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Die Bergheimer Ruhe

19.09.2010 | 15:00 Uhr
In Bergheim unterwegs: WAZ-Redakteur Willi Mohrs (l.) und Werner Bartels. Foto: Lars Fröhlich

Duisburg. Wenn nur die Jägerstraße nicht wäre... Aber dazu kommen wir später, erst sehen wir uns eine wahre Schönheit an: die Bergheimer Mühle. Runder Backsteinturm auf runder Backsteinbasis – aber leider steht sie leer. Wieder einmal.

Gastronomen hätten’s mehrfach probiert mit dem Bau aus dem 18. Jahrhundert, aber es mangele im Innern wohl an Platz, meint mein Bergheim-Führer Werner Bartels. Schön anzusehen bleibt sie dennoch, die Mühle, zu deren Füßen alljährlich ein populäres Musik-Festival stattfindet.

Genauso rund, aber noch höher als Mühle ist der historische Wasserturm, der 1908 durch die Gemeinde Hochemmerich errichtet wurde. 50 Meter ragt der Turm in die Höhe, die Adresse „Auf dem Berg“ verweist auf die fast alpine Höhe des Standortes, die zusätzlich für Wasserdruck sorgt: 36 Meter über Normal Null.

Duisburgs Stadtteile II
Bergheim in 60 Sekunden
21.078 Einwohner

Bergheim gehört zum linksrheinischen Stadtbezirk Rheinhausen und hat (allerdings einschließlich Oestrum) laut amtlicher Statistik exakt 21.078 Einwohner, davon sind 10.926 weiblichen Geschlechts und 10.151 männlichen Geschlechts. Der Ausländeranteil liegt bei 8,2 Prozent.

Der Name des Stadtteils könnte möglicherweise darauf zurückzuführen sein, dass er im Vergleich zum Umland etwas höher liegt – daher auch die Entscheidung, den Wasserturm zu errichten.

Zu Bergheim gehören auch die Ortsteile Oestrum (dort waren wir Rahmen eines früheren Stadtteilreports bereits) und Trompet.

In unmittelbarer Nähe, aber jenseits der Moerser Stadtgrenze lag Asciburgium, im Altertum ein Lager der Römer, das zudem durch eine Römerstraße ans antike Verkehrsnetz angebunden war.

Bleiben wir beim Wasser. Bartels führt mich durch eine gepflegte Wohnstraße und ein Wäldchen vom Turm zum See, genauer: zum Toeppersee, benannt nach der Unternehmerfamilie, die hier einst aus Sand und Kies Geld machte. Aus dem Baggerloch ist längst ein Erholungsparadies geworden, auch wenn zum Leidwesen nicht nur der Bergheimer das beliebte Freibad unlängst abgerissen wurde.

Bungalows, auch Villen sind in See-Nähe entstanden, eine ruhige Gegend mit hohem Freizeitwert. Am Ufer entlang geht’s weiter über einen Weg, der vor Jahrzehnten Bahndamm war, vorbei an ausgedehnten grünen Wiesen, im Schatten schöner Bäume. „Im Sommer ist es hier rappelvoll“, sagt Bartels. „Der halbe Kohlenpott kommt hier hin.“

Darunter viele grillwillige Migranten, hat Bartels beobachtet und ist voll des Lobes: „Die haben zu 99 Prozent Müllsäcke dabei.“ Sauber ist’s am See tatsächlich – keine Selbstverständlichkeit in öffentlichen Grünzonen. Eine gute Stunde ist man übrigens unterwegs, wenn man den Toeppersee umrunden will, aber das hieße, die Bergheimer Grenze zu Rumeln zu überschreiten.

Wir verlassen die See-Seite und kommen in eine gut erhaltene Zechensiedlung. Erbaut für „Mevissen“-Beschäftigte ist sie heute eine ruhige Wohnlage, eine lebensgroße Kumpelfigur samt Kohlenlore in einem Vorgarten macht Geschichte lebhaft.

Duisburgs Stadtteile III

Wieder fällt eines auf: Bergheim ist ruhig. „Wir wohnen hier fast wie auf dem Dorf“, sagt auch Bartels: „Natur haben wir reichlich.“ Und sonst? „Kulturmäßig ist hier tote Hose“, lacht er, der seit 1972 in Bergheim lebt. Seine Frau ist dort geboren.

