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Antisemitismus-Debatte

Die Linke im Blickfeld

06.10.2011 | 16:57 Uhr
Die Linke im Blickfeld
Nach dem „Flaggen-Skandal“ während einer antiisraelischen Demonstration 2009 gegen den Gazakrieg kam es eine Woche später zu weiteren Demonstrationen. Diesmal auch pro Israel. Bilder : Jakob Studnar

Duisburg.Das Interesse an der Veranstaltung des Bündnisses gegen Antisemitismus im Internationalen Zentrum war so groß, dass noch weitere Stühle in den Saal gebracht werden mussten. „Das Problem heißt Antisemitismus – Duisburg, Die Linke und die Israelkritik“ lautete das Thema.

Gründe für die Durchführung der Veranstaltung gab es für das Bündnis gleich mehrere: Der Duisburger „Flaggen-Skandal“ im Januar 2009 als Polizeibeamte während einer Demonstration von 10 000 Anhängern von Milli Görüs gegen den Gazakrieg eine Israel-Fahne von einem Balkon holten; der Aufruf des damaligen OB-Kandidaten der Linken, Hermann Dierkes, zum Boykott israelischer Waren; das antisemitische Flugblatt, das den Davidstern mit einem Hakenkreuz zeigte und auf den Internetseiten der Duisburger Linken zu finden war.

Drei Referenten

Drei Referenten näherten sich dem Thema mit verschiedenen Blickwinkeln: Der Hamburger Geschichtswissenschaftler Olaf Kistenmacher setzte es in den historischen Kontext von der Haltung der KPD in Zeiten der Weimarer Republik bis in die linke 68er-Bewegung. Damals kam es zu einem versuchten Bombenanschlag der linksextremistischen „Tupamaros West-Berlin“ auf ein jüdisches Gemeindezentrum.

Sebastian Voigt, Co-Autor der Studie „Antisemiten als Koalitionspartner? Die Linkspartei zwischen antizionistischem Antisemitismus und dem Streben nach Regierungsfähigkeit“ erklärte, wo Israelkritik aufhöre und Antisemitismus anfange („Nicht jede Kritik an Israel ist antisemitisch.“). Zwar gebe es mehrere Kriterien, anhand derer Judenfeindlichkeit festgestellt werden könne, jedoch sei „immer eine Einzelfalldiskussion nötig“.

Sebastian Mohr, Mitbegründer des Bündnisses gegen Antisemitismus, lieferte den lokalen Bezug zum Thema der Veranstaltung und kritisierte im Zusammenhang mit den oben erwähnten Geschehnissen die Reaktionen in Duisburg. So habe der Wohnungsbesitzer, der die Flagge mit dem Davidstern bei der Demonstration an seinen Balkon gehängt habe, plötzlich die Rolle des ,Störenfrieds’ bekommen, der Polizeisprecher vom „südländischen Temperament“ der Demonstranten gesprochen. „Das wirft kein gutes Licht auf die Stadt.“

Dass sich trotz heftiger bundesweiter Kritik am Boykottaufruf die Linke in NRW und Duisburg hinter Hermann Dierkes gestellt habe stößt bei Mohr auf Unverständnis. Dies galt auch dafür, dass er weiterhin ein „geschätzter Gesprächspartner“ im Stadtrat sei und SPD-Innenminister Jäger (SPD-Vorsitzender in Duisburg), in einem Interview mit der „Welt“ kein Problem darin sah, in Duisburg mit den Linken (und den Grünen) eine Mehrheit im Rat zu bilden.

Veranstalter zufrieden

Und während es im März 2010 Massenproteste gegen den geplanten Sternmarsch von „Pro Köln“ auf die Merkez-Moschee in Marxloh gegeben habe, sei lediglich in der „taz“ darüber berichtet worden, dass drei Wochen später Milli Görüs-Gründer Erbakan Zuhörern in der voll besetzten Mercatorhalle gesprochen habe. Damals habe es keine Proteste gegen den Auftritt gegeben, obwohl gegen Israel und den Westen gewettert worden sei. „Wo bleibt der Aufstand der Anständigen?“

Felix Möser, Sprecher des Bündnisses, äußerte sich nach der Veranstaltung zufrieden über eine „fruchtbare Diskussion und gute Redebeiträge“. Der Streit um die Durchführung der Veranstaltung im Internationalen Zentrum (wir berichteten) sei beigelegt.

Alfons Winterseel

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Kommentare
11.10.2011
09:03
Die Linke im Blickfeld
von Simonaike | #18

Verleumdung schreibt man so, lieber Zensor...

07.10.2011
12:34
Die Linke im Blickfeld
von Simonaike | #17

@ findling
ach Gott, da kämpft eine arme Mutter aus Gaza seit 20 Jahren um die Freilassung eines Terroristen ääh ihres Sohnes? Die arme Frau. Was hat sie in der Erziehung falsch gemacht?

