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Militärdienst

Die Musterung kann schamverletzend sein

01.09.2010 | 11:49 Uhr
Die Musterung kann schamverletzend sein
Die Umstände der Untersuchungen während der Musterung können schamverletzend sein, vor allem, wenn sie von weiblichen Ärzten durchgeführt werden.

Duisburg. Martin Keuck engagiert sich im Netzwerk „Basta“ für die Abschaffung der männlichen Intimuntersuchung bei der Musterung durch Amtsärzte – und Amtsärztinnen. Frauen, die sich für den Wehrdienst melden, können sich ihren Arzt bereits aussuchen.

Nur mit einem Slip und einem Paar Turnschuhen bekleidet, sitzen mehrere junge Frauen in einem Wartezimmer. Ständig laufen fremde Männer mit Akten unter dem Arm an ihnen vorbei. Manche werfen im Vorbeigehen einen kurzen Blick auf die fast nackten jungen Frauen, die alle 17 oder 18 Jahre alt sind. Und in wenigen Minuten werden sich die jungen Frauen komplett entblößen und ihren Intimbereich von einem männlichen Arzt im Beisein der anderen Männer untersuchen lassen müssen. . .

Mit dieser Szenerie beginnt der schwedische Autor Lars G. Petersson sein Buch „Musterung – staatlich legitimierte Perversion“. Auf zwei Seiten beschreibt er, wie sich eine junge Frau fühlt und was sie bei der Musterung erdulden muss. Doch es ist nur eine Fiktion, denn in der Realität sind es junge Männer, deren Wehrdiensttauglichkeit so festgestellt wird – und das auch von weiblichen Ärzten im Beisein weiblicher Mitarbeiter.

Nicht so schlimm?

„Ach ja, dann ist es ja nicht so schlimm“ werden nach dem Lesen der ersten Zeilen jetzt viele denken. Klar, sagen die Männer, mussten wir doch alle über uns ergehen lassen. Nur dass man bei jungen Frauen Genitaluntersuchungen ohne Sichtschutz mit Sicherheit nicht durchführen würde. „Bei jungen Frauen, die sich zum Wehrdienst melden, ist das auch ganz anders“, weiß der Duisburger Martin Keuck, der vor einem Jahr auf „Basta“ gestoßen ist. „Basta“, ein loses Netzwerk von Gleichgesinnten, will aufklären und erreichen, dass dieser Teil der Musterung abgeschafft wird.

„Einen Teilerfolg hat Basta auch schon zu verzeichnen“, erklärt Martin Keuck. Denn seit einiger Zeit können seinen Recherchen nach junge Männer die Zwangsuntersuchung des Intimbereichs verweigern – ohne dass sie Strafen erwarten. Das war früher anders: Wer sich nicht untersuchen ließ, dem wurde mindestens ein Bußgeld angedroht.

„Ich verstehe nicht, warum heute überhaupt noch so krampfhaft an dieser Untersuchung festgehalten wird“, fragt sich Keuck. „Frauen, die sich für den Wehrdienst melden, können sich einen Gynäkologen ihrer Wahl aussuchen, der ihre Gesundheit attestiert. Das ist eine zentrale Dienstvorschrift.“

Frauen waren selten

Aus seiner persönlichen Erfahrung als Truppenarztschreiber während seines Wehrdienstes weiß Martin Keuck, dass sich in den vergangenen Jahren etwas geändert hat: „Die Wehrpflichtigen hatten damals mindestens eine Unterhose an, meist aber kamen sie im Trainingsanzug zur Untersuchung. Und während der Untersuchung durfte niemand den Raum betreten. Frauen waren selten. Heute gibt es bei den Untersuchungen zudem oft freie Sicht für alle.“ So beschreiben es Betroffene in dem Buch.

Begründet wird dies nach seinen Recherchen sogar mit dem Grundgesetz: als „zulässige Einschränkung der persönlichen Freiheit nach § 2 Absatz 1“. Keuck: „Aber in § 1 heißt es: Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

Folge des Gleichstellungsgesetzes

Dass immer mehr weibliches Personal bei der Musterung junger Männer eingesetzt werde, ist laut Keuck Folge des Gleichstellungsgesetzes. „Bei der Untersuchung von Frauen darf sich übrigens keine männliches Personal im Assistenzbereich aufhalten. Die jungen Männer werden zudem nur selten darüber informiert, dass sie einen Anspruch auf die Untersuchung durch einen gleichgeschlechtlichen Arzt haben“, so Keuck. Das leite sich aus dem § 81 der Strafprozessordnung ab, der Strafgefangenen dieses Recht gibt.

„Zum 1. September soll eine neue Dienstvorschrift in Kraft treten: Man darf sich für die Intimuntersuchung einen Urologen nach Wahl aussuchen“, macht Keuck jungen Wehrpflichtigen Hoffnung.

