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Die schönsten Ecken des Problem-Stadtteils Duisburg-Marxloh

25.02.2011 | 21:00 Uhr
Die schönsten Ecken des Problem-Stadtteils Duisburg-Marxloh
In Duisburg-Marxloh wohnen viele türkischstämmige Menschen. Foto: Tom Thöne / WAZ FotoPool

Duisburg.   Der Duisburger Stadtteil Marxloh ist bekannt für Probleme: Verfallene Häuser, leerstehende Geschäfte und unsichere Straßenecken. Doch es gibt Menschen, die gerne dort wohnen. Wir sind hin gefahren und haben uns von Lydia Windrich herumführen lassen.

Nach Marxloh traue sich die Polizei nur in Hundertschaftsstärke, hieß es im letzten „Schimanski“. Wir sind zu zweit dorthin gegangen. Passiert ist uns nichts, außer dass wir überdurchschnittlich oft freundlich gegrüßt wurden.

Wir starten mittendrin, zwischen einem „Jagdstübchen“ und einem „Kösem Kahve“ (zu Deutsch: Eck-Café). Lydia Windrich lebt seit 25 Jahren im wahrscheinlich buntesten Stadtteil Duisburgs, sie steht bei Wind und Wetter auf den Märkten in Bruckhausen und auf dem Johannesmarkt – und sie schreibt Gedichte: „Nein, ich schäme mich Deiner nicht, Marxloh, ich liebe Dich“, endet eine ihrer Schöpfungen.

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Ganz besonders hängt sie am Schwelgernpark, dorthin führt unser erster Weg, vorbei an der Kiebitzmühle, die sicherlich mehr Aufmerksamkeit verdient hätte. Neben einem Kindergarten, fast versteckt unter Bäumen, ohne Hinweisschilder im Umfeld läuft der uninformierte Passant nur zu leicht vorbei am historischen Backsteinbau, einer von nur noch sechs Windmühlen in ganz Duisburg. Und einer mit einer eigenen Sage samt Goldschatz und Gruseleffekt (www.schwelgernpark.de).

Der Schwelgernpark ist Lebensraum für viele Tiere

„Wir machen Druck, dass man die nicht verfallen lässt“, sagt Lydia Windrich, die sich mit anderen Marxlohern vehement für den Erhalt der Schwelgernpark-Bäume einsetzt und gegen zu umfangreiche Abrissaktionen für den Grüngürtel zwischen Hüttenwerk und Wohnvierteln.

Duisburgs Stadtteile IV

Die Hütte gehört seit August Thyssens Zeiten zu Marxloh, im Schwelgernpark ist sie nicht zu übersehen, nicht zu überhören, nicht zu überriechen. Dennoch: Der Schwelgernpark samt Stadion ist ein Juwel und laut Lydia Windrich Lebensraum für eine stattliche Schar von Tieren. „Die Industrie“, sagt sie, „ist Freud und Leid zugleich.“ Je nach Licht erstrahlten die stählernen Hochofen-Giganten „im goldenen Anzug“.

In Marxloh leben viele Ausländer

Daten und Zahlen
Marxloh in 60 Sekunden

Marxloh gehört zum Stadtbezirk Hamborn und hat 17?313 Einwohner. Davon sind 8422 Männer und 8891 Frauen. Der Ausländeranteil liegt bei 35,5 Prozent, 1975 waren es noch 18,8 Prozent.

Historische Keimzelle Marxlohs war der Schultenhof, heißt es bei Wikipedia. Der werde urkundlich erst 1421 erwähnt, sei aber wohl etliche Jahrhunderte älter.

Mit der Industrialisierung explodierte die Bevölkerungszahl der einst ruhigen Landgemeinde, Unternehmen wie Thyssen und Grillo prägten die Entwicklung. Das Pollmannkreuz (Weseler Straße/Kaiser-Wilhelm-Straße) kündet noch heute von einem einst wohlhabenden Marxloh.

