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Die U 79 von Duisburg nach Düsseldorf – Rekord-Stadtbahn mit Geisterbahnhof

05.11.2012 | 00:01 Uhr
Die Geschichte der U 79 beginnt 1899. Am 26. August 1900 fuhr die Straßenbahn das erste Mal von Düsseldorf nach Duisburg. Heute ist die Stadtbahnstrecke 41,3 Kilometer lang. Das Archivbild zeigt die Haltestelle am St. Anna-Krankenhaus in Huckingen. Ganz in der Nähe liegt seit 1974 der einzige Geisterbahnhof im Stadtbahnnetz Rhein-Ruhr.

Duisburg/Düsseldorf.   48 Haltestellen auf 41,3 Kilometern: Die U 79 ist die langsamste Bahnverbindung zwischen Duisburg und Düsseldorf. In ihrer 113-jährigen Geschichte gibt’s so viel zu entdecken wie am Streckenrand. Von Derby-Randale, einem Speisewagen und einem Geisterbahnhof.

Die U 79 ist die langsamste direkte Verbindung von Duisburg nach Düsseldorf, die der Schienenverkehr zu bieten hat. Dennoch ist die Linie eine der Superlative: Mit 49 Haltestellen auf 41,3 Kilometern ist sie ziemlich sicher die längste Stadtbahnstrecke an Rhein und Ruhr. (Beim VRR fällt auch niemandem eine längere ein.) Zwischen Meiderich und der Heinrich-Heine-Universität fährt die Stadtbahn über Land, machen die Züge in ganz unterschiedlichen Welten Halt – in Hochfeld und an der Königsallee, in Stadt(teil)zentren und Dörfern. Die Strecke verläuft durch zwei Dutzend Viertel, mal als U-Bahn, mal oberirdisch und im Duisburger Süden sogar auf einer Hochtrasse.

Von den 65.000 Passagieren, die im Schnitt täglich mit der U 79 fahren, werden geschätzte 99 Prozent nicht mal die Hälfte aller Stationen kennen, nur die wenigsten überqueren mit der Stadtbahn Stadtgrenzen. Ihnen und allen anderen zeigt unsere Bildergalerie alle 49 Haltestellen und auch, was es in deren Umfeld zu sehen gibt:

Alle 49 Stationen der U79

Aber nicht nur an der Marathon-Strecke gibt es viel zu entdecken, auch die 113-jährige Vergangenheit der U 79 ist reich an Anekdoten. Dafür sorgte allein schon das „Straßenbahn-Derby “ zwischen dem MSV und Fortuna, das nach der Linie im „Grenzverkehr“ benannt wurde. Wobei die Fußballfans aus Angst vor Randale bei den letzten Partien zwischen Düsseldorf und Duisburg gar nicht mehr mit der U 79 anreisen durften . Das bekam sicher auch den Stadtbahnen besser: Die der DVG hatten einige Fußball-Chaoten 2009 verwüstet .

Die Geschichte der U 79 beginnt bereits 1899: Am 31. Oktober rollten seinerzeit die ersten Züge der Düsseldorf-Duisburger Kleinbahn GmbH vom Düsseldorfer Hauptbahnhof aus Richtung Norden. Endstation damals: Kaiserswerth.

Ein Rückfahrschein für 1,30 Reichsmark.

Über die Stadtgrenze hinweg fuhren Kleinbahnen erstmals am 26. August 1900, da war die Strecke bereits 24 Kilometer lang. Als die Düsseldorf-Duisburger Kleinbahn 1938 am Ende war, übernahmen Rheinbahn und die „Duisburger Straßenbahn“ die Strecke und nannten die Verbindung in „D-Bahn“ um.

Erst 1981 wurde die „Linie D“ unterirdisch: Im Oktober wurde damals der erste Düsseldorfer U-Bahn-Tunnel in Betrieb genommen, durch den auch die Bahnen der U 79 fuhren. Der Duisburger Innenstadt-Tunnel wurde 1992 eingeweiht

Eine Stadtbahn mit Speisewagen und Geisterbahnhof

2009 wurde die „D-Bahn“ 110 Jahre alt: Das Archivbild zeigt eine Bahn – vermutlich im Bereich Düsseldorfer Landstraße/Remberger Straße.

Heute schicken Rheinbahn und DVG jeweils 18 B-Wagen auf die Strecke. Der vielleicht bekannteste Waggon wurde allerdings 1998 ausgebremst: das Speiseabteil der U-Bahn. Den betrieb ab 1950 die D-Bahn, später die DVG. Ein Pächter, der in den 90ern in dem Wagen mit Kaffee und Schnittchen Geld verdienen wollte, gab schließlich auf, weil sich die U-Bahn-Gastronomie nicht lohnte. Dafür ist wohl selbst die U 79 zu kurz, zumal entlang der Gleise etliche Imbisse und Restaurants aus der Bahn locken – nicht nur in Altstadt, Kaiserswerth oder Hochfeld.

