Die Mau-Mau-WM ist kein Kinderspiel

Bis halb vier in der Frühe wurde in der Gaststätte „Pampus“ im Dellviertel Mau-Mau gespielt. Den Titel holte sich am Ende Uta Lindner (4. v. l. am Tisch, im karierten Hemd).
Bis halb vier in der Frühe wurde in der Gaststätte „Pampus“ im Dellviertel Mau-Mau gespielt. Den Titel holte sich am Ende Uta Lindner (4. v. l. am Tisch, im karierten Hemd).
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Was wir bereits wissen
Zum 25. Mal ging es in der Duisburger Gaststätte „Pampus“ um den inoffiziellen Weltmeistertitel im Mau-Mau. Nach beinahe acht Stunden stand die Siegerin fest.

Duisburg.. In der kleinen Eckkneipe im Dellviertel herrscht ordentlich Trubel. Die Gäste knubbeln sich an den Tischen, nur ein paar müssen sich unbedingt noch auf ein Zigarettchen nach draußen drängen. Hinter dem Tresen steht Wirtin Mary und zapft ein ums andere Bier an, wie sie es seit 1971 an dieser Stelle macht. So voll ist es hier nicht mehr oft, aber an diesem Abend wird Geschichte geschrieben, die Leute wollen dabei sein – bei der 25. inoffiziellen Mau-Mau-Weltmeisterschaft.

„Wir sind hier nun mal in einer Kneipe, also kann man es wohl auch Kneipensport nennen“, sagt Wolfgang Vogt, der aber alle anderen Klischees gleich vom Tisch wischen möchte. Mau-Mau sei kein reines Glücksspiel, schon gar kein Kinderspiel. Die WM-Teilnehmer seien sicher nicht nur zum Trinken hier, und obwohl es selbstverständlich Spaß machen soll, nehmen es die meisten doch sehr ernst. „Bei manchen sieht man am Anfang, wenn sie das erste Blatt in die Hand nehmen, sogar die Finger zittern. Die wollen unbedingt gewinnen.“

Der Champion des Vorjahres war früh aus dem Rennen

Das möchte auch Wolfgang selbst, der an jeder einzelnen Weltmeisterschaft im „Pampus“ teilgenommen hat. Dreimal holte er den Titel, geht in diesem Jahr als amtierender Champion ins Rennen um den großen Wanderpokal. „Deshalb wollen wir den auch ganz schnell raus haben“, hört man aus der anderen Ecke der Kneipe, die Gegner formieren sich bereits. Wolfgang ficht das nicht an. Er gehört zu den Spielern, die ruhig und taktisch vorgehen. „Man sollte seine Siebenen und Achten nicht gleich verbraten, denn wenn dann gemischt wird, könnten die anderen sie bekommen“, sagt Wolfgang. „Mau-Mau ist ein mathematisches Spiel.“

An einem anderen Tisch sorgen solche Taktik-Geplänkel für Unruhe. „Auslegen können, es dann aber nicht machen – so spielen doch Omas“, wettert Uta Lindner. Sie holte sich bereits 2011 den WM-Titel und brennt darauf, den Triumph zu wiederholen. „Alle wollen Weltmeister werden, und es wird das ganze Jahr über immer wieder darüber gesprochen, wer es geschafft hat“, erzählt Uta.

So konzentriert, als würde um Millionen gepokert

Während der Partien wird im „Pampus“ allerdings nur wenig gesprochen. Mal hört man, wie sich nach dem Legen eines Buben eine Farbe gewünscht wird, dann und wann kündigt jemand optimistisch die „letzte Karte“ an. Sonst geht es sehr konzentriert zu, fast wirkt es so, als würde hier um Millionen gepokert.

Für Wolfgang, der in den letzten drei Jahren dreimal im Finale stand, ist schon nach der Vorrunde Schluss. „Es lief von Anfang an nicht“, brummt er. Während der Abend für ihn früh vorbei ist, geht es für die Gewinnerinnen und Gewinner der fünf Vorrunden-Tische mit dem Finale weiter. Um 20 Uhr wurden die Barhocker besetzt, gegen halb vier sagt die neue Weltmeisterin zum letzten Mal „letzte Karte“. Es ist Uta Lindner. Bei ihrer fünften Teilnahme holt sie zum zweiten Mal den Titel. Was ab jetzt für ein Jahr ihr Lieblingsthema sein wird, ist damit klar.