07.10.2011
12:33
Die Linke im Blickfeld
von Simonaike | #16

Faschismus ist keine Frage der Blickrichtung und Judenfeindlichkeit ebensowenig. Es geht der Linken in NRW und Duisburg nicht um Israel. Es geht Juden. Es geht darum, dass man Juden und ihren Bildungshunger, ihre Fähigkeiten und ihren Elan haßt. Und viele Juden leben eben in Israel - wenngleich es auch das einzige Land ist, in dem Palästinenser rechtlich gleichgestellt sind. Darum wird Israel als Judenstaat gehaßt. Wenn es wirklich um Menschenrechtsverletzungen gehen sollte, dann hätten Dierkes und Co. doch lohnendere Ziele,. Staaten in denen täglich Massenmorde passieren: Syrien, Iran, Nordkorea, Birma. Aber da sind die Täter keine Juden, daher schweigt die Linkspartei.

07.10.2011
10:06
Die Linke im Blickfeld
von JeJuko | #15

Die einseitige Stimmungsmache befördert doch Terroristen direkt nach Deutschland.

Nicht um sonst werden immer wieder junge Männer aus Nah-Ost bei uns festgenommen, die Terroranschläge in Deutschland planen. Gnade uns Gott, wenn das eines Tages glücken sollte...

06.10.2011
22:49
Die Linke im Blickfeld
von findling | #14

@ 13 Meinen Sie das wirklich ernst?

Ausgewogenheit muss sich an Fakten halten, ich vermag beides bei Ihnen nicht zu erkennen und die Sachlage kann ganz andere Verhältnisse aufweisen, als etwa „einen Schweinskopf gegen Folter“.
HRW und Amnesty haben einiges über beide Seiten zu berichten, doch wie sehen die Ausmaße aus?
Abbas hat heute vor dem EU-Parlament sprechen dürfen und es gewagt, den so bedeutenden Gefangenen „Gilad Schalit“ die unbedeutende Menge von 6000 inhaftierten Palästinensern gegenüberzustellen.
http://www.haaretz.com/news/diplomacy-defense/abbas-calls-on-eu-parliament-to-support-palestinian-spring-1.388598
Das ND berichtet dazu noch etwas anders:
Unerreichbare Gefängnisse
Seit 20 Jahren kämpft eine Mutter aus Gaza um Freiheit für ihren Sohn
http://www.neues-deutschland.de/artikel/208345.unerreichbare-gefaengnisse.html
Wollen Sie sagen, sie hätten noch nie etwas von Folter in israelischen Gefängnissen gehört oder lesen können?
Heute früh las ich in Haaretz einen Bericht (will jetzt nicht suchen) über israelische Polizeiübergriffe gegenüber Kindern – auch die zählen oft zu den Inhaftierten und zur Zeit kann man...
Aber schauen Sie sich mal selbst eine Woche lang nur http://www.haaretz.com
an,
Da werden sie mit der Zeit auch viel Historisches erfahren.
Aber die Bettruhe ruft - angenehme Nachtruhe!

06.10.2011
22:27
Die Linke im Blickfeld
von AusHamborn | #13

Jetzt entlarven sie sich aber selber... Sie argumentieren mit Schweinekopf vor Moschee gegen Mord und Folter im Gazastreifen. Amnesty International und HRW berichteten öfters...

Mit diesen Stilmitteln kann man nur eines ausdrücken: Völliges Desinteresse an einem dauerhaften und gerechten Frieden im Nahen Osten.

Die Überwindung kindischer Aufrechnungen und eine gerechte Be-/Verurteilung beider Lager muss das Ziel sein und keine Erniedrigung bzw Erhöhung der einen oder anderen Seite.

06.10.2011
21:25
Die Linke im Blickfeld
von findling | #12

Ach, waren auf dem Schal nicht die von Netanjahus Regierungspartei Likud auf Karten dargebotenen Umrisse des Staates Israel zu sehen oder hat da nur das Stückchen „Golanhöhen“ gefehlt?

Das täte natürlich weh!
Aber auch hier hätte die Veranstaltung Aufklärung bieten können,
Übrigens soll gerade eine Museum für Toleranz auf dem
größten historischen muslimischen Friedhof des Nahen-Ostens gebaut werden
http://www.haaretz.com/print-edition/news/architects-of-jerusalem-s-museum-of-tolerance-quit-as-construction-slated-to-begin-1.387968
Palästinenser in und außerhalb Israels protestieren, bisher vergebens.
Ja, für dieses Jahr gäbe es einiges, was man sich merken könnte.

06.10.2011
21:02
Die Linke im Blickfeld
von grandmastr | #11

@3:
Man braucht die Linke nicht zu diffarmieren. Das schafft sie selbst schon sehr gut. Davidstern im Hakenkreuz, Boykottaufrufplakate die in Schriftart und Design wie im 3. Reich aussehen, Auftritten in denen man einen Schal trägt auf Israel nicht abgebildet ist (wohl aber das Gebiet von Israel).