Video
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Wie dem auch sei. Dass man auch mit dem ÖPNV selbst kein Geld verdienen kann, ist längst kein Geheimnis mehr. Im Rückblick erstaunen die Milliarden-Investitionen dennoch, die Kommunen in den siebziger und achtziger Jahren in das Stadtbahn-Netz Rhein-Ruhr pumpten. Allein über das längst aufgelöst Stadtbahnbauamt Duisburg flossen umgerechnet 1,5 Milliarden, in den Bau der Duisburger Stadtbahnanlagen. 1.500.000.000 Euro für 21 Kilometer Straßen-/U-Bahn. Die Unterhaltung dieser Bauten müssen die Steuerzahler bis heute teuer bezahlen. Die Instandhaltung von Stadtbahn-Infrastruktur und -Betriebstechnik in Duisburg kostet nach Angaben der Stadt jährlich vier Millionen. Die Duisburger Stadtverwaltung hat mit ihrem Investitionsplan für die Zeit bis 2020 zur Zugsicherung und Sanierung ihrer U-Bahn 140 Millionen Euro Fördergelder bei Bund und Land beantragt.

Die "Linie D" der Düsseldorf-Duisburger Kleinbahn: Am 31. Oktober 1899 rollten die ersten Züge der Düsseldorf-Duisburger Kleinbahn GmbH vom Düsseldorfer Hauptbahnhof aus Richtung Norden. Foto: Rheinbahn

Nicht geizig gingen Verkehrsplaner und Politiker in den Siebzigern auch beim Ausbau der U 79 im Duisburger Süden vor. Dort holten sie die Bahnen von den Straßen und ließen eine zwölf Kilometer lange Hochtrasse aus dem Boden stampfen, Bahnhöfe in Hochlage inklusive. Am 15. Juli 1969, so hat DVG-Sprecher Helmut Schoofs recherchiert, wurde der Grundstein der Hochbahn-Haltestelle „Neuer Friedhof“ gelegt. Etwas weiter Richtung Düsseldorf, in Huckingen, steht ein Mahnmal dieser großzügigen Bauweise aus Beton: ein Geisterbahnhof (siehe auch ab Foto Nummer 70 der Bildergalerie „Alle Stationen der U79 “). Gerade mal 200 Meter von der Station St. Anna Krankenhaus ließ die Stadt damals die Station „Angerbogen“ errichten, weil dort eine Hochhaussiedlung geplant war. Diese Trabantenstadt aber gibt es bis heute nicht. Drum machte an der 1974 fertiggestellten Station auch nie eine Bahn Halt. Die Zugänge zur hässlichen Altlast sind seit Jahrzehnten versperrt, der Zug namens Angerboden ist schon vor vielen Jahren abgefahren.

Letzte Verlängerung 2010 – Endstation Heinrich-Heine-Universität

 Der jüngste Ausbau der U 79 ist dagegen noch gar nicht lange her: Seit dem 30. August 2010 ist nicht mehr der Düsseldorfer Hauptbahnhof die Endstation, sondern die Wendeschleife am Botanischen Garten der Heine-Universität. Das freut besonders die Studenten, die nicht mehr mit der Straßenbahnlinie 797 kreuz und quer durch die Landeshauptstadt zum Campus pendeln müssen. „Die Akzeptanz der Linie ist gut“, sagt Rheinbahn-Sprecher Georg Schumacher.

Die U 79 auf Testfahrt – durch den damals neuen U-Bahn-Tunnel unter der Ruhr nach Meiderich (2000).Foto: Foto Mangen

Mit Fahrgastzahlen belegen lässt sich das aktuell nicht. Überhaupt ist die Finanzierung der U 79 eine komplizierte Angelegenheit. Den Betrieb teilen sich DVG und Rheinbahn, die Fahrgeldeinnahmen verteilt der VRR nach einem Verrechnungsschlüssel, den Schoofs und Schumacher unabhängig voneinander „hoch kompliziert“ nennen.

Die Stadtbahn fährt über Land: durch die Felder zwischen Duisburger Süden und Düsseldorfer Norden.

