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Die letzte Vorführung in der „Lichtburg“ in Rheinhausen

25.01.2015 | 09:00 Uhr
Die letzte Vorführung in der „Lichtburg“ in Rheinhausen
„Dort oben war der Vorführraum der Lichtburg“, zeigt Günter Lang, der in dem einstigen Kino „Lichtburg“ in Duisburg-Rheinhausen auf der Friedrich-Alfred-Straße jobbte.Foto: Udo Milbret

Duisburg.   Der 78-jährige Günter Lang aus Duisburg-Bergheim arbeitete in jungen Jahren in mehreren Kinos in Homberg und Rheinhausen als Filmvorführer.

Es gibt in Duisburg zwei Kinos: das Filmforum am Dellplatz und das UCI am Hauptbahnhof . Zu Spitzenzeiten Anfang der 50er Jahre waren es noch über 60. Ein Boulevard der Lichtspielhäuser war die Friedrich-Alfred-Straße in Rheinhausen-Mitte. Dort buhlten einst bis zu vier Kinos auf ein paar hundert Metern um die Gunst der Filmfreunde. Günter Lang erinnert sich noch genau an diese Zeiten. Der 78-Jährige hat damals in vielen der Häuser als Filmvorführer gearbeitet. So auch in der „Lichtburg“, in der er Ende der 70er die allerletzte Vorführung dort auf die Großleinwand brachte.

Treffpunkt: Friedrich-Alfred-Straße. An der Ecke zur Annastraße steht noch heute jener beigefarbene Zweckbau, der schon von außen an ein Kino erinnert. „Das war einst die Lichtburg mit knapp 800 Plätzen. Und hier draußen hingen früher die Plakate“, sagt Lang und zeigt auf eine der verdreckten Wände des seit Jahren leer stehenden Gebäudes. „Die größten Exemplare wurden von Plakatmalern angefertigt.“

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Wer hat noch alte Kino-Fotos?

Das älteste Kino in Rheinhausen war das der belgischen Besatzungstruppen 1922/23. Das Gebäude an der Schwarzenberger Str. wurde später zum Stadttheater umgebaut. Es gab u.a. noch das „Capitol“, das „Castell“ (Geeststraße), das „Gloria“, das „Corso“ und den „Georg-Palast“.

Haben Sie, liebe Leser, noch alte Fotos, die hiesige Kinos zeigen? Bitte schicken Sie sie uns! E-Mail: redaktion.duisburg@waz.de. Post: WAZ, Harry-Epstein-Platz 2, 47051 Duisburg.

Durch eine kleine Tür links vom Haupteingang, die heute zugemauert ist, führte der Weg über eine steile Metalltreppe hinauf in den Vorführraum. Dort standen zwei Projektoren. „Wir haben ja damals noch mit Überblende gearbeitet“, sagt er. Überblende? „Ja, früher wurden die Filme noch – je nach Länge – auf fünf bis sieben Filmrollen angeliefert. Und wenn in einem Projektor die erste Rolle am Ende war, musste ich als Vorführer möglichst übergangslos auf den anderen überblenden, damit der Film weiterging“, erklärt Lang die Technik. Manchmal waren die Rollen jedoch falsch sortiert. „Da tauchte in einem Western plötzlich ein Revolverheld wieder auf, der zuvor bereits erschossen wurde“, erzählt Lang eine Anekdote und lacht. „Da wollte mich das Publikum verkloppen.“

Direkt neben dem Homberger „Saalbau“-Kino aufgewachsen

Sein Herz hatte der frühere Angestellte der Hüttenwerke Rheinhausen und von Krupp („Ich stand beim Arbeitskampf mit Fackel auf der Rheinhausen-Brücke“) schon als Kind ans Kino verloren. „Damals haben wir Schrott gesammelt und verkauft, um so an die 30 Pfennig für eine Karte für die Kindervorstellung zu kommen.“ Damals wohnte Lang mit seiner Familie noch in Alt-Homberg. Und zwar am Bismarckplatz im Nachbarhaus des „Saalbau“-Kinos.

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Das älteste Kino in Rheinhausen war das der belgischen Besatzungstruppen 1922/23. Das Gebäude an der Schwarzenberger Str. wurde später zum Stadttheater umgebaut. Es gab u.a. noch das „Capitol“, das „Castell“ (Geeststraße), das „Gloria“, das „Corso“ und den „Georg-Palast“.

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Dort brachte man ihm später mit Anfang 20 den Job des Filmvorführers bei. Und er lernte schnell die Schattenseiten kennen: Den Film „Ein Herz spielt falsch“ mit O. W. Fischer und Ruth Leuwerik musste er etliche Wochen zweimal am Tag gezwungenermaßen mit ansehen. „Hinterher konnte ich die Dialoge mitsprechen“, seufzt Lang.

Filmrisse und leicht entzündliches Filmmaterial

Verlassen durfte er den Vorführraum während der Vorstellung nie. Die Technik war einfach zu empfindlich und anfällig: So konnte es Probleme mit den Kohlestäben geben, mit denen das Licht für die Projektoren erzeugt wurde. Filmrisse mit Sofort-Klebemaßnahmen waren an der Tagesordnung. „Das ganz alte Filmmaterial war auch extrem schnell entzündlich und deshalb ein Gefahrenherd“, sagt Lang.

Das Kleben der Filme ermöglichte ihm einen lukrativen Akt des Stibitzens. Im Film „Die Sünderin“ hat Hildegard Knef eine Nacktszene. „24 Bilder ergeben eine einzige Sekunde Film. Wenn man da eines heraustrennte, fiel das gar nicht weiter auf.“ Es gab aber große Nachfrage nach besagtem Knef-Motiv. „Die paar Mark, die man dafür bekam, waren damals ein kleines Vermögen.“ Seine Lust aufs Kino hat Günter Lang übrigens bis heute behalten. Erst vor einigen Tagen schaute er sich „Honig im Kopf“ an. „Und es war toll – so wie immer im Kino.“

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2015-01-25 09:00
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