Und das sind nur die Sachen aus diesem Jahr die ich mir so gemerkt habe.

06.10.2011
20:42
Die Linke im Blickfeld
von findling | #10

@8
„..Tausende Palästinenser leben im israelischen Exil..?“
Nun da ließe sich, lieber Hamborner, sicher einiges zu sagen.

Die Tage wurde berichtet, wie ein Palästinenserlager in Syrien unter Beschuss lag, Hintergrund sollte sein, dass die Hamas sich weigerte für Assad einzutreten.
Da könnte der Staat Israel ja Asyl bieten, was diese Menschen sicher freuen würde, denn für die wäre es die Rückkehr in ihre Heimat.
Nicht im Exil leben anderen Palästinenser, etwa die in Galiläa denen gerade die Moschee abgebrannt wurde, die Täter sollen aus Safed stammen.
Ich las vor Tagen in „der Westen“, dass dieses Örtchen jetzt zur Partnerstadt einer NRW-Gemeinde erkoren wurde.
Auch aus dieser Region wurde ein Gerichtsurteil bekannt. Nach 7 Jahren gerichtlichen Streit war es einer Palästinenserfamilie gelungen zugestanden worden, endlich ein Wohnhaus in dem Örtchen Rakefet zu errichten, man darf nämlich als „israelischer Araber“ nicht überall in Israel wohnen.
Ich empfehle Ihnen dazu eine Recherche in Haaretz.
Wird eingewandt, es handele sich bei Rakefet um „dörflichen Bereich“, sollte man die Entstehung der nächstgelegenen Stadt Karmiel betrachten, die als Partnerstadt von Berlin Charlottenburg-Wilmersdorf ausgewiesen ist.
Im englischsprachigen Wikipedia – nicht im deutschen, aber die dort zugehörigen Landkarten sind in beiden von „Freundschaft für Israel“ geprägt – ist dazu ein Hintergrund zu lesen, wie man ihn aus den Siedlungsvorgängen aus dem Westjordanland gewohnt ist, nur eben auf das Jahr 1964 verlegt: Enteignungen von „Arabern“ und Weigerung ihres Zuzugs.

Wenn man sich aber mit Tel-Aviv und „seiner Altstadt“ Jaffa beschäftigt, dazu:
Supreme Court backs Jews-only housing in Jaffa neighborhood
www.haaretz.com/news/national/supreme-court-backs-jews-only-housing-in-jaffa-neighborhood-1.323421
oder etwas älter:
Pigs head found near Jaffa mosque
www.haaretz.com/print-edition/news/pig-s-head-found-near-jaffa-mosque-1.167660

Nicht verschwiegen wird:
Tel Aviv to build affordable housing for Jaffas Arab residents
www.haaretz.com/print-edition/news/tel-aviv-to-build-affordable-housing-for-jaffa-s-arab-residents-1.346102
Jedoch würde man sich eine falsche Vorstellung machen, wenn man glaubte, seit der als „Unabhängigkeitskrieg“ deklarierten Vertreibung weiter Teile der indigenen Bevölkerung hätte sich das Geschehen in „Israel“ in westeuropäischen Verhältnissen entsprechenden Entwicklungen vollzogen. Deshalb sei noch auf einen Beitrag über die „internen Vertriebenen“ und ihre Rechtsstellung verwiesen,
www.haaretz.com/print-edition/opinion/the-high-court-and-fear-of-return-1.93063

Ich gebe zu, eine Menge Holz, aber sie sollen ja wissen, was im Nahen-Osten so irgendwie en vogue ist, daran scheint es Ihnen zu mangeln.

06.10.2011
20:19
Die Linke im Blickfeld
von findling | #9

So, so lieber Hamborner!

Ja, die Realität zeigt mindestens 5 bis 6 Millionen vertriebene Palästinenser, hingegen fast 6 Millionen zugewanderte Menschen im ehemaligen Palästina, ein Schelm der da Ursache und Wirkung zu erkennen glaubt?
War es nicht der endlos lange Osloprozess der auch von einem Netanjahu zum Stillstand gebracht worden war und dann der Gang auf dem Tempelberg von Ariel Scharon, neben dem Terror eines Staates und seiner Siedler der viele tote Palästinensern hervorbrachte, der Gegengewalt provozierte.
Und – by the way – haben Sie eigentlich zu der Veranstaltung inhaltliche Aussagen zu machen, was hier zu schreiben Anlass böte, oder können Sie nur Propagandaphrasen wiederholen?
Oder können Sie auch einen Bezug zum Jetzt herstellen, wo in der UN eine Lösung angestrebt wird?

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Woran soll in Duisburg nicht gespart werden?
82 Millionen Euro soll Duisburg sparen. Das bedeutet viele Einschnitte im städtischen Leben. Welche der Sparmaßnahmen/Erhöhungen sollte Ihrer Meinung nach nicht umgesetzt werden? Die Zahl in den Klammern ist übrigens die Haushaltsentlastung, die sich die Stadt dadurch erhofft.

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