Ganz einfach in Erfahrung zu bringen ist der Preis, den Passagiere der U 79 für die Fahrt vom Düsseldorfer bis zum Duisburger Hauptbahnhof zahlen: 4,90 Euro. Bis zu 56 Minuten dauert die Fahrt auf diesem Streckenabschnitt – auf dem Fahrplan, versteht sich. Der Regionalexpress ist 40, der ICE 45 Minuten schneller. In Froschenteich und am Waldfriedhof halten die Züge allerdings nicht.

Philipp Wahl



Kommentare
09.11.2012
03:17
Die U 79 von Duisburg nach Düsseldorf – Rekord-Stadtbahn mit Geisterbahnhof
von DVG-Fahrer | #14

@Bully51.

Wenn Sie mit Stadtbahn die U79 meinen, dann vergessen Sie die Verlängerung bis LaPANo. Dazu müssten von der Rampe Meiderich bis zum LaPaNo erstmal die Gleise geändert werden. Der Gleismittenabstand ist dort zu gering - die B 80-Wagen der U 79 würden nicht aneinander vorbei passen, da sie 2,65 m breit sind ... die N-Wagen der 901/903 sind nur 2,20 m breit, daher passt der Abstand dort.

1 Antwort
Die U 79 von Duisburg nach Düsseldorf – Rekord-Stadtbahn mit Geisterbahnhof
von Bully51 | #14-1

Das ist richtig und deswegen hat die Stadt - wie ich gehört habe - beim Land Gelder für den Stadtbahnwagen-geeigneten Ausbau der Strecke Rampe-Meiderich Bhf bis Hst. Amsterdamer Straße beantragt.
Da die Stadt auf den teuren Tunnelbau verzichtet hat (und das Geld dafür in die "Unterpflasterstraßenbahn" D´dorf-Wehrhahn geflossen ist), stehen die Chancen für eine Bewilligung gut.

06.11.2012
06:58
Letzte Verlängerung 2010?
von Bully51 | #13

[quote]Letzte Verlängerung 2010[/quote]. Das ist so nicht ganz richtig. Die Stadtbahn soll immer noch am Landschaftspark Nord enden, vielleicht sogar - wie ursprünglich geplant - bis zur Rhein-Ruhr-Halle/FOC geführt werden. Wegen der Altlasten in Mittelmeiderich (Teersee) wohl nicht mehr im Tunnel, sondern oberirdisch.

1 Antwort
Die U 79 von Duisburg nach Düsseldorf – Rekord-Stadtbahn mit Geisterbahnhof
von Mastroianni | #13-1

Aber das ist doch Zukunftsmusik. Somit stimmt das schon so, die letzte Verlängerung gabs 2010.

05.11.2012
21:37
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #12

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

05.11.2012
19:32
Die U 79 von Duisburg nach Düsseldorf – Rekord-Stadtbahn mit Geisterbahnhof
von stefankaehler | #11

Gab es den Bericht vor 2, 3 Wochen schon mal?

05.11.2012
14:50
Die U 79 von Duisburg nach Düsseldorf – Rekord-Stadtbahn mit Geisterbahnhof
von buerger.huckingens | #10

@DVG-Fahrer:

Das Gebäude des ehemaligen Fuchsbaus gibt es heute noch, es steht unter Denkmalsschutz. Heute ist hier eine Kinderbetreuung/-tagesstätte untergebracht.

05.11.2012
11:51
Straßenbahnlinie 797 in Düsseldorf ???
von wattearvolt | #9

Vielleicht doch eher die Linie 707 ?

05.11.2012
10:56
Die U 79 von Duisburg nach Düsseldorf – Rekord-Stadtbahn mit Geisterbahnhof
von DerWestenDU | #8

Besten Dank, @DVG-Fahrer! Die Redaktion

05.11.2012
10:37
Die U 79 von Duisburg nach Düsseldorf – Rekord-Stadtbahn mit Geisterbahnhof
von denkstewohl | #7

...und weshalb 103 Jahre?

Rechnen ist kein Zauberwerk:

Differenz zwischen 1899 und 2012?

Na?

05.11.2012
09:30
Die U 79 von Duisburg nach Düsseldorf – Rekord-Stadtbahn mit Geisterbahnhof
von neuduisburger | #6

In ihrer 103-jährigen Geschichte gibt’s so viel zu entdecken wie in ihrer 103-jährigen Geschichte, geschrieben um 00:01 Wie hoch war zu dieser Zeit der Pegel??

05.11.2012
08:59
Die U 79 von Duisburg nach Düsseldorf – Rekord-Stadtbahn mit Geisterbahnhof
von dorfbeobachter | #5

"In ihrer 103-jährigen Geschichte gibt’s so viel zu entdecken wie in ihrer 103-jährigen Geschichte."
Liebe WAZ, wo findet man eine Anleitung zum Verständnis Ihrer Texte?

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