Die schönsten Ecken des Problem-Stadtteils Duisburg-Marxloh
25.02.2011 | 21:00 Uhr 2011-02-25T21:00:00+0100
Duisburg. Der Duisburger Stadtteil Marxloh ist bekannt für Probleme: Verfallene Häuser, leerstehende Geschäfte und unsichere Straßenecken. Doch es gibt Menschen, die gerne dort wohnen. Wir sind hin gefahren und haben uns von Lydia Windrich herumführen lassen.
Nach Marxloh traue sich die Polizei nur in Hundertschaftsstärke, hieß es im letzten „Schimanski“. Wir sind zu zweit dorthin gegangen. Passiert ist uns nichts, außer dass wir überdurchschnittlich oft freundlich gegrüßt wurden.
Wir starten mittendrin, zwischen einem „Jagdstübchen“ und einem „Kösem Kahve“ (zu Deutsch: Eck-Café). Lydia Windrich lebt seit 25 Jahren im wahrscheinlich buntesten Stadtteil Duisburgs, sie steht bei Wind und Wetter auf den Märkten in Bruckhausen und auf dem Johannesmarkt – und sie schreibt Gedichte: „Nein, ich schäme mich Deiner nicht, Marxloh, ich liebe Dich“, endet eine ihrer Schöpfungen.
Wie gut kennen Sie Duisburg? Testen Sie Ihr Wissen in unserem Stadt-Quiz! Um zu den Fragen zu gelangen, klicken Sie hier.
Ganz besonders hängt sie am Schwelgernpark, dorthin führt unser erster Weg, vorbei an der Kiebitzmühle, die sicherlich mehr Aufmerksamkeit verdient hätte. Neben einem Kindergarten, fast versteckt unter Bäumen, ohne Hinweisschilder im Umfeld läuft der uninformierte Passant nur zu leicht vorbei am historischen Backsteinbau, einer von nur noch sechs Windmühlen in ganz Duisburg. Und einer mit einer eigenen Sage samt Goldschatz und Gruseleffekt (www.schwelgernpark.de).
Der Schwelgernpark ist Lebensraum für viele Tiere
„Wir machen Druck, dass man die nicht verfallen lässt“, sagt Lydia Windrich, die sich mit anderen Marxlohern vehement für den Erhalt der Schwelgernpark-Bäume einsetzt und gegen zu umfangreiche Abrissaktionen für den Grüngürtel zwischen Hüttenwerk und Wohnvierteln.
Die Hütte gehört seit August Thyssens Zeiten zu Marxloh, im Schwelgernpark ist sie nicht zu übersehen, nicht zu überhören, nicht zu überriechen. Dennoch: Der Schwelgernpark samt Stadion ist ein Juwel und laut Lydia Windrich Lebensraum für eine stattliche Schar von Tieren. „Die Industrie“, sagt sie, „ist Freud und Leid zugleich.“ Je nach Licht erstrahlten die stählernen Hochofen-Giganten „im goldenen Anzug“.
In Marxloh leben viele Ausländer
Marxloh gehört zum Stadtbezirk Hamborn und hat 17?313 Einwohner. Davon sind 8422 Männer und 8891 Frauen. Der Ausländeranteil liegt bei 35,5 Prozent, 1975 waren es noch 18,8 Prozent.
Historische Keimzelle Marxlohs war der Schultenhof, heißt es bei Wikipedia. Der werde urkundlich erst 1421 erwähnt, sei aber wohl etliche Jahrhunderte älter.
Mit der Industrialisierung explodierte die Bevölkerungszahl der einst ruhigen Landgemeinde, Unternehmen wie Thyssen und Grillo prägten die Entwicklung. Das Pollmannkreuz (Weseler Straße/Kaiser-Wilhelm-Straße) kündet noch heute von einem einst wohlhabenden Marxloh.
Unter prächtigen Bäumen gehen wir auf mehrstöckiges Backsteingebäude zu, in der Mitte ein Torbogen, der uns den Weg ins Marxloher Leben weist. Vorbei am Schwelgerngartenverein überqueren wir die Vereinsstraße mit ihren einst gutbürgerlichen Wohnhäusern. Neue Besitzer, erklärt mir Lydia Windrich, fangen meist innen mit der Modernisierung an. Zuversichtlich ist sie, dass es auch außen schöner wird, hier und an anderen Stellen in ihrem Stadtteil.
Der für seinen hohen Ausländeranteil über Duisburg hinaus bekannt ist, vielleicht auch verkannt: „Es kommt auf die Menschen an, nicht auf die Nationalität“, ist die Erfahrung meiner Marxloh-Führerin. Und: „Man muss kein Türkisch sprechen, um hier zu leben.“ Auf der Schmelzerstraße vor zweistöckigen Arbeiterhäusern kicken Kinder, ein paar Schritte weiter öffnet sich der Blick auf die Moschee, die ohne Streit in der Nachbarschaft gebaut wurde und inzwischen beliebtes Ziel von Ausflügen ist – oft von kirchlichen Gruppen.
An Spazierwegen im Grünen gebe es keinen Mangel in Marxloh, erfahre ich, Freunde finde man wohl nirgendwo leichter. Ja, sagt Lydia Windrich, Probleme gebe es auch, unübersehbare sogar. An vielen Häusern müsste etwas getan werden, Leerstände bei Wohnungen und Läden sind allgegenwärtig. Aber: Es gibt auch ganze Straßenzüge, die sich in nichts von denen anderenorts unterscheiden. Zweiflern seien die Feld- und die Sandstraße empfohlen.
