Die besten Tipps fürs Drachensteigen an Rhein und Ruhr

Trocken sollte es sein, wenn man einen Drachen steigen lassen möchte. Je nach Material des Fliegers reicht schon wenig Wind.
Trocken sollte es sein, wenn man einen Drachen steigen lassen möchte. Je nach Material des Fliegers reicht schon wenig Wind.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Drachensteigen ist einer der Herbstklassiker. Zwei Drachen-Experten aus Moers erklären was man für dieses Hobby braucht und verraten, wo Kinder oder Erwachsene im westlichen Ruhrgebiet und am Niederrhein ihren Drachen am Besten steigen lassen können.

Duisburg/Niederrhein.. Wenn sich der Herbst von seiner schönen Seite zeigt, gibt es im westlichen Ruhrgebiet und am Niederrhein zahlreiche Ausflugs- und Sportmöglichkeiten. Ob nun Pilze sammeln, Joggen gehen oder einfach eine Waldspaziergang im herbstlichen Sonnenschein – Möglichkeiten bietet die Region viele.

Zu den Herbst-Klassikern gehört es auch, Drachen steigen zu lassen. Dazu muss es eigentlich nur trocken sein und mitunter reicht auch schon ein laues Lüftchen, sagen Tanja Josten und Jörg Döpp. Und die beiden müssen es wissen, schließlich sind sie sogar Deutsche Meister in ihrem Metier. Das Paar aus Moers gibt einige Tipps und nennen die besten Orte fürs Drachensteigen.

Das beste Einstiegsalter und der beste Einstiegsdrachen

Ab drei, vier Jahren können Kinder ihren ersten kleinen Drachen steigen lassen, selbstverständlich unter den wachsamen Augen der Eltern oder Großeltern, schätzt Jörg Döpp. Er selbst hat seinen ersten Drachen mit fünf oder sechs Jahren in die Luft gebracht. „Das war auf der Insel Fanö in Dänemark. Da haben wir früher jedes Jahr den Urlaub verbracht und ich habe mit jedes Jahr einen neuen Drachen gekauft.“

Gerade bei jüngeren Kindern sollte der Drachen aber nicht zu groß sein. „Der Mensch muss den Drachen beherrschen, nicht umgekehrt“, unterstreicht der 38-Jährige. Mit 18, 19 Jahren hat er dann begonnen, selbst Drachen zu bauen. Und auch die lässt er mit seiner Lebensgefährtin über der dänischen Nordseeinsel aufsteigen. Dort steigt nämlich immer im Juni ein riesiges Drachen-Festival, zu dem sich Drachenbauer aus ganz Europa treffen.

Kinder steigen am besten mit einem Lenkdrachen ein, denn Einleiner finden sie häufig sehr schnell zu langweilig. „Recht robust sind Lenkmatten, die wie ein Fallschirm aussehen. Diese Drachen haben keine Holzleisten oder Stäbe als Verstärkung und gehen bei einem Absturz nicht so schnell kaputt“, erklärt Tanja Josten. Außerdem lassen sich damit Tricks und Figuren in der Luft machen, genau das Richtige für Kinder, die Action und Bewegung wollen“, findet die die 36-Jährige.

Je nach Material des Drachens braucht man mal mehr, mal weniger Wind: Ein Drachen aus Seide fliegt schon bei einer halben Windstärke, der schwere Baumwolldrachen braucht eher Windstärke fünf bis sechs. Für den „Standarddrachen“, wie er im Geschäft zu kaufen ist, ist Windstärke zwei bis drei optimal.

Was kostet ein Drachen in der Anschaffung?

„Flugtaugliche“ Discounter-Ware gibt es schon ab 5 Euro zu kaufen, nach oben sind die Grenzen auch bei Flugdrachen offen. „Ab 20 Euro bekommt man schon einen Drachen, der eine Klasse besser ist als der vom Discounter“, sagt Jörg Döpp. Das wäre dann ein Motivdrachen, ein so genannter Einleiner, der mit einer Leine gesteuert wird. Ein Lenkdrachen für Einsteiger, das sind dann Zweileiner, ist für etwa 30 bis 40 Euro zu haben.

