Die Null-Euro-Wahlkämpfer im Rennen um den OB-Posten in Duisburg

Während die Parteien und ihre Bewerber um den OB-Posten die Stadt schon mit ihren Wahlplakaten zupflastern, müssen die EInzelbewerber schon köämpfen, um sich überhaupt Gehör verschaffen zu können.
Während die Parteien und ihre Bewerber um den OB-Posten die Stadt schon mit ihren Wahlplakaten zupflastern, müssen die EInzelbewerber schon köämpfen, um sich überhaupt Gehör verschaffen zu können.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Die Einzelbewerber bei der Wahl zum neuen Duisburger Oberbürgermeister haben einen schweren Stand. Bei Podiumsdiskussionen werden sie nicht eingeladen, viel Geld für Plakate haben sie auch nicht. Wie können die OB-Einzelkandidaten überhaupt die Wähler erreichen?

Duisburg.. Der OB-Wahlkampf startet in die heiße Phase. In vier Wochen wählen die Duisburger ihren neuen Oberbürgermeister. Derzeit laufen sich die Kandidaten in verschiedenen Diskussionsrunden warm. Zumindest die der Parteien und der Initiativen.

Denn ganz egal, ob der DGB, die Kolpingfamilie, das Djäzz oder der Meidericher Bürgerverein die Kandidaten auf das Podium bittet: Auf den Stühlen sitzen dann stets nur die Nominierten der Parteien. Doch bekanntlich gibt es diesmal eine Vielzahl von Einzelbewerbern, die ohne jegliche Partei, Wählervereinigung oder Initiative im Rücken ihren Hut in den Ring geworfen haben. Es ist nicht einfach für diese „einfachen“ Bürger aus dem Volk, sich Gehör zu verschaffen.

Bei den öffentlichen Debatten auf dem Podium bleiben sie jedenfalls unberücksichtigt. Peter Ahmed Siegel kann ein Lied davon singen. Der 49 Jahre alte gebürtige Duisburger, der in Weeze lebt und sich dort als Fluglärm-Gegner einen Namen machte, blieb bei zwei Diskussionsrunden nur ein Platz in den Reihen der Zuschauer. Seine Anfrage, ob er denn auch auf dem Podium sitzen dürfe, wurde im Vorfeld sowohl von der Kolpingfamilie als auch vom DGB abgelehnt. „Undemokratisch“ sei das, ärgert sich Siegel.

Rudolf Kley darf nicht mal auf Podium seines Bürgervereins

Ein ähnliches Schicksal teilt Rudolf Kley, der bereits 2009 als OB-Kandidat für die Bürger Union ins Rennen ging. Bei der Podiumsdebatte in seinem Heimat-Bezirk, die der Meidericher Bürgerverein und das City-Management am 24. Mai veranstalten, bleibt der Apotheker außen vor. Er hat zwar eine Einladung erhalten, allerdings nur als Mitglied des Bürgervereins. Der Kandidat aus Meiderich darf nicht aufs Podium. Für „widersinnig“ hält das Kley und wirft dem Bürgerverein „Parteinahme“ vor. Die Auswahl sei „willkürlich“ und nehme Einfluss auf die nächste Kommunalwahl, kritisiert Kley.

Was also bleibt den Einzelbewerbern übrig, um auf sich aufmerksam zu machen? Wie versuchen sie den Wählern ihre Botschaften mitzuteilen? Funktioniert der Wahlkampf vornehmlich über das Internet? Mitnichten.

Harald Lenders, der 55 Jahre alte Hauptmann a.D. aus Homberg, klappert derzeit die Ortsteile ab. Freitag war er in Rheinhausen, morgen ist er in Beeck, fast jeden Tag reist er bis zur Wahl über die Duisburger Dörfer. Kein Wunder: Die Stadtteile zu stärken und ihnen mehr Eigenverantwortung zu geben, das ist einer der zehn Punkte aus seinem Wahlprogramm.

Frank Koglin setzt auf „Guerilla-Wahlkampf“

„Guerilla-Wahlkampf auf der Straße“ nennt auch Frank Koglin sein Erfolgsrezept. „Wenn ich mit den Leuten auf der Straße ins Gespräch komme, habe ich gute Chancen gewählt zu werden.“ Für ihn ist klar, dass er seine Kandidatur nur durchziehen kann, weil er selbstständig ist und sich seine Zeit etwas freier einteilen kann. Seine Flyer, die er auf eigene Kosten gedruckt hat, sind seine ständigen Begleiter, die er jeden, „der mir vor das Mundwerk kommt“ an die Hand gibt, um auf sich aufmerksam zu machen. Dazu dann noch der permanente Einsatz seines schwarz-weiß bedruckten Wahl-T-Shirts, um schon optisch zu signalisieren, was er will. Nämlich Duisburgs neuer OB werden.

Dass er als Einzelkandidat bei Podiumsdiskussionen nicht eingeladen wird, ärgert ihn. Ändern kann er es nicht. Sein, wie er selbst sagt, „low- bis no-budget“ erfordere halt einen kreativeren, engagierteren Wahlkampf, der vor allem von persönlichen Gesprächen gekennzeichnet sei. Am Anfang habe er sich schon gefragt, warum er sich das ganze überhaupt antue, doch im Moment „gewinne ich immer Spaß an dem Wahlkampf, weil mich die Gespräche auch ermuntern.“

Seine Homepage www.kultur-fuer-duisburg.de hat er selbst gebastelt und auch bei Facebook ist er vertreten. „Aber ich habe dort wissentlich nicht eine Unterstützer-Stimme bekommen. Der Weg ist nicht für das Politisieren geeignet“, glaubt der 44-Jährige. Dann schon lieber nach dem Motto „Tell-a-friend“, was man auch ganz schlicht Mund-zu-Mund-Propaganda nennen kann.

Sascha Miskov setzt auf Volksnähe

Mit seiner eigenen Homepage www.sascha-miskov.de kann selbiger aufwarten. Auch bei Facebook ist Sascha Miskov aktiv, hat eine eigene Gruppe eröffnet und Freunde gesammelt. Aber an den Erfolg über den virtuellen Weg mag er nicht so recht glauben. „Wenn Sie über mich schreiben ist das richtig gute Propaganda“, sagt er im Gespräch. „Ansonsten muss da ganze über Mund-zu-Mund-Propaganda laufen.“ Denn viel Zeit hat Sascha Miskov nicht: „Ich hab im Moment Mittagsschicht“. Das heißt für den Schmelzer von HKM aber nicht, dass er vollkommen chancenlos ist. „Ich bin ein bekannter Duisburger Jung im Süden“, setzt er selbstbewusst auf Volksnähe. Die war übrigens auch der Grund, warum er überhaupt kandidiert hat.

Denn die, das sind die Politiker der etablierten Parteien, „wissen doch gar nicht mehr, wie das Duisburger Herz tickt.“ Und weil alle im Bekannten- und Freundeskreis zwar immer gemeckert, aber nichts gemacht hätten, habe er sich gedacht: „Dann machst Du das jetzt.“ Natürlich werde viel Wahlkampf über den Bekannten- und Freundeskreis laufen und natürlich könne er bei den ganzen Plakaten der etablierten Parteien nicht mithalten. Aber „allein, meine Kandidatur ist doch schon ein Erfolg.“ Und dann dichtet der Mann: „Ob jung, ob alt, man kennt mich halt.“