Die Rolle der Nebenrampe bei der Loveparade
02.08.2010 | 19:23 Uhr 2010-08-02T19:23:00+0200
Duisburg.Zehn Tage nach der Loveparade-Tragödie berichten Augenzeugen, dass sie zum Unglückzeitpunkt über einen anderen Weg aufs Gelände gelangten. Dadurch tauchen neue Fragen auf, welche Rolle die Nebenrampe gespielt hat.
Zehn Tage nach der Loveparade-Katastrophe haben sich bei der WAZ nun zwei Augenzeuginnen zu Wort gemeldet, die zum Unglückszeitpunkt den Tunnel an der Karl-Lehr-Straße von der Westseite aus (Dellviertel) betreten hatten, das Festivalgelände aber über eine zweite Rampe erreichten. Die lag – von dieser Seite aus betrachtet – vor der überfüllten Hauptrampe und war in den Planungen von Stadt und Veranstalter als alternativer Ausgang vorgesehen. Dadurch tauchen neue Fragen auf: Ab wann war diese zweite Rampe geöffnet? Wie lange kamen hier Besucher hinein oder hinaus? Wer war für ihre Bewachung, Öffnung und Schließung verantwortlich?
Claudia Borgers und Jessica Gerhold erreichten am Un-glücks-Samstag die Kreuzung Düsseldorfer Straße/Karl-Lehr-Straße gegen 16.30 Uhr. Dort sei es, so die beiden Duisburgerinnen, bereits sehr voll gewesen. Berittene Polizisten und andere Beamte versuchten, in diesem dichten Gedränge für Ordnung zu sorgen.
Genügend Polizei und Security
Gegen 16.40 Uhr gehörten die beiden zu einer großen Menschengruppe, die auf die Karl-Lehr-Straße gelassen wurde. „Es war genügend Polizei und Security da. Auch im Tunnel war es auf diesem ersten Stück nicht zu eng und gedrängt. Ich habe mich recht sicher gefühlt“, so Borgers.
Nach wenigen Metern im Tunnel wurden die Menschen nach links auf eine schmale Rampe geleitet. Hier wurde es eng, doch es ging zumindest langsam voran. Gegen 17 Uhr waren die beiden Frauen schließlich auf dem Gelände. „Es gab aber auf dem ganzen Weg keine Hinweisschilder mit Meterangaben bis zum Eingang“, berichtet Borgers. „Selbst wir als Duisburgerinnen wussten nicht, wo es genau entlang ging. So sind wir einfach der Masse hinterher.“ Und ortsunkundige Besucher hatten natürlich noch größere Probleme gehabt.
Schreckliche Bilder
Als die beiden Frauen dann die schrecklichen Bilder erstmals im TV sahen, wunderten sie sich. Die Nottreppe, an deren Fuß so viele Menschen den Tod fanden, die Lichtmaste oder den Container, über die viele Eingezwängte aufs Festivalgelände flüchteten – all das hatten sie nicht zu Gesicht bekommen. Um dieses Rätsel zu lösen, fuhren sie am Sonntagabend erneut zum Tunnel und erkannten erst jetzt, dass sie die Nebenrampe benutzt hatten. Und nicht die Hauptrampe. „Wir sind aufs Gelände gekommen, ohne den Weg zu nutzen, der so vielen zum Schicksal wurde.“
Wie lange die Nebenrampe für den Zustrom geöffnet war, wissen Borgers und Gerhold nicht. „Hinter uns kamen auf jeden Fall noch Menschen. Wann und wenn ja, warum diese Rampe wieder zugemacht wurde, wissen wir aber nicht.“ Angesprochen auf diesen Sachverhalt, erklärte Polizeisprecher Ramon van der Maat gestern: „Das ist Gegenstand der staatsanwaltlichen Ermittlungen. Auch diese Fragen gilt es zu klären.“

20:35
Sieh auf zu den Sternen.
Gib Acht auf die Gasse.
-Wilhelm Raabe-
www.loveparade2010doku.wordpress.com
21:04
In der Bildzeitung vom 28.07. war ein Bericht mit Photo von der Nebenrampe. Das Photo war von 16.43 Uhr und zeigte eine Polizeikette in der Mitte der Nebenrampe.
07:55
#33 ja VIP-eingang über die straße am güterbahnhog ist gesichert. ein bekannter (arbeitet für gewöhnlich für das sicherheitsunternehmen das zuständig war, an dem tag aber frei) musste relativ schnell vom gelände und fragte einen poliziszen, ob der diesen weg benutzen dürfte. antwort war ja, aber da vip-eingang müsste er ihn persönlich bis zum ausgang begleiten, da er ansonsten sofort aufgegriffen werden würde.
und ja, der zugang über diese straße ist eigentlich bekannt. für duisburger zumindest. in der berichterstattung über die LP wurde dieser zungang aber nie erwähnt. und das finde ich skandalös, da er der sicherste zugang zum gelände ist. klitschko als der mir einzig bekannte angekündigte vip, häte sich seinen zunagn auch über andere wege erboxt.