Unsere beiden Drachen-Experten aus Moers nähen sich ihre Fluggeräte jedoch selbst. Sei es zuhause an der Nähmaschine oder in einem Drachen-Workshop, zu dem sich Drachen-Profis immer wieder treffen. Drachenbau-Seminare für erwachsene Anfänger gebe es derzeit noch nicht, dafür aber kleinere Workshops für Kinder, zum Beispiel bei Drachenfesten, erklären die beiden Drachenfans.

Tipps und Bauanleitungen, wenn es denn ein individueller Drachen sein soll, gibt es auch in Online-Foren, auf denen sich die Drachenszene austauscht, zum Beispiel Drachenforum.netoder Einleiner-Forum.de.

Wieviele verschiedene Arten von Drachen gibt es überhaupt

Weit verbreitet sind die so genannten Ein- und Zweileiner – die Zahl steht für die Zahl der Schnüre, an denen der Drachen befestigt ist. Einleiner gibt es in ganz vielen unterschiedlichen Formen, der Phantasie sind nahezu keine Grenzen gesetzt.

Von den Zweileinern, die auch unter dem Namen Lenkdrachen bekannt sind, gibt es etwa zehn unterschiedliche Formen. Das ist auch der klassische Einsteigerdrachen für Kinder. Die Cracks lassen dann sogar Drachen mit vier Leinen steigen, mit denen sie noch mehr Flugtricks vollführen können.

Die besten Orte in der Region fürs Drachensteigen

Prinzipiell kann man Drachen auf jeder großen Freifläche steigen lassen. Am Niederrhein und im westlichen Ruhrgebiet bieten sich insbesondere die alten Bergehalden an, auf denen sich viele Drachenfreunde – dazu gehören auch Kiter und Sportdrachenflieger – treffen. „Vorteil der Halden ist es, dass der Wind dort oft konstanter weht“, sagt Jörg Döpp. Der Nachteil: „Man muss alles mit hochschleppen.“

Related content Auf der Halde Rheinpreußen in Moers findet zum Beispiel seit 2010 einmal im Jahr das Moerser Drachenfest statt, das Tanja Josten und Jörg Döpp mitorganisieren. Aber auch die Halden Pattberg (Moers-Repelen), Norddeutschland (Neukirchen-Vluyn), Halde Haniel (Oberhausen/Bottrop) bieten sich an.

Auch den Rheinpark in Hochfeld ist ein gutes Terrain für dieses Hobby, ansonsten reicht aber auch ein Acker, die große öffentliche Wiese, das Rheinvorland und die niederländische Nordseeküste ist ja auch nicht so weit weg und eignet sich vielleicht für einen Wochenend- oder Tagesausflug.

Regelmäßig treffen sich die ambitionierten Drachenbauer auch am Elfrather See an der Stadtgrenze Moers-Vennikel/Krefeld und lassen dort immer sonntags ihre neuesten Kreationen steigen. Im Oktober gibt es auch noch zwei größere Drachenfeste, bei denen sich die Szene trifft: Am 6. und 7. Oktober steigt das Drachenfest auf dem Segelflugplatz Menden-Barge. Eine Woche später, am 13. und 14. Oktober findet dann mit dem Kitefestival in Lünen das größte Drachenfest in NRW statt.

Wo und wann man keine Drachen steigen lassen sollte

Außer in der Nähe von Flugplätzen ist es nirgends explizit verboten, Drachen steigen zu lassen. Gefährlich wird es aber in der Nähe von großen Straßen, egal ob Autobahn oder Land- oder Bundesstraße. Auch sollte man seinen Drachen nicht direkt über Menschen und in der Nähe von Stromleitungen fliegen lassen. Bei Regen und aufziehendem Gewitter sollte man den Drachen sicherheitshalber eingepackt lassen und sich lieber eine andere Freizeitbeschäftigung suchen.