Die wollen nur spielen
22.07.2007 | 08:02 Uhr 2007-07-22T08:02:46+0200Mitglieder der FDP demonstrierten am Samstag gegen den verkehrsberuhigten Bereich vor dem Theater.Die Liberalen schoben den Ball hin und her, Jürgen Dressler schrie herum, die Autofahrer kümmerte es nicht
"Dünnschiss", sagte Jürgen Dressler und freute sich ganz offensichtlich darüber, dass ihm dieses Wort eingefallen war. Denn er benutzte es rege und verlieh damit der bizarren Situation, die sich am Samstag vor dem Stadttheater abspielte, wenigstens proletarischen Charme. Das machte es aber auch nicht besser. Über zwei Stunden ging der Planungsdezernent eine Symbiose ein mit der FDP, die auf den prima Gedanken gekommen war, auf dem Theatervorplatz Fußball zu spielen. Ohne Dressler, der, um eine Bühne zu haben, so tat, als sei die Aktion von Bedeutung gewesen, hätten die Freien Demokraten schön mit sich selbst spielen können. Damit wollten sie protestieren, wahrscheinlich sogar ein Zeichen setzen gegen die Einrichtung eines verkehrsberuhigten Bereichs auf der Landfermannstraße.
Um kurz vor elf standen die eifrigen Protestler gelbbehemdet in der Gegend herum, bis das sie verbindende Element Dressler um die Ecke kam, mit seiner Frau als moralische Stütze im Schlepptau.
Alle freuten sich und begannen zu schimpfen. "Dünnschiss, Dünnschiss, Dünschiss", dazu ernste Miene von den FDP-Vertretern. "Wir wollen demonstrieren, welche Konsequenzen das wirklich hätte, wenn Leute hier spielen würden", erzählte der FDP-Ortsvorsitzende Thomas Wolters, der sich selbst manchmal auch DJ Thomas nennt und auf Hochzeiten, Betriebs- oder Karnevalsfeiern "ca. 2500 Musiktitel aller Richtungen und in vielen Sprachen" spielen kann, wie er auf seiner Homepage informiert.
Während sich Jürgen Dressler mit Bürgern anlegte und die FDP Fußballspielen imitierte, versuchte auch der momentan nicht fraktionslose Ratsherr Klaus de Jong auf sich aufmerksam zu machen. Er schob sich mitten durch eine Gruppe von Journalisten, um auch ja bemerkt zu werden. Damit rundete er die Vergewaltigung der politischen Diskussionskultur zwar ab, schaffte es aber dennoch nicht aufs Foto.
Was sich auf dem Theatervorplatz abspielte, interessierte die passierenden Autofahrer ebenso wenig wie das Schild, das auf den verkehrsberuhigten Bereich hinweist. Winkend machten einige Polizisten darauf aufmerksam, dass die Geschwindigkeit zu drosseln sei. Gemeinsam mit den Fußballspielern in Gelb und dem wild gestikulierenden Dressler ergab sich eine interessante Choreographie. In Berlin würde man das Performance-Kunst nennen und mit Preisen überhäufen, in Duisburg ist es Politik.

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