"Hier ist die Welt zu Hause"
Hier finden Sie die Serien der Lokalredaktionen in der Übersicht, zum Beispiel alle Stadtteilreports und alle Folgen von Duisburgs Top Ten.
Über die Kaiser-Friedrich-Straße nähern wir uns der Weseler Straße mit ihrer Ballung von Braut- und Festtags-Modehäusern, Juwelieren, Fotografen, aber auch Eisdielen, Ärzten, Rechtsanwälten. Großstädtisch ist die Bebauung – Marxloh hat schon bessere Zeiten gesehen. Aber auch schlechtere, sagt Lydia Windrich. Sterbenden Geschäftsstraßen hätten die Migranten-Geschäftsleute neues Leben eingehaucht, „trist und grau“ wie in den 80er Jahren sei die Marxloher Mitte jedenfalls nicht mehr: „Hier ist Leben auf der Straße, hier ist die Welt zu Hause. Ich wüßte keinen Grund, hier wegzuziehen.“

22:13
Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.
23:38
Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.
13:02
Marxloh war schon immer ein Problem. Kann ich mit Fug und Recht sagen, weil bin da aufgewachsen. Schwelgernpark war bereits Ende der 60er, anfangs 70er ein Saustall. Dann war da ja auch noch das Gleisdreieck und Bruckhausen.
Meine besten Erinnerungen waren noch der Kleingarten meines Vaters bei Schacht 2/5 und das schöne große Horten Kaufhaus am August-Bebel-Platz. Ganz zu schweigen von den Fachgeschäften in der Kaiser-Friedrich / Kaiser-Wilhelm / Weseler Str.
Als ich damals in den Schwarzwald emigrierte, war die Rhein-Ruhr-Halle noch Brachland. Das Stadtbad noch in Betrieb. Am liebsten war ich im Jubiläumshain, an der Fontäne. Jede Menge Kinos, Kneipen, Kioske. Dann kamen die Türken und der Niedergang. Nix gegen Multi-Kulti, bin auch nicht fremdenfeindlich. Aber was ich danach bei meinem letzten Besuch 1998 gesehen habe, hat mir bis heute gereicht.
Hier hätte viel früher was getan werden müssen.
Gute Nacht Marxloh..., träume weiter von deinen schönsten Ecken
07:17
Marxloh-Hamborn ist ein schöner Stadtteil im Duisburger Norden,nur Kohle und Stahl die grössten Arbeitgeber in der Region,hätten mehr mit in die Pflicht genommen werden müssen.Siehe das schöne Schwelgernbad ,dass da brach liegt und keiner kümmert sich. Es war die Perle von Marxloh,oder die schöne Rhein-Ruhr-Halle ,das Stadtbad...usw.
Alles wird in den Duisburger - Süden verfrachtet.Die Moschee ist der einzige Lichtblick im Norden,da kommt sogar der Ministerpräsident von NRW und die Mitglieder der Moschee kämpfen für uns, dass nicht alle Kirchen geschlossen werden,oder platt gemacht werden wie die Evangelische-Kirche AldenraderStr.Nun soll dieses grosse Billigcenter auf dem ehemaligen Zinkhüttenplatz gebaut werden,dann geht Marxoh noch mehr kaputt,es gibt genügend Beispiele in anderen Städten.Ich gebe von sneiper voll recht kann ich nur alles unterstreiche. gez ein dort aufgewachsener Marxloher
18:04
Marxloh.
Marxloh einst ein wohlhabender Stadtteil, pulsierender Mittelpunkt der arbeitenden Bevölkerung. Vom Knopf bis zur Pelzjacke konnte man in Marxloh alles einkaufen, bis zu dem Tag an dem die Politik beschloss, den Hamborner Stadtteil systematisch verkommen zu lassen. Als Kinder und später auch noch als Jugendliche war Marxloh unser Nabel zur Welt, mit seinen Kinos, Eisdielen, Tanzlokalen, öffentlichen Verkehrsmittel und Geschäften, bot es uns alles was wir zur der Zeit brauchten und auch mochten. In der Weihnachtszeit hatte Marxloh für uns Kinder etwas ganz besonderes.
Mit der Zuwanderung der sogenannten Gastarbeiter und dem Unwillen der Politik den Stadtteil aufrecht zu erhalten, begann der Untergang von Marxloh. Wenn ich heute das Wort Marxloh ins Gespräch bringe, so wird gleich ab gewunken und man fragt mich ob ich dort noch etwa wohne. Worte wie Brautkleidmeile, was nichts Schlechtes ist, aber in der Konzentration verursacht das bei manchen Menschen Unbehagen. Die Straßenbahnverbindung der Linie 903 hat den schönen Namen „Istanbul Express“. Das sogenannte Wunder von Marxloh kann ich nicht nachvollziehen, zu der Zeit hat man das Problem geschickt aus der Diskussion herausgehalten.
Und wenn ich dann lese in Marxloh ist alles Friede, Freundschaft, Eierkuchen, so möchte ich zum Schluss noch darauf hinweisen In welcher Richtung bei den letzten Kommunalwahlen sich die politische Meinung verschoben haben.
Servus kann ich da nur sagen!
08:26
Man kann doch nicht über eine Messerstecherei schreiben wenn Marxloh einem doch als wunderschön deklariert werden soll.
Also bitte Bernd ....
22:22
Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.
12:53
Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.
22:17
Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.
20:36
Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.