Die Rundum-Versorgung für die Schwerstkranken

Schwerstkranke bis zum Tod zu begleiten: Das sei doch die Aufgabe von Hospizen, so die landläufige Meinung. Doch die Versorgung Sterbender in ihrem gewohnten häuslichen Umfeld, bekommt einen immer größeren Stellenwert. Seit 2010 existiert das Palliativ Care Team Duisburg, das sich zur Aufgabe gemacht hat, diese Menschen, die unheilbar erkrankt sind, zu Hause ambulant und in den stationären Pflegeeinrichtungen zu versorgen.

Im Julie 2011 übernahm das Palliativ Care Team den ersten Patienten. Seitdem arbeiten drei Palliativpflegedienste, Die Pflege GmbH, medidoc GmbH und Malteser Ambulanter Pflegedienst, zusammen mit sieben Palliativärzten in dieser genossenschaftlichen Vereinigung. Rund um die Uhr versorgen sie die Patienten ambulant.

„Jeder Mensch in Deutschland hat ein Recht auf palliative Versorgung“, sagt der Arzt Michael Huhn-Gathmann aus dem Vorstand vom Palliativ Care Team Duisburg. „Wir reden hier nicht von der Oma, die an Altersschwäche stirbt, sondern wir haben es in unserer Arbeit mit schwerkranken Menschen zu tun, die große Schmerzen ertragen müssen, meist ans Bett gefesselt sind.“ So sind es meist Krebspatienten, die die insgesamt 25 Pflegekräfte zu Hause versorgen: vom Prostatakrebs bis zum Lungenkarzinom reichen die Erkrankungen der Menschen.

Wichtig sei es in diesem System der Versorgung, die Angehörigen zu integrieren. Oft seien diese hilflos im Umgang mit dem Schwerkranken und ihrer eigenen Situation. „Dabei müssen wir, wenn wir die Angehörigen miteinbeziehen, eine Vertrauensbasis schaffen, die Bedürfnisse der Angehörigen erkennen und ihnen die Grenzen der eigenen Belastbarkeit aufzeigen“, sagt Malgorzata Szajkowska, Geschäftsführung von medidoc GmbH und Vorstandsmitglied von Palliativ Care Team Duisburg.

So ist eine Rundumversorgung der Schwerstpatienten entstanden, die auch über ein Netzwerk von ambulanten und stationären Hospizen, Physiotherapeuten, Psychoonkologen, Hausärzten, Apotheken, Altenheimen, Palliativstationen in Krankenhäusern und Pflegediensten nahtlos ineinander greift. Dieses System gilt als Spezialisierte Ambulante Palliativ Versorgung (SAPV), und kommt dann zum Tragen, wenn Menschen sich in Krisensituationen mit einer ausgeprägten Krankheitssymptomatik, die als unheilbar gilt und sehr schwer einstellbar ist, befinden.

Etwa 500 Schwerstkranke, davon 93 Heimbewohner wurden im Jahr 2014 von 25 Pflegekräften und sieben Palliativärzten, die durch die besondere SAPV- Ausbildung qualifiziert sind, in einem speziellen Schichtsystem im gesamten Duisburger Bereich versorgt. „Wir haben ein 24-Stunden-Notfall-System, da sich die Lage unserer Patienten innerhalb von kurzer Zeit akut verschlechtern kann“, erklärt Michael Huhn-Gathmann. „Dafür, dass in der gesamten Stadt jährlich etwa 5000 Menschen sterben, haben wir schon eine gute häusliche Versorgungsquote von etwa einem Prozent erreicht.“

Palliativtag in der Mercatorhalle

Wichtig sei, dass man sich Zeit nehme für den Patienten, damit sie würdig Abschied aus dem Leben nehmen können. Ganz anders als bei der normalen Ambulanten Pflege, gelten für die SAPV- Pflegekräfte keine Taktzeiten, die von der Krankenkasse angeordnet sind. Und einige Aktionen, damit sich Fachpublikum und Laien über die Möglichkeiten innerhalb der Palliativ-Medizin informieren können, sind geplant: Am 5. September 2015 gibt es erstmals einen vom Palliativ-Netzwerk Du organisierten „Palliativtag“ in der Mercatorhalle, bei dem Fachleute zu allen Themen rund um die Versorgung Schwerstkranker informieren werden.