Unter prächtigen Bäumen gehen wir auf mehrstöckiges Backsteingebäude zu, in der Mitte ein Torbogen, der uns den Weg ins Marxloher Leben weist. Vorbei am Schwelgerngartenverein überqueren wir die Vereinsstraße mit ihren einst gutbürgerlichen Wohnhäusern. Neue Besitzer, erklärt mir Lydia Windrich, fangen meist innen mit der Modernisierung an. Zuversichtlich ist sie, dass es auch außen schöner wird, hier und an anderen Stellen in ihrem Stadtteil.

Der für seinen hohen Ausländeranteil über Duisburg hinaus bekannt ist, vielleicht auch verkannt: „Es kommt auf die Menschen an, nicht auf die Nationalität“, ist die Erfahrung meiner Marxloh-Führerin. Und: „Man muss kein Türkisch sprechen, um hier zu leben.“ Auf der Schmelzerstraße vor zweistöckigen Arbeiterhäusern kicken Kinder, ein paar Schritte weiter öffnet sich der Blick auf die Moschee, die ohne Streit in der Nachbarschaft gebaut wurde und inzwischen beliebtes Ziel von Ausflügen ist – oft von kirchlichen Gruppen.

Duisburgs Stadtteile III

An Spazierwegen im Grünen gebe es keinen Mangel in Marxloh, erfahre ich, Freunde finde man wohl nirgendwo leichter. Ja, sagt Lydia Windrich, Probleme gebe es auch, unübersehbare sogar. An vielen Häusern müsste etwas getan werden, Leerstände bei Wohnungen und Läden sind allgegenwärtig. Aber: Es gibt auch ganze Straßenzüge, die sich in nichts von denen anderenorts unterscheiden. Zweiflern seien die Feld- und die Sandstraße empfohlen.

"Hier ist die Welt zu Hause"

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Über die Kaiser-Friedrich-Straße nähern wir uns der Weseler Straße mit ihrer Ballung von Braut- und Festtags-Modehäusern, Juwelieren, Fotografen, aber auch Eisdielen, Ärzten, Rechtsanwälten. Großstädtisch ist die Bebauung – Marxloh hat schon bessere Zeiten gesehen. Aber auch schlechtere, sagt Lydia Windrich. Sterbenden Geschäftsstraßen hätten die Migranten-Geschäftsleute neues Leben eingehaucht, „trist und grau“ wie in den 80er Jahren sei die Marxloher Mitte jedenfalls nicht mehr: „Hier ist Leben auf der Straße, hier ist die Welt zu Hause. Ich wüßte keinen Grund, hier wegzuziehen.“

Duisburgs Stadtteile II
Bilder aus 112 Jahren Stadtgeschichte in...
Duisburgs Stadtteile I

Willi Mohrs

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Kommentare
03.01.2012
07:17
Die schönsten Ecken des Problem-Stadtteils Duisburg-Marxloh
von Gerechte | #116

Marxloh-Hamborn ist ein schöner Stadtteil im Duisburger Norden,nur Kohle und Stahl die grössten Arbeitgeber in der Region,hätten mehr mit in die Pflicht genommen werden müssen.Siehe das schöne Schwelgernbad ,dass da brach liegt und keiner kümmert sich. Es war die Perle von Marxloh,oder die schöne Rhein-Ruhr-Halle ,das Stadtbad...usw.
Alles wird in den Duisburger - Süden verfrachtet.Die Moschee ist der einzige Lichtblick im Norden,da kommt sogar der Ministerpräsident von NRW und die Mitglieder der Moschee kämpfen für uns, dass nicht alle Kirchen geschlossen werden,oder platt gemacht werden wie die Evangelische-Kirche AldenraderStr.Nun soll dieses grosse Billigcenter auf dem ehemaligen Zinkhüttenplatz gebaut werden,dann geht Marxoh noch mehr kaputt,es gibt genügend Beispiele in anderen Städten.Ich gebe von sneiper voll recht kann ich nur alles unterstreiche. gez ein dort aufgewachsener Marxloher

30.07.2011
18:04
Die schönsten Ecken des Problem-Stadtteils Duisburg-Marxloh
von sneiper | #115

Marxloh.