Aber so etwas wie ein Museum existiert dennoch. Die „Rheinhauser Bergbausammlung “ hat nämlich direkt gegenüber vom Wasserturm ein Domizil gefunden und ist wirklich einen Besuch wert. Erinnerungsstücke, alte Werkzeuge, Modelle sind sehenswert, und für Erläuterungen sorgen jeden Donnerstag, 9 bis 16 Uhr, ein paar äußerst engagierte Herren, die den Bergbau unter Duisburg noch aus der Praxis kennen (www.bergbausammlung.de).

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Für den täglichen Bedarf ist hingegen gesorgt. Bäcker gibt’s, Metzger auch, zwei namhafte Discounter, zweimal die Woche auch einen Markt. Bartels: „Eigentlich haben wir alles in greifbarer Nähe.“ Auf der Wunschliste stehe allenfalls noch eine Bereicherung des gastronomischen Angebots.

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Und dann ist da noch die Sache mit der Jägerstraße. „Unser Sorgenkind“, klagt Bartels. Seit der Sperrung der Friedrich-Ebert-Straße für den Lkw-Verkehr sei die Jägerstraße ein Schleichweg für den Schwerverkehr und viele andere Autofahrer eine Rennstrecke. „Dass nicht jeden Tag ein Unfall passiert, ist ein wahres Wunder.“ Besonders betroffen von der Zunahme des Verkehrs seien die sogenannten „Grafschafter Häuschen“, einstöckige Wohnhäuser mit Satteldach, allesamt sehr nah an der Fahrbahn gelegen. Man sieht: Straße waren früher schmaler als heute.

Duisburgs Stadtteile I
Bilder aus 114 Jahren Stadtgeschichte in...
Duisburgs Stadtteile IV

Seit Monaten sei man mit der Stadt im Gespräch, schildert Bartels die Stimmung unter den Jägerstraßen-Anliegern. Ziel sei eigentlich nur eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h . Damit auch an dieser Stelle etwas von der Bergheimer Ruhe einkehrt.

Willi Mohrs


Kommentare
20.02.2012
18:14
Die Bergheimer Ruhe
von babilon | #14

Wir brauchen in Bergheim keine Jägerstraße und keine Sauerlandstraße.
Leute mit diesen Name haben Duisburg bei der LP sehr geschadet.

1 Antwort
Die Bergheimer Ruhe
von W113 | #14-1

So ein Blödsinn, die Strasse heißt schon seit Jahrzenten Jägerstr. Da gab es den Herrn noch gar nicht. Wollen sie nun alles was heißt streichen?

05.01.2011
11:28
Die Bergheimer Ruhe
von EdiSie | #13

Leider hat Herr Bartels die Entwicklung des Erholungsparadieses ToepperSee in Bergheim verpasst. Hier müsste er sich mal bei der Polizei in Rheinhausen über die in den letzten Jahren angestiegene Kriminalität informieren. Mein grillwilliger Sohn ist im letzten Sommer (am 4.6.) von grillwilligen Jugendlichen mit entsprechenden M-Hintergrund angegriffen worden. Die Ermittlung lief unter versuchter Tötung. Er ist nur mit dem Leben davon gekommen, weil sich seine Freundin (ca. 1,60 m groß, 45 Kg schwer) schützend auf ihn gelegt hat (sie haben auf ihn eingetreten als er schon am Boden lag). Dafür hat sie allerdings einen üblen Tritt in den Rücken erhalten. Wenn ich mich in diesem Erholungsparadies aufhalten, dann nur in der Hoffnung, irgendwann einen von diesen Typen ausfindig machen zu können.

1 Antwort
Die Bergheimer Ruhe
von Rakllo | #13-1

hoffendlich geht es Ihren Sohn wieder gut,sowas vergiest man nicht so schnell,wir werden an den Sonntagen immer von den Hunden angemacht,diese Leute versehe ich nicht,richtig Frech werden die,da sollten die Partyleute mal drufhauen.Sorry,ist aber so

29.12.2010
18:40
Die Bergheimer Ruhe
von Reiner Sarrazynismus | #12

Lieber A.Röder,
ich bin gaaanz ihrer Meinung.

