Die letzte Vorführung in der „Lichtburg“ in Rheinhausen

„Dort oben war der Vorführraum der Lichtburg“, zeigt Günter Lang, der in dem einstigen Kino „Lichtburg“ in Duisburg-Rheinhausen auf der Friedrich-Alfred-Straße jobbte.
„Dort oben war der Vorführraum der Lichtburg“, zeigt Günter Lang, der in dem einstigen Kino „Lichtburg“ in Duisburg-Rheinhausen auf der Friedrich-Alfred-Straße jobbte.
Foto: Blick vom Winkhauser Weg
Was wir bereits wissen
Der 78-jährige Günter Lang aus Duisburg-Bergheim arbeitete in jungen Jahren in mehreren Kinos in Homberg und Rheinhausen als Filmvorführer.

Duisburg.. Es gibt in Duisburg zwei Kinos: das Filmforum am Dellplatz und das UCI am Hauptbahnhof. Zu Spitzenzeiten Anfang der 50er Jahre waren es noch über 60. Ein Boulevard der Lichtspielhäuser war die Friedrich-Alfred-Straße in Rheinhausen-Mitte. Dort buhlten einst bis zu vier Kinos auf ein paar hundert Metern um die Gunst der Filmfreunde. Günter Lang erinnert sich noch genau an diese Zeiten. Der 78-Jährige hat damals in vielen der Häuser als Filmvorführer gearbeitet. So auch in der „Lichtburg“, in der er Ende der 70er die allerletzte Vorführung dort auf die Großleinwand brachte.

Treffpunkt: Friedrich-Alfred-Straße. An der Ecke zur Annastraße steht noch heute jener beigefarbene Zweckbau, der schon von außen an ein Kino erinnert. „Das war einst die Lichtburg mit knapp 800 Plätzen. Und hier draußen hingen früher die Plakate“, sagt Lang und zeigt auf eine der verdreckten Wände des seit Jahren leer stehenden Gebäudes. „Die größten Exemplare wurden von Plakatmalern angefertigt.“

Durch eine kleine Tür links vom Haupteingang, die heute zugemauert ist, führte der Weg über eine steile Metalltreppe hinauf in den Vorführraum. Dort standen zwei Projektoren. „Wir haben ja damals noch mit Überblende gearbeitet“, sagt er. Überblende? „Ja, früher wurden die Filme noch – je nach Länge – auf fünf bis sieben Filmrollen angeliefert. Und wenn in einem Projektor die erste Rolle am Ende war, musste ich als Vorführer möglichst übergangslos auf den anderen überblenden, damit der Film weiterging“, erklärt Lang die Technik. Manchmal waren die Rollen jedoch falsch sortiert. „Da tauchte in einem Western plötzlich ein Revolverheld wieder auf, der zuvor bereits erschossen wurde“, erzählt Lang eine Anekdote und lacht. „Da wollte mich das Publikum verkloppen.“

Direkt neben dem Homberger „Saalbau“-Kino aufgewachsen

Sein Herz hatte der frühere Angestellte der Hüttenwerke Rheinhausen und von Krupp („Ich stand beim Arbeitskampf mit Fackel auf der Rheinhausen-Brücke“) schon als Kind ans Kino verloren. „Damals haben wir Schrott gesammelt und verkauft, um so an die 30 Pfennig für eine Karte für die Kindervorstellung zu kommen.“ Damals wohnte Lang mit seiner Familie noch in Alt-Homberg. Und zwar am Bismarckplatz im Nachbarhaus des „Saalbau“-Kinos.

Dort brachte man ihm später mit Anfang 20 den Job des Filmvorführers bei. Und er lernte schnell die Schattenseiten kennen: Den Film „Ein Herz spielt falsch“ mit O. W. Fischer und Ruth Leuwerik musste er etliche Wochen zweimal am Tag gezwungenermaßen mit ansehen. „Hinterher konnte ich die Dialoge mitsprechen“, seufzt Lang.

Filmrisse und leicht entzündliches Filmmaterial

Verlassen durfte er den Vorführraum während der Vorstellung nie. Die Technik war einfach zu empfindlich und anfällig: So konnte es Probleme mit den Kohlestäben geben, mit denen das Licht für die Projektoren erzeugt wurde. Filmrisse mit Sofort-Klebemaßnahmen waren an der Tagesordnung. „Das ganz alte Filmmaterial war auch extrem schnell entzündlich und deshalb ein Gefahrenherd“, sagt Lang.

Das Kleben der Filme ermöglichte ihm einen lukrativen Akt des Stibitzens. Im Film „Die Sünderin“ hat Hildegard Knef eine Nacktszene. „24 Bilder ergeben eine einzige Sekunde Film. Wenn man da eines heraustrennte, fiel das gar nicht weiter auf.“ Es gab aber große Nachfrage nach besagtem Knef-Motiv. „Die paar Mark, die man dafür bekam, waren damals ein kleines Vermögen.“ Seine Lust aufs Kino hat Günter Lang übrigens bis heute behalten. Erst vor einigen Tagen schaute er sich „Honig im Kopf“ an. „Und es war toll – so wie immer im Kino.“

Marxloh war einst eine Kino-Hochburg

Auch im heutigen Duisburger Norden gab es einst zahlreiche Kinos. Die Hochburg der Lichtspielhäuser in Hamborn lag damals in Marxloh. Ende der 30er Jahre gab es in der ehemals selbstständigen Großstadt insgesamt neun „Thea­ter“, wie sie sich nannten, vier davon in Marxloh, dem Einkaufszentrum.

Nach 1945 stieg ihre Zahl sogar auf elf an, davon sechs in Marxloh. Heute gibt es in Hamborn und im gesamten Norden der Stadt kein einziges Kino mehr.

Zu nennen wären für Marxloh das „Moderne Theater“ an der Weseler Straße (523 Plätze), das bis Ende der 60er Jahre existierte, ferner das „Provinzial-Theater“ an der Weseler Straße (878 Plätze), das bis in die 60er Jahre als „Profi“ weiter firmierte, außerdem an der Kaiser-Wilhelm-Straße das „National-Theater“ (558 Plätze), das im Krieg zerstört wurde, und das „Tivoli-Theater“ (391 Plätze). Auch sein Gebäude wurde zerstört, das Kino da­nach aber wieder eröffnet. Es bestand bis Anfang der 60er Jahre.

Das „Atlantis“ als Erstaufführungskino mit 1000 Plätzen

Ab 1954 lief das „Atlantis“ an der Weseler Straße in Marxloh mit rund 1000 Plätzen allen Konkurrenten den Rang ab, es war ein Erstaufführungskino. Als Erstaufführungsrechte nur noch an Häuser in Stadtmitte vergeben wurden, schloss es als letztes Hamborner Kino 1972.

In Alt-Hamborn gab es dagegen vor dem Krieg nur zwei Kinos, die „Lichtburg“ (345 Plätze) und das „Metropol“, damals mit 996 Plätzen das größte – beide an der Jägerstraße. Weitere zwei Kinos existierten in Neumühl, das „Corso“ an der Lehrerstraße und die „Schauburg“ an der Holtener Straße. Nach dem Krieg kam an der Lehrerstraße noch das „Deli“ hinzu. In Bruckhausen gab es nur vor dem Krieg den „Pa­last“ Im Kringelkamp.