Die Geige steht unter Strom

Als Residenzkünstler der Duisburger Philharmoniker hat der Geiger Kolja Blacher in dieser Spielzeit bereits ganz unterschiedliche Facetten seiner Künstlerpersönlichkeit gezeigt – beim Abschiedskonzert am Sonntag, 19. April, um 19 Uhr im Theater am Marientor kommt eine weitere hinzu. Als er neben seiner solistischen Karriere als 1. Konzertmeister der Berliner Philharmoniker in der Ära Claudio Abbados wirkte, freundete sich Blacher mit dem australischen Bratscher und Komponisten Brett Dean an. Seine Musik zeichnet sich durch eine hohe innere Dynamik aus; rhythmische und melodische Muster werden zu Klangflächen von elektrisierender Wucht vernetzt. 2013 brachte Blacher mit dem Münchner Kammerorchester die „Electric Preludes“ zur Deutschen Erstaufführung und lernte dafür sogar ein neues Instrument: Die sechssaitige elektrische Violine fordert dem Geiger ganz ungewohnte Spielweisen ab, beschert dafür aber ein enorm erweitertes Ton- und Klangspektrum.

Bevor die „Electric Preludes“ aufgeführt werden, eröffnen Blacher und sein vertrauter Duo-Partner Clemens Hagen das Konzert mit Maurice Ravels Sonate für Violine und Violoncello, in der sich der große Impressionist ungewöhnlich konstruktiv und spröde gibt. Am Ende steht die 15. (und letzte) Sinfonie von Dmitri Schostakowitsch, die der russische Pianist Viktor Derevianko für Violine, Violoncello, Klavier, Celesta und drei Schlagzeuger bearbeitet hat. Es ist eine tragisch grundierte, aber auch von spleenigem Humor durchzogene Musik. Blacher arbeitet noch einmal mit Mitgliedern der Duisburger Philharmoniker zusammen. Die Leitung hat der junge koreanische Dirigent Seokwon Hong.