00:44
Ach ja: wieso eigentlich VIP-Eingang? gibt es da gesicherte erkenntnisse? Ich weiß lediglich, dass der vIP-Bereich in unmittelbarer Nähe des betreffenden Zugangs war.
00:43
@fliegepuk
Dieser Zugang zum Gelände ist ja allgemein bekannt. Ich habe mich auch gefragt, warum man nicht diesen Zugang benutzt hat, um Leute ins gelände zu lassen. Er ist nämlich erheblich breiter als die Tunnel-Lösung, quert keine Straßen- und Schienenwege und ist nur gut 500m zbis zum Veranstaltungsgelände lang. Die Autobahn war ebenfalls gesperrt. Daher hätte sich die Nutzung quasi aufgedrängt. Eingang durch den kurzen Weg, Ausgang am anderen Ende über die Rampe durch den Tunnel. Das hätte auch dafür gesorgt, dass der Tunnel nicht überfüllt, denn die Menge an Menschen, die sich vom Gelände auf den heimweg macht, war viel geringer und dadurch auch besser zu kntrollieren.
17:39
zu #30:
Ja, wie ich sagte: Eine sinnvolle Einbindung ins Gesamtkonzept...
17:34
zu #28 von Tiffy:
Diese VIP-Rampe wäre als Eingang sicher nicht in Frage gekommen, und die Idee der künstlichen Entzerrung der Besucherströme war absolut richtig.
Man hätte diese VIP-Rampe aber sehr gut als Ausgang nutzen können, weil in der Regel nicht alle Menschen gleichzeitig eine Veranstaltung verlassen. Zumindest wären sich dann ankommende und abreisende Besuchermassen auf der Rampe am Tunnel nicht in die Quere gekommen. Das hätte unter umständen die Katastrophe vermeiden können!
17:31
Und was dann? Tote VIPs etwa?
Sicherlich. Sie sind aber ja auch zu tausenden dort angereist...
Was die Nebenrampe betrifft. Es wurde doch schon längst berichtet, das diese kurzzeitig geöffnet war. Nur viel zu spät und man hätte dort vielleicht ein paar Ordner hinstellen sollen, die den Leuten auch sagen, das diese ein zusätzlicher Zugang sein soll.
Wiel interessanter ist wirklich die Frage, warum die Polizei auf der Hauptrampe diese Absperrung vorgenommen hat ohne die Zuläufe in den Tunnel zu regulieren.
Und warum der Zugang vom Kreisverkehr nicht für alle geöffnet wurde oder die A59 nicht als Zugang benutzt wurde.
Der Tunnel als einziger Zugang für die Massen war wirklich eine selten blöde Oranisation. Mit so schrecklichem Ausgang.
17:20
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14:56
Als ich das erste Mal davon hörte, dass die Loveparade auf dem Gelände des alten Güterbahnhofes stattfinden soll, habe ich mich gefragt, wie man es schaffen will die Besucherströme auf der extrem kurzen Distanz zwischen Hbf und Eingang am Verteilerkreis zu händeln. Zu Rückstaus kann es schließlich immer kommen. Zum Beispiel auch morgens, bevor das Gelände überhaupt öffnet... Dann hätte man es ja kaum geschafft den Bahnhof frei zu bekommen. Die Möglichkeit über die Karl-Lehr-Str. war mir garnicht so bewusst.
Somit erschien es mir zunächst als sehr plausibel, die Massen erstmal auf zwei verschiedene Wege zu schicken um das ganze zu entzerren. Und ich habe es nun auch nicht als so ein großes Problem angesehen, dass die Leute dann noch 2 Kilometer oder so laufen müssen.
Gebracht hat das ganze bekanntermaßen nicht viel, weil ja dann am Ende doch wieder alle aufeinandergetroffen sind.
Ich denke, der letztlich für VIPs genutzte Eingang hätte sinnvoll in das Gesamtkonzept eingearbeitet werden müssen. Aber als einziger Eingang, komplett ohne eine künstliche Entzerrung der Besucherströme, wäre das auch nicht gut gegangen.
(Ich versuche keineswegs das Konzept zu verteidigen, wollte nur sagen, dass ich ursprünglich die Idee dahinter ansatzweise nachvollziehen konnte.)