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Die schönsten Ecken des Problem-Stadtteils Duisburg-Marxloh

27.02.2011 | 10:00 Uhr
In Duisburg-Marxloh wohnen viele türkischstämmige Menschen. Foto: Tom Thöne / WAZ FotoPool

Duisburg.   Der Duisburger Stadtteil Marxloh ist bekannt für Probleme: Verfallene Häuser, leerstehende Geschäfte und unsichere Straßenecken. Doch es gibt Menschen, die gerne dort wohnen. Wir sind hin gefahren und haben uns von Lydia Windrich herumführen lassen.

Nach Marxloh traue sich die Polizei nur in Hundertschaftsstärke, hieß es im letzten „Schimanski“. Wir sind zu zweit dorthin gegangen. Passiert ist uns nichts, außer dass wir überdurchschnittlich oft freundlich gegrüßt wurden.

Wir starten mittendrin, zwischen einem „Jagdstübchen“ und einem „Kösem Kahve“ (zu Deutsch: Eck-Café). Lydia Windrich lebt seit 25 Jahren im wahrscheinlich buntesten Stadtteil Duisburgs, sie steht bei Wind und Wetter auf den Märkten in Bruckhausen und auf dem Johannesmarkt – und sie schreibt Gedichte: „Nein, ich schäme mich Deiner nicht, Marxloh, ich liebe Dich“, endet eine ihrer Schöpfungen.

Ganz besonders hängt sie am Schwelgernpark, dorthin führt unser erster Weg, vorbei an der Kiebitzmühle, die sicherlich mehr Aufmerksamkeit verdient hätte. Neben einem Kindergarten, fast versteckt unter Bäumen, ohne Hinweisschilder im Umfeld läuft der uninformierte Passant nur zu leicht vorbei am historischen Backsteinbau, einer von nur noch sechs Windmühlen in ganz Duisburg. Und einer mit einer eigenen Sage samt Goldschatz und Gruseleffekt (www.schwelgernpark.de).

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Der Schwelgernpark ist Lebensraum für viele Tiere

„Wir machen Druck, dass man die nicht verfallen lässt“, sagt Lydia Windrich, die sich mit anderen Marxlohern vehement für den Erhalt der Schwelgernpark-Bäume einsetzt und gegen zu umfangreiche Abrissaktionen für den Grüngürtel zwischen Hüttenwerk und Wohnvierteln.

Die Hütte gehört seit August Thyssens Zeiten zu Marxloh, im Schwelgernpark ist sie nicht zu übersehen, nicht zu überhören, nicht zu überriechen. Dennoch: Der Schwelgernpark samt Stadion ist ein Juwel und laut Lydia Windrich Lebensraum für eine stattliche Schar von Tieren. „Die Industrie“, sagt sie, „ist Freud und Leid zugleich.“ Je nach Licht erstrahlten die stählernen Hochofen-Giganten „im goldenen Anzug“.

Duisburgs Stadtteile IV

In Marxloh leben viele Ausländer

Unter prächtigen Bäumen gehen wir auf mehrstöckiges Backsteingebäude zu, in der Mitte ein Torbogen, der uns den Weg ins Marxloher Leben weist. Vorbei am Schwelgerngartenverein überqueren wir die Vereinsstraße mit ihren einst gutbürgerlichen Wohnhäusern. Neue Besitzer, erklärt mir Lydia Windrich, fangen meist innen mit der Modernisierung an. Zuversichtlich ist sie, dass es auch außen schöner wird, hier und an anderen Stellen in ihrem Stadtteil.

Daten und Zahlen
Marxloh in 60 Sekunden

Marxloh gehört zum Stadtbezirk Hamborn und hat 17?313 Einwohner. Davon sind 8422 Männer und 8891 Frauen. Der Ausländeranteil liegt bei 35,5 Prozent, 1975 waren es noch 18,8 Prozent.

Historische Keimzelle Marxlohs war der Schultenhof, heißt es bei Wikipedia. Der werde urkundlich erst 1421 erwähnt, sei aber wohl etliche Jahrhunderte älter.

Mit der Industrialisierung explodierte die Bevölkerungszahl der einst ruhigen Landgemeinde, Unternehmen wie Thyssen und Grillo prägten die Entwicklung. Das Pollmannkreuz (Weseler Straße/Kaiser-Wilhelm-Straße) kündet noch heute von einem einst wohlhabenden Marxloh.

Der für seinen hohen Ausländeranteil über Duisburg hinaus bekannt ist, vielleicht auch verkannt: „Es kommt auf die Menschen an, nicht auf die Nationalität“, ist die Erfahrung meiner Marxloh-Führerin. Und: „Man muss kein Türkisch sprechen, um hier zu leben.“ Auf der Schmelzerstraße vor zweistöckigen Arbeiterhäusern kicken Kinder, ein paar Schritte weiter öffnet sich der Blick auf die Moschee, die ohne Streit in der Nachbarschaft gebaut wurde und inzwischen beliebtes Ziel von Ausflügen ist – oft von kirchlichen Gruppen.

An Spazierwegen im Grünen gebe es keinen Mangel in Marxloh, erfahre ich, Freunde finde man wohl nirgendwo leichter. Ja, sagt Lydia Windrich, Probleme gebe es auch, unübersehbare sogar. An vielen Häusern müsste etwas getan werden, Leerstände bei Wohnungen und Läden sind allgegenwärtig. Aber: Es gibt auch ganze Straßenzüge, die sich in nichts von denen anderenorts unterscheiden. Zweiflern seien die Feld- und die Sandstraße empfohlen.

Duisburgs Stadtteile III

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Über die Kaiser-Friedrich-Straße nähern wir uns der Weseler Straße mit ihrer Ballung von Braut- und Festtags-Modehäusern, Juwelieren, Fotografen, aber auch Eisdielen, Ärzten, Rechtsanwälten. Großstädtisch ist die Bebauung – Marxloh hat schon bessere Zeiten gesehen. Aber auch schlechtere, sagt Lydia Windrich. Sterbenden Geschäftsstraßen hätten die Migranten-Geschäftsleute neues Leben eingehaucht, „trist und grau“ wie in den 80er Jahren sei die Marxloher Mitte jedenfalls nicht mehr: „Hier ist Leben auf der Straße, hier ist die Welt zu Hause. Ich wüßte keinen Grund, hier wegzuziehen.“

Duisburgs Stadtteile II

Bilder aus 115 Jahren Stadtgeschichte in...

Duisburgs Stadtteile I

Willi Mohrs

Kommentare
04.11.2012
13:02
Die schönsten Ecken des Problem-Stadtteils Duisburg-Marxloh
von Softy | #117

Marxloh war schon immer ein Problem. Kann ich mit Fug und Recht sagen, weil bin da aufgewachsen. Schwelgernpark war bereits Ende der 60er, anfangs...
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http://www.derwesten.de/staedte/duisburg/die-schoensten-ecken-des-problem-stadtteils-duisburg-marxloh-id4332855.html
2011-02-27 10:00
Duisburg