Rettung?