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Anmeldeverfahren 2010

Die Eltern haben sich von Hauptschule abgewendet

08.02.2010 | 17:16 Uhr
Die Eltern haben sich von Hauptschule abgewendet

Nur noch 140 Kinder haben bei dem jetzt abgeschlossenen Anmeldeverfahren für die weiterführenden Schulen der Stadt den Wunsch geäußert, eine der 13 Hauptschulen zu besuchen. Viel zu wenig, um dafür weiterhin eine komplette Schulform vorzuhalten.

Am 11.11.2009 sitzt der Rektor der Gottfried-Könzgen-Hauptschule in Duisburg-Mitte, Heinz-Dieter Peters, in einem Klassenraum seiner Schule. Er kämpft für den Erhalt der Hauptschulen, obwohl seine Schule im Sommer des nächsten Jahres geschlossen werden soll. Foto: Stephan Eickershoff

Nur noch 140 Kinder haben bei dem jetzt abgeschlossenen Anmeldeverfahren für die weiterführenden Schulen der Stadt den Wunsch geäußert, eine der 13 Hauptschulen zu besuchen. Viel zu wenig, um dafür weiterhin eine komplette Schulform mit zahllosen Gebäuden und hoch qualifizierten Pädadogen vorzuhalten.

 Das bedeutet: Keine einzige Hauptschule wäre angesichts der desaströsen Zahlen heute in der Lage, die gesetzlich geforderte zweizüge Eingangsstufe (2 x 18 Schüler) zu errichten. Sogar nur eine einzige 5. Eingangsklasse würden die meisten Hauptschulen zum kommenden Schuljahr nicht zustande bekommen.

Auch Realschule bröckelt

Deshalb kommt jetzt Karl Janssen, der städtische Schuldezernent, gegenüber der NRZ zu dem Schluss: „Die Eltern in Duisburg wollen die Hauptschule nicht mehr. Aber auch der Zuspruch zur Realschule bröckelt deutlich. Das bedeutet, dass das dreigliedrige Schulsystem in Duisburg nicht mehr zu halten sein wird.” Dieser Realität müsse man sich - bar jeder Ideologie - einfach stellen.

In Duisburg herrsche ein klares Übergewicht der Gesamtschulen. Sie sei bundesweit die Stadt mit den meisten Schulstandorten dieser Art, diese Entscheidungen dafür seien aber bereits vor vielen Jahren in Duisburg so geschaffen worden. Janssen: „Diese Realität schlägt bei der Schulwahl der Eltern aber heute durch.” Hauptschulen würden also über kurz oder lang (bis zirka zum Jahr 2016) aus dem Duisburger Leben verschwinden. Im Gegenzug müssten die Gesamtschulen aber dann gestärkt werden. Janssen: „Dann aber wird die Gesamtschule keinerlei Abschiebemöglichkeiten von Schülern mehr haben, was immer schon pädagogisch falsch und sehr fraglich war.”

Dem kürzlich vorgetragenen Wunsch der Stadt Duisburg, aus Hauptschule und Realschule eine so genannte „Verbundschule” zu machen habe die Landesregierung, so Janssen, aber eine Absage erteilt. Und irgendeine zusammengeschobene Verbundschule, mit möglicherweise sogar getrennten Gebäuden und Schulhöfen, habe man auch nicht gewollt, sondern schon eine mit einem pädagogischen Konzept.

Es läuft auf zwei Schulformen hinaus

Jetzt laufe es darauf hinaus, dass es - mittelfristig - statt vier nur noch zwei Schulformen nebeneinander geben werde: Die Gesamtschule und das Gymnasium - die aber dann beide stärker als bisher mit einander kooperieren müssten.

Details:

Am 11.11.2009 steht der Rektor der Gottfried-Könzgen-Hauptschule, Heinz-Dieter Peters, vor seiner Schule in Duisburg-Mitte. Er kämpft für den Erhalt der Hauptschulen, obwohl seine Schule im Sommer des nächsten Jahres geschlossen werden soll. Foto: Stephan Eickershoff

Wie immer halten die Zahlen eines Anmeldeverfahrens für die derzeit 46 weiterführenden Schulen der Stadt eine Reihe von Überraschungen bereit.

Gymnasium: Hier überraschen drei Gymnasien: 1.) Das Walsumer Kopernikus-Gymnasium kommt nur auf 88 Anmeldungen, das ist ein Minus von 40. Wo sind die Schüler geblieben? Vermutlich bei der benachbarten Gesamtschule Walsum.

2.) Das Homberger Haniel-Gymnasium macht einen Sprung nach vorne und sammelt 146 Anmeldungen ein, 56 mehr als im Jahr zuvor. Möglicher Grund: Die Nachbarstadt Moers hatte erstmals nicht vor , sondern zur gleichen Zeit wie Duisburg das Anmeldeverfahren laufen.