Marxloh einst ein wohlhabender Stadtteil, pulsierender Mittelpunkt der arbeitenden Bevölkerung. Vom Knopf bis zur Pelzjacke konnte man in Marxloh alles einkaufen, bis zu dem Tag an dem die Politik beschloss, den Hamborner Stadtteil systematisch verkommen zu lassen. Als Kinder und später auch noch als Jugendliche war Marxloh unser Nabel zur Welt, mit seinen Kinos, Eisdielen, Tanzlokalen, öffentlichen Verkehrsmittel und Geschäften, bot es uns alles was wir zur der Zeit brauchten und auch mochten. In der Weihnachtszeit hatte Marxloh für uns Kinder etwas ganz besonderes.

Mit der Zuwanderung der sogenannten Gastarbeiter und dem Unwillen der Politik den Stadtteil aufrecht zu erhalten, begann der Untergang von Marxloh. Wenn ich heute das Wort Marxloh ins Gespräch bringe, so wird gleich ab gewunken und man fragt mich ob ich dort noch etwa wohne. Worte wie Brautkleidmeile, was nichts Schlechtes ist, aber in der Konzentration verursacht das bei manchen Menschen Unbehagen. Die Straßenbahnverbindung der Linie 903 hat den schönen Namen „Istanbul Express“. Das sogenannte Wunder von Marxloh kann ich nicht nachvollziehen, zu der Zeit hat man das Problem geschickt aus der Diskussion herausgehalten.
Und wenn ich dann lese in Marxloh ist alles Friede, Freundschaft, Eierkuchen, so möchte ich zum Schluss noch darauf hinweisen In welcher Richtung bei den letzten Kommunalwahlen sich die politische Meinung verschoben haben.

Servus kann ich da nur sagen!

10.07.2011
08:26
Die schönsten Ecken des Problem-Stadtteils Duisburg Marxloh
von abuhampelmann | #114

Man kann doch nicht über eine Messerstecherei schreiben wenn Marxloh einem doch als wunderschön deklariert werden soll.

Also bitte Bernd ....

17.06.2011
22:22
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von Gottfried.v.Bouillon | #113

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17.06.2011
12:53
Blockierter Kommentar.
von Gottfried.v.Bouillon | #112

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16.06.2011
22:17
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von An77 | #111

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16.06.2011
20:36
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von An77 | #110

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16.06.2011
17:16
Die schönsten Ecken des Problem-Stadtteils Duisburg Marxloh
von Bernd1959 | #109

Die Messerstecherei fand am 15.06.2011 statt. In meiner obrigen Darstellung habe ich irrtümlich ein falsches Datum eingetragen.

16.06.2011
14:44
Die schönsten Ecken des Problem-Stadtteils Duisburg Marxloh
von Bernd1959 | #108

http://www.fotocommunity.de/pc/pc/mypics/30416/display/24976415

16.06.2011
13:14
Die schönsten Ecken des Problem-Stadtteils Duisburg Marxloh
von Bernd1959 | #107

21.06.2011 ca 18 Uhr. Messersteherei auf der B8 (Weselerstr.) die zum großen Polizeieinsatz und Vollsperrung der B8 führte. Komisch finde ich das weder hier Im Westen.de noch in der Tagespresse (WAZ & NRZ) darüber berichtet wird. Kann es daran liegen das es sich um die Beteiligten um Mitbürger mit Imigrationshintergrund handelt und Duisburg so weiter negativ in den Schlagzeilen wäre ?
Duisburg schafft sich ab !!

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Woran soll in Duisburg nicht gespart werden?
82 Millionen Euro soll Duisburg sparen. Das bedeutet viele Einschnitte im städtischen Leben. Welche der Sparmaßnahmen/Erhöhungen sollte Ihrer Meinung nach nicht umgesetzt werden? Die Zahl in den Klammern ist übrigens die Haushaltsentlastung, die sich die Stadt dadurch erhofft.

82 Millionen Euro soll Duisburg sparen. Das bedeutet viele Einschnitte im städtischen Leben. Welche der Sparmaßnahmen/Erhöhungen sollte Ihrer Meinung nach nicht umgesetzt werden? Die Zahl in den Klammern ist übrigens die Haushaltsentlastung, die sich die Stadt dadurch erhofft.

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