Das Buch „Musterung“ von Lars G. Petersson ist in England bei Chipmunkapublishing erschienen. Den Text für die Verweigerung der Intimuntersuchung verschickt „Basta“ auf Anforderung:
musterung@googlemail.com.
Weitere Informationen zum Thema im Internet:
www.musterung.us

Alfons Winterseel


Kommentare
10.09.2010
08:24
Die Musterung kann schamverletzend sein
von drachenkatz1 | #64

Ich möchte bei der Vermutung warum immer mehr weibliches Personal eingesetzt wird einen Schritt weiter gehen. Eine Intimuntersuchung macht im Grunde nur einen Sinn durch einen Urologen- wenn man der Behauptung folgen will das es um Hodenkrebs bzw. sonstige Erkrankungen der Geschlechtsorgane gehen soll. Nachdem die untersuchenden Ärzte keine Urologen sind - liegt die Vermutung viel näher das es um Gehorsam und klein machen geht. Auch ist eine vernünftig Untersuchung nicht in solch einer unpersönlichen und offenen Umgebung nötig und möglich.

Das die weiblichen Bewerber nicht solcher Prozedur ausgesetzt werden - ist ganz klar. Sie kommen freiwillig - also eine ganz andere Grundvoraussetzung. Außerdem wäre der Aufschrei riesig wenn so eine unmögliche Behandlung einer Frau zugemutet werden würde. Aus welchen Gründen auch immer - Frauen erfahren eine bessere Behandlung - und viel zu wenige hinterfragen warum Gleichbehandlung nur dort wo es ein Vorteil von Frauen ist eingefordert wird.

Bei der Intimmusterung der jungen Männer wird nicht der Sinn hinterfragt - es lief schon immer so - und das war es. Gut für die zuständigen Stellen das der psychologische Aspekt einfach nicht wahr genommen wird. Es wird Zeit das es thematisiert wird - und diese Untersuchung in der Form abgeschafft wird!

09.09.2010
19:21
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09.09.2010
18:48
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09.09.2010
18:44
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09.09.2010
17:38
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09.09.2010
15:34
Die Musterung kann schamverletzend sein
von NICK | #59

Weitere Veröffentlichungen zum Thema:

ttp://webjungs.de/junge-maenner/schule-beruf_3/wehrpflicht-zivi/neue-initiative-gegen-die-erniedrigungen-wahren-der-musterung/

http://www.dbna.de/leben/berichte/100828-musterung-und-wuerde.php


Die neue Initiative Musterung mit Würde ist bei facebook.com zu finden und und ihre Seite ist auch für NICHT-facebook-Mitglieder zugänglich:
http://www.facebook.com/group.php?gid=143457922343495&ref=mf

05.09.2010
16:36
Die Musterung kann schamverletzend sein
von ohmannohjens | #58

unos:....dass man sich hier in der schweiz sogar vom wehrdienst freikaufen(!) kann

Wäre auch eine gute Verdienstmöglichkeit für unseren Staat, wenn er alle Männer wieder einsklaven würde und der nicht verwendungsfähigen Überschuss müsste sich zwangsmäßig freikaufen. Ich will nur hoffen, dass er die Schweiz nicht als ausgezeichnetes geldeinbringendes Vorbild nimmt. Vielleicht kommen die Finanzmintster noch auf die eurosierendeIdee, eine Ausmusterungssteuer zu erheben.

05.09.2010
15:59
Die Musterung kann schamverletzend sein
von unos | #57

meine untersuchung erfolgt nächstes jahr, allerdings nicht in d-land sondern in der schweiz.
sie sollten auf jeden fall auf den wunsch jedes mündigen bürgers eingehen, der sich nicht in gegenwart einer frau entblössen möchte.
für mich selbst ist das kein problem, solange der arzt oder die ärztin kompetent ist und respektvoll mit mir umgeht.
wenn das ganze allerdings nur dazu dienen soll die neuen als disziplinierungsmassnahme systematisch zu entwürdigen, find ich das natürlich echt zum kotzen!
schlimmer find ich überhaupt das man(n) vom staat gezwungen wird arbeit zu leisten und zwar nur, weil man(n) männlich ist!
entweder sollten alle gezwungen werden oder gar niemand!
noch dicker kommts wenn man bedenkt, dass man sich hier in der schweiz sogar vom wehrdienst freikaufen(!) kann.

04.09.2010
15:20
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Name von Moderation entfernt | #56

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04.09.2010
13:31
Die Musterung kann schamverletzend sein
von Der Schütze | #55

Das die Musterung eine systematische Diskriminierung von Männern ist, ist offensichtlich. Bei Frauen würde man sich ein solches Vorgehen nie erlauben. Und was muss man hier wiedereinmal lesen: Einen Haufen von unglaublich dämlichen Kommentaren alla Das ist männlich, dass war schon immer so, da mussten wir alle durch...

Das sind genau die Hohlköpfe, auf die folgender Spruch passt: Wenn 10 Deustche von einem Amt eine schriftliche Aufforderung bekommen aus dem Fenster zu springen, machen es 8 davon.

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