Die Duisburger Filmwoche zeigte einst auch Spielfilme

Ein Bild der Duisburger Filmwoche von 1982: Die damalige Festivalleiterin Angela Haardt (Mitte) verantwortete später von 1990 bis 1997 die Oberhausener Kurzfilmtage.
Ein Bild der Duisburger Filmwoche von 1982: Die damalige Festivalleiterin Angela Haardt (Mitte) verantwortete später von 1990 bis 1997 die Oberhausener Kurzfilmtage.
Foto: Kinemathek im Ruhrgebiet/Paul Hofmann
Was wir bereits wissen
  • Die Duisburger Filmwoche als Festival des deutschsprachigen Dokumentarfilms steigt 2016 zum 40. Mal
  • Angela Haardt war in den Anfangsjahren die Festivalleiterin und blickt auf die 70er und 80er zurück
  • Die längste Diskussion nach Filmende dauerte im Jahr 1979 über vier Stunden

Duisburg..  Die Duisburger Filmwoche erlebt in diesem Jahr ihre 40. Auflage. Den runden Geburtstag wollen wir nutzen, um einen Blick auf die Anfänge des Festivals zu werfen. Zu den Akteuren der ersten Stunde zählt auch Angela Haardt. Die heute 73-Jährige war von 1978 bis 1981 sowie 1984 insgesamt fünf Jahre die Leiterin dieses Festivals des deutschsprachigen Dokumentarfilms. „In den ersten Jahren haben wir aber nicht nur Dokus gezeigt“, erzählt die Wahl-Berlinerin zu Beginn des Telefoninterviews einen verblüffenden Fakt. „Es gab auch noch Spielfilme zu sehen, die es schwer hatten, im normalen Kinoprogramm unterzukommen.“

Stadt strich den Finanzzuschuss

1977 erlebte die Filmwoche ihre Premiere – als nationales Festival für den deutschsprachigen Film. Die Stadt steuerte zur Erstauflage noch einen Zuschuss in Höhe von 150 000 Mark bei. Doch nach einem Krach um die Finanzen wurde dieser Betrag fürs Folgejahr gestrichen. Und bei besagter zweiter Filmwoche hatte Angela Haardt den Hut der Verantwortung auf. „Ich wurde damals zur Leiterin des kommunalen Kinos ernannt, hatte eine Festanstellung bei der VHS und war somit auch für die Filmwoche verantwortlich“, sagt Haardt. Man habe viel improvisieren müssen, um trotz der prekären Finanzsituation das Festival gestemmt zu bekommen. 37 000 Mark gab’s vom NRW-Kultusministerium. Das war’s. „Wir haben es trotzdem irgendwie hinbekommen.“ Spielort war in den ersten Jahren noch das „Studio M“ in der alten Mercatorhalle. „Der Umzug ins Kino am Dellplatz erfolgte erst 1981“, berichtet Haardt.

Von Beginn an stieß die Filmwoche beim Fachpublikum und der Medienszene auf ein großes Interesse. Das „normale Publikum“ sei aber zunächst nur schwer zu begeistern gewesen, räumt Haardt ein. Vielleicht lag das auch an den Diskussionen nach Filmende, die von den Filmemachern mit den Zuschauern geführt wurden und nicht selten ausuferten und in kontroversen Debatten oder sogar Streitereien endeten. „Diese Diskussionen und ihre Protokollierung waren von Beginn an das Markenzeichen der Filmwoche – und sind es bis heute geblieben“, sagt die frühere Festivalleiterin.

Den längsten verbalen Schlagabtausch in der Filmwochen-Historie lieferte sich übrigens Regisseurin Helga Reidemeister mit ihrem Publikum im Jahr 1979: Erst nach vier Stunden erhitzter Debatte über ihr Familien-Drama „Von wegen Schicksal“ war auch das allerletzte Argument ausgetauscht. Das Protokoll dazu ist daumendick.

Ihre Aufgabe als Festivalleiterin hat sie rückblickend gerne wahrgenommen. „Auch wenn das stets sehr stressige Zeiten waren“, gibt Haardt zu. Doch der Ansporn für sie und ihr Team um Organisationsleiterin Rosemarie Schatter lag auf der Hand: „Wir wollten ästhetisch, politisch und gesellschaftlich bedeutsamen Filmen eine Bühne geben. Wir wollten das Wichtige zum Vorschein bringen. Und das haben wir auch geschafft.“

Farockis Arbeiten schätzte sie sehr

Nach ihrer Lieblingsdokumentation gefragt, muss Haardt erst einmal laut seufzen, ehe sie antwortet: „Das ist schwer. Es gab so viele gute und wichtige.“ Nach kurzer Bedenkzeit erbittet sie sich die Möglichkeit der Nennung mehrerer Titel. „Zwischen zwei Kriegen“ von Harun Farocki sei ganz sicher dabei. Auch „Septemberweizen“ von Peter Krieg. „Und vieles von Christoph Hübner und Gabriele Voss schätze ich auch sehr“, so Haardt.

Inzwischen sei das Festival enorm gewachsen. Der heutige Festivalleiter Werner Ruzicka (seit 1985 in dieser Funktion) hat es um Dokumentationen aus Österreich und der Schweiz erweitert. Es genießt hohes Ansehen in der Branche. Auch deshalb stellt Angela Haardt fest: „Duisburg kann stolz darauf sein, dass es so etwas wie die Filmwoche hat.“ Denn es sei das einzige Festival, das bis heute konsequent auch ästhetische Maßstäbe an die Filme anlegt.

In Darmstadt aufgewachsen

Angela Haardt wurde 1942 geboren. Sie wuchs in Darmstadt auf. Heute lebt die 73-Jährige in Berlin. 23 Jahre – zwischen 1977 und 2001 – war Duisburg bzw. Oberhausen ihre Heimat. Hier leitete sie die Duisburger Filmwoche und später die Oberhausener Kurzfilmtage. Nach ihrer Amtszeithat sie die Filmwoche noch öfter besucht. „Ich war aber schon länger nicht mehr dort“, sagt sie.