Eine verbesserung der Situation in und um die Mühle herum ist...:...Nur zu realisieren durch einen Anbau. Dieser wurde aber durch die angrenzenden Grundstückseigentümer bisher erfolgreich verhindert....

Diese schrecklichen Anwohner haben doch keinen Sinn für Schönes-Wohnen.
So eine tolle Baustelle, vor der (fast abgezahlten) Eigentums-Haustür... wirtschaftswachstum !!!
Will doch sonst jeder.

Bergheim = Galien.

Und dann halten die auch noch zusammen. Könnte man ja fast für eine echte GEMEINDE halten. Pfui... und dass in solch bequemen Zeiten. Schreckliche Gemeinde.

Die retten ja sogar ihr eigenes Gemeindehaus.

So nach dem Motto: Bergheim21... Auf dem Wege in eine bessere Zukunft.

Vieleicht noch ein Lidl oder ´nen Parkplatz daneben, A.Röder?

Duisburg ist weit weg... zum glück ;)

1 Antwort
Die Bergheimer Ruhe
von Rakllo | #12-1

Stuttgart 21,Bergheim abreissen

20.12.2010
18:03
Die Bergheimer Ruhe
von Schwafheimer | #11

Ähm, also so ganz sauber ist der See nicht.

Es gibt sogar ein handfeste Müll- und Algenprobelm.
Beide Seen (Töpper und Tegge) kippen jedes Jahr um.

Rund um die Tegge hinterlassen Jugendliche im Sommer reinste Müllhalden, am schlimmsten ist es am Ostufer der Tegge.

Und die besagte Strasse (gepflegte Wohnstrasse zum T-see) würde ich nachts im Sommer auch meiden. Auf dem Parkplatz des ehemaligen Bades stehen Nachts oft Autos mit finsteren Gestalten.

1 Antwort
Die Bergheimer Ruhe
von Rakllo | #11-1

das hatten wir in den 70er nicht

29.10.2010
00:04
Die Bergheimer Ruhe
von utgi | #10

Das kann ich nur bestätigen

11.10.2010
16:28
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #9

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1 Antwort
Die Bergheimer Ruhe
von Rakllo | #9-1

warum

29.09.2010
16:22
Die Bergheimer Ruhe
von Trompetentrompeter | #8

Kommt erst mal nach Trompet, da seht ihr, wo der Hund begraben liegt. :D

25.09.2010
14:44
Die Bergheimer Ruhe
von Autofahrer | #7

Leider fehlte den Pächtern entweder ein vernünftiges Konzept oder es lag an irgendwelchen Behördenauflagen. Mir ist zb unverständlich das auch im Sommer nie die große obere Terasse genutzt wurde, oder das ich zb. meine wunderschöne viele Leute anlockende Weihnachtsbeleuchtung genutzt habe um zb einen Glühweinstand und Reibekuchenstand in den frühen Abendstunden zu machen. Aber wie gesagt vielleicht liegts auch an irgendwelchen Auflagen. Aber es ist schade das da nichts mehr stattfindet.

Ansonsten kann ich von tote Hose n in nicht viel sehen.Es gibt jede Menge in Bergheim, man muß nur die Augen aufmachen und auch mal drauf einlassen.

Ich wohne dort seit 2005 und habs keine Sekunde bereut !!!

22.09.2010
22:37
Die Bergheimer Ruhe
von d. b. | #6

@ 5 dann waren Sie entweder in der falschen Mühle oder noch bei Il Mulino noch bevor es Robertos Mühle hieß

21.09.2010
22:04
Die Bergheimer Ruhe
von A.Röder | #5

Ich bin gerne in die Mühle gegangen als diese noch als Restaurant genutzt wurde. Das angeblich hochpreisige Restaurant war ein gutes italienisches Restaurant mit zivilen Preisen (klar - Döner und Pommes sind billiger). Leider fehlt in den Räumlichkeiten ein Saal für Hochzeiten etc. Nur zu realisieren durch einen Anbau. Dieser wurde aber durch die angrenzenden Grundstückseigentümer bisher erfolgreich verhindert. Mit den wenigen Sitzplätzen im Inneren rechnet sich ein gastronomischer Betrieb einfach nicht. Ich bedauere es sehr, dass alle Gastronomen aufgeben mussten.

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