3.) Das Steinbart-Gymnasium ist der Match-Gewinner 2010: Hier wollen doppelt soviele Schüler hin, wie ans benachbarte „Landfermann”, das erstmals Nachfrage auch abgewiesen hat. Das Steinbart wird ein bis zwei Züge ins Wasserviertel abgeben.

Realschule: Die Realschulen bröckeln, hatte Schuldezernent Janssen gesagt. Mehr noch: Die August-Thyssen-Realschule (Hamborn) mit nur 26 Anmeldungen, sowie beide Realschulen in Rheinhausen wie auch die Realschule Süd verzeichnen im jüngsten Anmeldeverfahren dramatische Einbrüche bei der Elternachfrage. Die Willi-Fährmann-Realschule hat sich gar halbiert und ist von 94 auf 48 Erstwünsche geplumpst. Beide nachfrage-reduzierten Rheinhauser Realschulen würden jetzt in ein einziges Gebäude passen.

Die ebenfalls sechszügige Realschule Süd steht mit nur 67 Anmeldungen entkleidet dar. Ursache: Unklar. Aber: Am System Realschule haben sich in 2010 insgesamt 110 Kinder weniger angemeldet als 2009. Die Karl-Lehr-Realschule wird vermutlich an die südliche Nachbarschule Überkapazitäten abgeben. Es werden mit der Schulaufsicht Gespräche geführt.

Gesamtschule: Anhaltend hohe Nachfrage (mit lokalen Einbrüchen: Leibniz in Hamborn: minus 87 Schüler). 45,3%, also fast jedes zweite Schulkind soll nach der 4. Klasse Grundschule eine Gesamtschule besuchen. 2011 Kinder wollen, aber nur für 1802 ist Platz, bleiben 200 Kinder, die auf Hauptschulen umverteilt werden.

Hauptschule: Desaströses Ergebnis. Das Ende ist unausweichlich.

Zahlen und Daten:

Im Folgenden sind die detaillierten Zahlen der Anmeldungen nach Schultyp und Stadtbezirk aufgeführt. Die erstgenannte, fettgedruckte Zahl hinter dem Schulstandort gibt die aktuelle Anmeldezahl aus dem jetzt abgeschlossenen Anmeldeverfahren 2010 wider, die nachfolgende (mager gedruckte) Zahl ist die Vergleichszahl aus dem Anmeldeverfahren im Vorjahr 2009. Bie den hauptschulzahlen muss man beachten, dass jetzt 2010 erstmals reine Erstanmeldungen gelistet werden, die Zahl aus 2009 sind eine Kombination aus Erstwunsch und abgewiesenen Gesamtschulkandidaten.

HAUPTSCHULEN

Walsum:

Ludgerusschule 6 / 26

Hamborn:

Anne-Frank-Schule 21 / 19

Comenius-Schule 14 / 31

Meiderich/Beeck:

Bronkhorst 3 / 18

Heinrich-Böll-Schule 9 / 31

Homberg/Ruhrort:

In den Haesen 10 / 19

Mitte:

E.-Rentmeister-Sch. 14 / 23

Gneisenaustraße 16 / 29

Hitzestraße 19 / 32

Rheinhausen:

Fr.-Ebert-Straße 8 / 32

Lange Straße 3 / 24

Schulallee 6 / 36

Süd:

Beim Knevelshof 11 / 21

Gesamt: 140 / 354

REALSCHULEN

August-Thyssen 26 / 58

Hamborn II 91 / 91

Fr.-Nansen 38 / 29

Realschule Fahrn 112 / 93

G.-Heinemann 101 / 119

G.-Stresemann 79 / 84

Karl-Lehr 101 / 99

Realschule R'hs. 36 / 53

Willi-Fährmann 48 / 93

Süd 67 / 91

Gesamt: 699 / 809

GYMNASIEN

A.-Einstein 76 / 70

Elly-Heuss-Knapp 124 / 124

Fr.-Haniel 146 / 90

Kopernikus 88 / 128

Krupp 121 / 136

Mannesmann 169 / 178

Max-Planck 120 / 141

Mercator 109 / 92

Steinbart 184 / 133

Gesamt: 1234 / 1220

Abtei (kirchl.) 88 / 90

St.-Hildegardis (kirchl.) 70 / 90

Ges. alle Gymn. 1392 / 1400

GESAMTSCHULEN

Süd 216 / 217

Mitte 210 / 231

Globus (Mitte) 102 / 102

L.-Meitner Rhs 209 / 236

H.-Heine Rhs. 147 / 143

E.-Kästner Homb. 134 / 165

Ruhrort 66 / 73

Meiderich 217 / 210

Th.-König Beeck 89 / 101

Hamborn-Neumühl 108 / 123

Leibniz Hamborn 176 / 263

Grillo Marxloh 90 / 90

Walsum 247 / 217

Gesamt: 2011 / 2171

Vorhande GS-Plätze 1802

somit Überhänge von 200

Stefan Endell

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